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Interview mit der "Leipziger Volkszeitung"

Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch (Archivbild) Archivbild Bundespräsident Joachim Gauck im Gespräch (Archivbild) © Jesco Denzel

Bundespräsident Joachim Gauck hat der Tageszeitung "Leipziger Volkszeitung" ein Interview gegeben, das am 6. Oktober erschienen ist.

Leipzig wurde mit dem mutigen Protestzug vom 9. Oktober zur "Heldenstadt". Was verbinden Sie mit Leipzig?

Von Vaclav Havel haben wir gelernt, dass das wichtigste Machtmittel einer Diktatur die Angst in den Köpfen der Unterdrückten ist. Im Herbst 1989 haben die Menschen diese Macht gebrochen, indem sie ihre Angst überwanden und auf die Straßen gingen. In allen Teilen des Landes: in Plauen, in Berlin, in Arnstadt oder in Rostock. Aus Leipzig kam das Signal für uns alle: es kann gelingen, es wird gelingen und wir überwinden die SED-Diktatur.

Wieso war es für Sie so wichtig, dass der Akt der Feiern, des Erinnerns und der Zukunftsbotschaft in Leipzig stattfindet?

Der 9. Oktober gilt heute als der Tag der Entscheidung. Staatssicherheit und Volkspolizei hatte in den Tagen zuvor versucht, den Freiheitswillen der Menschen mit Gewalt und Drohungen zu zerschlagen. An jenem 9. Oktober aber mussten die Mächtigen vor den vielen Mutigen auf Leipzigs Straßen und ihren Rufen „Keine Gewalt“ und „Wir sind das Volk“ zurückweichen. Deshalb denken wir beim 9. Oktober in besonderem Maße an die Friedliche Revolution. Dieses Datum zeigt uns: Vor der Einheit kam die Freiheit. Die Leipziger feiern ihn schon seit Jahren mit einem großen Lichtfest. Ich finde, die ganze Bundesrepublik sollte an diesem glücklichen Erinnern teilhaben. Deshalb habe ich keinen Moment gezögert, gemeinsam mit den Präsidenten Polens, Tschechiens, Ungarns und er Slowakei nach Leipzig zu kommen.

Was kann Deutschland mit diesem Leipziger 9. Oktober anfangen?

Der 9. Oktober 1989 erinnert uns daran, wie wir die Freiheit errungen haben – und dass wir mit dieser Errungenschaft sorgsam umgehen müssen. Alles was uns heute so selbstverständlich erscheint – Grundrechte wie die Meinungsfreiheit etwa, die Pressefreiheit oder die Versammlungsfreiheit – sind kostbare Güter, die wir schätzen und schützen sollten. Diese Haltung brauchen wir auch in der Demokratie: Menschen, die als Bürger und Demokraten engagiert sind.

Die Fragen stellte: Dieter Wonka.