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Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler beim Mittagessen zu Ehren Ihrer Kaiserlichen Hoheiten Prinz und Prinzessin Hitachi von Japan

v Berlin, 25. September 2009 Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Gestern ist Berlin die Ehre zugekommen, dass von hier die diesjährigen Preisträger des Praemium Imperiale verkündet wurden. Aber dieses Jahr kann sich Berlin, kann sich Deutschland, ganz besonders ausgezeichnet fühlen, da Sie, Kaiserliche Hoheiten Prinz und Prinzessin Hitachi, sich persönlich anlässlich der Verkündung nach Berlin begeben haben. Es ist mir daher eine besondere Ehre und Freude, Sie heute in Schloss Bellevue begrüßen zu dürfen.

Einer der diesjährigen Preisträger, der japanische Meisterfotograf Hiroshi Sugimoto, ist dafür bekannt, dass er über lange Jahre hinweg Fotos zu bestimmten Themen macht, die er dann zu einer Serie zusammenfügt. Auch für eine langjährige Bilder-Serie zu den Veranstaltungen um den Praemium Imperiale in Deutschland gäbe es Stoff genug: 1993 gaben Sie, Herr Bundespräsident von Weizsäcker, hier einen Empfang, Bundespräsident Herzog wählte 1998 die Glyptothek in München, 2004 bot das Pergamon-Museum Bundespräsident Rau den Rahmen für eine Begegnung.

Auf allen Bildern so einer Serie wären unterschiedliche Gäste zu sehen, aber auch immer wiederkehrende Persönlichkeiten. Diese Beständigkeit und langjährige Verbundenheit charakterisiert die ohnehin ausgezeichneten deutsch-japanischen Beziehungen in besonderer Weise. Im Jahre 2011 können wir auf 150 Jahre diplomatischer Beziehungen zu Japan zurückblicken. Mit keinem anderen Land in Ostasien unterhalten wir so lange offizielle Verbindungen. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass Deutschland und Japan dieses Jubiläum angemessen würdigen werden.

Unsere beiden Länder sind im vergangenen Jahrhundert durch tiefe Täler gegangen. Heute sind wir wieder geachtete Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft. Für Deutschland macht mich das froh und dankbar. Ich denke aber auch, dass uns unsere Erfahrungen dazu verpflichten, aktiv Mitverantwortung für eine friedliche und bessere Welt in der Zukunft zu tragen. Tatsächlich befindet sich die Welt in einem Prozess des Paradigmenwandels: Neue Mächte kommen auf, nicht zuletzt in Asien; der Klimawandel und die Armut in der Welt sind ungelöste Menschheitsaufgaben. Es stellen sich also viele neue Fragen und wir brauchen eine neue Kultur der Achtsamkeit. Gerade in diesen Zeiten kommt der künstlerischen Freiheit und Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz eine ganz besondere Bedeutung zu. Da ist es besonders wichtig und verdienstvoll, dass es den Praemium Imperiale gibt, der immer wieder zur Recht mit dem Nobel-Preis für Wissenschaft verglichen wird. Ich möchte dem japanischen Kaiserhaus und der Japan Art Association noch einmal ausdrücklich für ihr großes Engagement für die Kunst danken.

Die Zeit ist zu kurz, um über alle weltbekannten Preisträger des Praemium Imperiale etwas zu sagen. Ich möchte mich daher auf eine Bemerkung über diejenige beschränken, die heute unter uns weilt: Es ist die Kremerata Baltica, vertreten durch Frau Zemzare. Ich freue mich sehr über diese Anerkennung. Nicht nur wegen der künstlerischen Qualität des Orchesters, sondern auch wegen des besonderen Verhältnisses von Musik und Freiheit im Baltikum, wo die Menschen vor 20 Jahren eine "singende Revolution" gemacht haben. Dies ist ein Beispiel, dass sich auch kleine Völker bemerkbar machen können. Ein Beispiel mit weltweiter Strahlkraft.

Werte Gäste, ich bitte Sie nun, mit mir das Glas zu erheben und einen Toast auszubringen auf die Gesundheit von Prinz und Prinzessin Hitachi, auf die Freundschaft zwischen Japan und Deutschland und auf Kunst und Wissenschaft weltweit. Denn, um mit Goethe zu sprechen: "Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören der ganzen Welt an."