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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Empfang für die Teilnehmer des Stiftertags des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft

Bundespräsident Horst Köhler am Rednerpult, ihm gegenüber stehen die Zuhörer Berlin, 21. Oktober 2009 Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Sandra Steins, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

"Stiftungen stärken die Bürgergesellschaft"

Der Stiftertag - und damit verbunden der Dank an die Stifter und die Freude über die neu gegründeten Stiftungen - fällt traditionell in den Herbst. Das ist von jeher eine stürmische Jahreszeit, aber in diesem Jahr haben wir auch wirtschaftlich raue Zeiten erlebt.

Die Finanzkrise trifft auch die Stiftungen: durch den Verlust von Stiftungskapital und durch gesunkene Kapitalerträge. Ich weiß, einige Stiftungen konnten die Verluste durch "Kapitalspritzen" ihrer Gründer auffangen. Einige konnten die bisherigen Einbußen durch die Rücklagen vergangener Jahre ausgleichen. Aber viele werden laufende Programme vielleicht kritischer beurteilen und sich bei neuen Projekten möglicherweise Zurückhaltung auferlegen müssen. Ich hoffe sehr, dass wir die Krise rasch überwinden und dass sich die Stiftungen schnell von Rückschlägen erholen. Denn Stiftungen stärken die Bürgergesellschaft auf doppelte Weise. Sie sind zum einen unmittelbarer Ausdruck bürgerschaftlichen Handelns. Und sie unterstützen zum anderen das Engagement vieler Menschen, die den Willen und die Kraft zum Handeln haben, denen es aber ohne die Stiftungen an den notwendigen finanziellen Mitteln fehlen würde. Darum ist ihr Beitrag so wertvoll und so wichtig. Er veranschaulicht, dass die im Grundgesetz verlangte Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums in unserer Gesellschaft lebt. Ich danke Ihnen von Herzen für Ihr Engagement und für Ihre Arbeit.

Im vergangenen Jahr wurden - trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten - erneut über 1.000 Stiftungen gegründet, rund 30 davon unter dem Dach des Deutschen Stiftungszentrums. Das ist eine ermutigende Zahl.

Die Stiftungslandschaft in Deutschland wird immer vielfältiger und reichhaltiger. Das betrifft sowohl die Handlungsfelder als auch die finanziellen Spielräume der Stiftungen. So ermöglicht beispielsweise eine im vergangenen Jahr gegründete, großzügig ausgestattete Stiftung eines Unternehmerehepaars den Aufbau eines Instituts zur Erforschung der Vaskulären Demenz. Andere Stiftungen sind vergleichsweise klein, aber ich bin überzeugt: jede Stiftung - ob groß oder klein - bringt die unterstützten Menschen und Projekte einen Schritt weiter. Und manche Stiftung, die klein angefangen hat, ist im Laufe der Zeit durch Zustiftungen und Spenden zu stattlicher Größe gewachsen. Darum gilt mein Dank auch den Zustiftern und Spendern.

In einer wachsenden, sich verzweigenden Stiftungslandschaft erscheint mir die Zusammenarbeit der Stiftungen wichtiger denn je. Sie fördert die Schlagkraft der Stiftungen und ihre Sichtbarkeit - sowohl in der Öffentlichkeit als auch für jene, die daran interessiert sein könnten, mit einer Stiftung ins Gespräch zu kommen.

Ein Beispiel für die gelungene Kooperation größerer Stiftungen ist die Initiative "Lernen vor Ort", in der sich Partner zusammengetan haben, um den Aufbau lokaler Bildungslandschaften zu unterstützen, und um - "vor Ort" beginnend - unser ganzes Land zum Besseren zu verändern. Solche Veränderung ist möglich, und sie ist nötig.

Meine Damen und Herren, durch die Gründung einer Stiftung haben Sie alle mit einem Teil Ihres Vermögens eine Kraftquelle geschaffen, die helfen kann, unser Land voranzubringen. Deshalb noch einmal herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg. Mit meinen Möglichkeiten möchte ich weiterhin dazu beitragen, dass Ihr Engagement gesehen wird, dass es anerkannt wird und dass es auch weitere Unterstützung bekommt.