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Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Benefizkonzert des Bundespräsidenten

Bundespräsident Horst Köhler am Rednerpult Hannover, 12. März 2010 Foto: Kai-Uwe Knoth, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung © Foto: Kai-Uwe Knoth, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

"Eine Chance für Kinder"

Meine Frau und ich, wir freuen uns sehr, heute Abend bei Ihnen in Hannover zu sein, in dieser wunderschönen, traditionsreichen alten Marktkirche - die wir übrigens schon von einem früheren Besuch her kennen. Gleich werden wir diesen Ort noch einmal ganz anders erleben, erfüllt mit Musik nämlich.

In der Musik wird heute Abend noch etwas Besonderes mitschwingen: Die Hoffnung, Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Denn der Erlös des heutigen Benefizkonzertes wird der niedersächsischen Stiftung "Eine Chance für Kinder" zugute kommen. Das war ein Vorschlag von Ministerpräsident Wulff, seine Frau ist selbst Schirmherrin der Stiftung, und ich habe sofort ja gesagt.

Denn hierzulande wachsen zwar die meisten Kinder in behüteten Verhältnissen auf, unterstützt und gefördert von ihren Eltern - aber leider bei weitem nicht alle. Manche Kinder sind von Anfang an schlechter dran. Weil ihre Mütter und Väter selbst fast noch Kinder sind, weil ihre Eltern getrennt leben, keine Ausbildung oder wenig Geld haben, unter Druck stehen oder krank sind, körperlich oder seelisch. Es gibt Kinder, die keine regelmäßigen Mahlzeiten bekommen, die verwahrlosen, die misshandelt werden, denen niemand die Anregung und die Zuwendung gibt, die sie brauchen zum Wachsen und Gedeihen.

Darum ist die Stiftung "Eine Chance für Kinder" eine so gute Idee. Sie setzt auf frühe Hilfen und will die Kinder über die Mütter erreichen. Diesen Ansatz finde ich sehr einleuchtend. Darum werden "Familienhebammen" ausgebildet, die als Fachfrauen und Vertraute zugleich dann Schwangere und junge Mütter in Krisensituationen begleiten und unterstützen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, dass Mütter sich überfordert fühlen und die Kinder darunter leiden müssen.

Besonders beeindruckend finde ich, dass dieses Programm über den Status eines Pilotprojekts längst hinausgewachsen ist. Denn das ist ja oft die Crux: Die guten Ideen sind da, sie können aber nur umgesetzt werden, wenn man sie auch mit langem Atem und eben dem nötigen Kapital über lange Zeit unterstützt. Inzwischen, so habe ich mir sagen lassen, gibt es weit über 200 Familienhebammen. Und das Angebot ist inzwischen in zahlreichen Kommunen fest verankert. Das finde ich wunderbar.

Ihnen allen, die Sie die Stiftung heute Abend mit dem Kauf Ihrer Karten unterstützt haben: Herzlichen Dank!

Ganz herzlichen Dank auch an alle, die heute bei dem Konzert mitwirken! Es ist schön, dass dieser Abend für Kinder selbst einen so jungen Akzent hat: Da ist der Mädchenchor Hannover, der Knabenchor Hannover, und auch der neue Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie, Eivind Gullberg Jensen, gehört noch zu den Nachwuchsstars der Dirigentenszene und ist, wie ich mir habe sagen lassen, selbst junger Vater.

Schön finde ich auch, dass wir heute ein Werk in Uraufführung hören werden: Es stammt von einem jüngeren Komponisten und Organisten, Pier Damiano Peretti, und wurde eigens für dieses Benefizkonzert komponiert. Wolfgang Amadeus Mozarts Große Messe in c-moll setzt dazu sicherlich einen starken Kontrast - aber machen wir uns klar: Mozart war gerade einmal 26 Jahre alt, als er dieses Meisterwerk komponierte.

Lassen Sie uns also das heutige Benefizkonzert im weitesten Sinne der nachwachsenden Generation widmen.

Ich freue mich sehr, dass Sie alle heute hier sind.

Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend!