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Begrüßungsworte von Bundespräsident Horst Köhler beim Empfang zu Ehren von 50 Jahren Wissenschaftsbeziehungen zwischen dem Weizmann-Institut und der Max-Planck-Gesellschaft

Der Bundespräsident steht am Rednerpult, die Gäste stehen ihm gegenüber Berlin, 9. Dezember 2009 Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) © Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA)

Am 1. Dezember 1959, beinahe auf den Tag genau vor 50 Jahren, machte sich Otto Hahn mit einer Delegation von deutschen Wissenschaftlern aus der Max-Planck-Gesellschaft nach Israel auf. Dieses Datum markiert den Beginn einer außergewöhnlichen, ja wunderbaren Zusammenarbeit. Außergewöhnlich deshalb, weil nach dem Zivilisationsbruch der Shoah jüdische Wissenschaftlicher bereit waren zur Zusammenarbeit mit deutschen Forschern, und wunderbar, weil dies einer der ersten Schritte war zur Verständigung zwischen Israel und Deutschland auf staatlicher Ebene.

Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels, hatte es früh auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass Intelligenz der "einzige Rohstoff ist, über den wir verfügen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Weizmann-Institut und der Max-Planck-Gesellschaft leistet bis heute einen Beitrag dazu, diesen Rohstoff zu mehren. Frau Ada E. Yonath, der morgen gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern der Nobelpreis für Chemie verliehen wird, ist ein glänzendes Beispiel für diese gute Zusammenarbeit. Auch das gerade zu Ende gegangene Deutsch-Israelische Jahr der Wissenschaft und Technologie hat ein helles Licht auf die Dichte und den Erfolg unserer Wissenschaftsbeziehungen geworfen. Ich setze darauf und werde mit meinen eigenen Möglichkeiten dazu beitragen, dass sich diese Beziehungen stark und produktiv weiterentwickeln.

Meine Bewunderung für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Israels ist groß. Deutschland schneidet in diesem Bereich nicht schlecht ab, aber ich wünsche mir, dass wir uns hier in Deutschland noch mehr anstrengen. In jedem Fall sollten wir für unsere bilaterale Zusammenarbeit ehrgeizig sein und herausragende Ergebnisse erwarten: zum Beispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen oder für die Gesundheitsforschung. Fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch zwischen unseren Ländern gibt es indes nicht nur in den Natur- und Lebenswissenschaften, sondern auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Darüber freue ich mich, und auch Minerva, der Göttin der Wissenschaft und der Weisheit, würde das wohl gefallen. Ihr Name ziert die Stiftung, die bis heute das Herzstück der Partnerschaft zwischen dem Weizmann-Institut und der Max-Planck-Gesellschaft bildet. Wer von Ihnen, meine Damen und Herren, die Metopen des Zeus-Tempels in Olympia kennt, der hat vor Augen, wie Minerva alias Athene dem Herakles bei seinen Arbeiten beisteht: Der Geist hilft der Tat. Ich verstehe das auch als ein schönes Bild dafür, wie wichtig die Wissenschaft dafür ist, eine bessere Zukunft für alle Menschen unserer Einen Welt zu erreichen.

Meine Damen und Herren, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Jubiläum Ihrer Wissenschaftsbeziehungen und bitte Sie: Arbeiten Sie weiter eng zusammen, um gemeinsam Wissen zu mehren und um die Partnerschaft zwischen unseren Ländern stetig zu vertiefen. Denn diese Partnerschaft liegt uns hier in Deutschland besonders am Herzen. Ihnen, lieber Herr Professor Zaijfman, und allen Gästen aus Israel wünsche ich auch, dass Sie die "Freiheit zu denken" eines nicht allzu fernen Tages in einem friedvollen Umfeld leben und nutzen können. Ich danke Ihnen.