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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Verleihung des Roland-Berger-Preises für Menschenwürde

Bundespräsident Horst Köhler überreicht der Preisträgerin eine Medaille, daneben steht Roland Berger Berlin, 24. November 2008 Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Steffen Kugler, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

"Mut für eine bessere Welt"

Die Würde des Menschen "ist über allen Preis erhaben."

Immanuel Kant, dem wir diese Einsicht verdanken, wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Würde eines jeden Menschen einen einzigartigen Wert hat, weil jeder Mensch einzigartig ist, dass sie in der Hierarchie der Werte ganz oben steht und nicht gegen andere Güter abgewogen werden kann. Die Menschenwürde hat keinen Preis. Aber Menschen, die sich für sie einsetzen, können sehr wohl ausgezeichnet werden. Ich freue mich, dass wir heute Abend zum ersten Mal den Roland-Berger-Preis für Menschenwürde verleihen.

Es gehört zu den bitteren Erfahrungen, dass der Schutz der Menschenwürde auch heute, mehr als 200 Jahre nach Immanuel Kant und fast auf den Tag genau 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Grund- und Menschenrechte der Vereinten Nationen, in vielen Teilen unserer Erde immer noch keine Selbstverständlichkeit ist. Auch heute noch sind Menschen Repressionen von Unrechtsregimen ausgesetzt, und auch heute noch bleiben Gefangene vergessen. Und immer noch sind es auch die Lebensumstände - vor allem Armut und die Spirale von Elend und Gewalt -, die es Vielen schwer machen, ein Leben in Würde zu führen.

Die Globalisierung hat vielen Menschen - hauptsächlich in Asien - die Möglichkeit eröffnet, sich aus Armut und Elend zu befreien. Sie hat aber auch den Blick auf die Nöte in anderen Teilen der Welt gelenkt und uns neue Formen menschlicher Erniedrigung vor Augen geführt.

Wir müssen für eine bessere Globalisierung arbeiten, eine Globalisierung, die allen zugute kommt. Das verlangt auch die Arbeit an einem gemeinsamen Ethos der Weltgemeinschaft, das sagt: Wir dürfen andere nur so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen.

Der Roland-Berger-Preis für Menschenwürde will dazu beitragen, dieses Ethos ein Stück voranzubringen. Das finde ich stark und darüber freue ich mich. Die erstmalige Vergabe des Preises lenkt unseren Blick auf Themen, bei denen viele gerne wegschauen: auf Menschenhandel, Zwangsprostitution und Sextourismus. Es sind elementare Verletzungen der Menschenwürde. Und sie finden nicht nur in fernen Ländern statt, sondern auch bei uns. Ich schäme mich, dass Männer aus unserem Land sich an der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Kindern in aller Welt beteiligen. Es ist eine Schande, dass Frauen zur Prostitution in unser Land verschleppt werden.

Ich freue mich ganz besonders, dass der Roland-Berger-Preis für Menschenwürde an eine Frau geht, die dieses Thema aus eigenem Erleben kennt, weil sie als Zwangsprostituierte in ihrem Heimatland unsägliches Leid erdulden musste. Heute kämpft sie dafür, dass anderen Frauen und Mädchen dieses Schicksal erspart bleibt. Wir zeichnen eine Frau aus, deren Geschichte erschüttert - und zugleich Hoffnung gibt; eine Frau, die durch ihren Einsatz zur Wahrung der Menschenwürde uns allen ein Vorbild ist: Somaly Mam.

Roland Berger hat diesen Preis ins Leben gerufen und aus seinem Vermögen großzügig ausgestattet. Dafür gilt Ihnen unser Dank, Herr Berger. Mehr zu tun als nur die Pflicht, sich zu engagieren, zu stiften, Mäzen sein - das ist Ausdruck von bestem Bürgersinn. Und es ist vor allem auch ein solcher Bürgersinn, der den Zusammenhalt unserer Gesellschaft fördert. Es ist wichtig, dass vermögende Bürger ihren Wohlstand nicht nur als Grundlage eines angenehmen Lebens oder gar als Quelle von Macht und Einfluss begreifen, sondern auch als eine besondere Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Es ist ermutigend, wenn erfolgreiche Menschen das Bedürfnis spüren, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, weil sie wissen, dass ihr Erfolg immer auch auf den Leistungen noch anderer beruht. Nicht umsonst haben wir in unserem Grundgesetz verankert: "Eigentum verpflichtet".

Die Stiftung, die Roland Berger gegründet hat, vergibt nicht nur diesen Preis, sondern kümmert sich auch um ein wichtiges Zukunftsthema unserer Gesellschaft: um die Bildung von jungen Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Wir können es uns nicht leisten, Talente verkümmern zu lassen. Und Talente sind überall zu finden. Ich freue mich, lieber Herr Berger, dass Sie sich mit Ihrer Stiftung gerade auch in diesem Bereich engagieren. Gute Bildung für alle macht unsere Gesellschaft durchlässig und kreativ. Je besser die Bildung, desto größer auch die Chancen für sozialen Aufstieg. Bildung ist ein Menschenrecht und gleichzeitig hilft sie, den Menschenrechten Geltung zu verschaffen. Bildungschancen sind Lebenschancen. Das gilt hier bei uns - und es gilt überall in unserer Einen Welt.

Meine Damen und Herren, es ist schön, dass Sie alle zu dieser ersten, feierlichen Verleihung des Roland-Berger-Preises gekommen sind. Wir feiern den Mut und die Beharrlichkeit von Somaly Mam und wir feiern das noble Engagement von Roland Berger. Beide machen uns Mut, dass eine bessere Welt möglich ist. Danke dafür.