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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Eröffnung der Ausstellung Glaube, Stärke, Liebe

Der Bundespräsident an einem Rednerpult in einem Ausstellungsraum mit Gemälden. In den Reihen vor ihm sitzen neben vielen Gästen die dänische Königin und der sächsische Ministerpräsident. Kopenhagen, Dänemark, 16. Februar 2010 Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, BPA © Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, BPA

"Die Kunst, Europa zu leben"

Vier große Verbindungen haben die königlichen beziehungsweise fürstlichen Häuser Dänemarks und Sachsens verknüpft. Vier Hochzeiten, die mit heute nicht mehr vorstellbarem Pomp gefeiert wurden, führten Kopenhagen und Dresden zusammen. Auf große Feste hat man sich gut verstanden in jenen Zeiten, selbst mitten im Dreißigjährigen Krieg. Feuerwerke, Tanzvergnügen, speziell für den Anlass komponierte Opern oder auf den Tag hin geschriebene Theaterstücke - alles das gehörte zu dem Glanz, der sich entfalten sollte und mit dem man die immer neue Verbindung der beiden wichtigsten protestantischen Höfe Europas demonstrativ feiern wollte. Es einte sie der gemeinsame Glaube, das Bekenntnis zur Reformation und sie einte auch politisches Interesse - aber sie stärkten diese Gemeinsamkeiten durch die Hochzeiten zwischen den Häusern, wobei nicht ausgeschlossen werden darf, dass die beiden, die jeweils heirateten, sich auch wirklich liebten. Der Titel der Ausstellung ist deshalb schön gewählt: "Glaube, Stärke, Liebe".

"Die Kunst der Allianz" heißt ein Kapitel im deutschen Katalog zur Ausstellung - und mir gefällt sehr gut die Doppeldeutigkeit dieser Überschrift. Die Kunst der Allianz meint ja in einem Sinne, die Kunst, die dieser dänisch-sächsischen Allianz Ausdruck verliehen, die ihr vor allem Glanz gegeben hat. Lassen wir uns verzaubern von den großen Zeugnissen künstlerischen und kunsthandwerklichen Könnens. Vieles davon ist unbestritten Luxus, also eigentlich nicht notwendig. Aber es war und ist deswegen nicht überflüssig. Wer - als Auftraggeber - so viel Kosten aufwendet, dem ist jemand sehr viel wert. Und wer - als Künstler oder Handwerker - so viel Mühe, Fertigkeit und Können einsetzt, der schafft etwas Kostbares, Einmaliges und darum unersetzlich Wertvolles.

Die Kunst der Allianz meint aber auch die Kunst, eine Allianz zu bilden, zu bewahren und zu festigen. Ja, das ist eine Kunst und es ist gut, wenn wir gelegentlich daran erinnern, dass wir in früheren Zeiten nicht von "Regierungshandeln" oder "governance" gesprochen haben, sondern von "Staatskunst". Es ist heute nicht weniger eine Kunst als früher, eine Allianz, eine Gemeinschaft von Staaten zusammenzuhalten und ihren Geist immer neu lebendig zu halten. Das gilt ganz gewiss auch für Europa und die Europäische Union.

Dänemark und Deutschland verbindet heute weit mehr als die dynastische Verbindung zweier Fürstenhöfe. Als Mitglieder in der Europäischen Union haben wir Anteil am europäischen Modell, das erfolgreich Marktfreiheit mit individueller Verantwortung und mit sozialem Ausgleich verbindet. Europa hat ein großes Werk des Friedens, des wirtschaftlichen und sozialen Wohlstands, der Festigung der Demokratie und der Förderung der Menschenrechte geschaffen. Dafür wird es weltweit bewundert. Darauf können wir Europäer stolz sein. Ich sehe in diesem Erfolg aber auch eine Verpflichtung, unsere Stimme in der Welt vernehmbar zu machen. Wir müssen mit Überzeugungskraft und ohne aufzutrumpfen für unser europäisches Modell eintreten. Deshalb hoffe ich, dass die Europäische Union auch die Möglichkeiten nutzt, die der Vertrag von Lissabon für die Stärkung einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik bietet. Wir müssen den politischen Willen aufbringen, auch in schwierigen Fragen eine gemeinsame Linie zu finden und sie kraftvoll zu vertreten. Nur dann wird man Europa als Partner für die Gestaltung der Globalisierung wirklich ernst nehmen.

Dänemark und Sachsen haben 150 Jahre lang eine erfolgreiche politische Allianz gebildet. Heute wollen wir alle in der Europäischen Union unsere Kräfte bündeln und daran arbeiten, in der Welt eine Kraft zum Guten zu sein.

Ich danke Ihnen.