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Interview mit der Tageszeitung Badische Neueste Nachrichten

Bundespräsident Joachim Gauck in Schloss Bellevue (Archiv) Schloss Bellevue Bundespräsident Joachim Gauck in Schloss Bellevue (Archiv) © BPA

Der Bundespräsident hat der Tageszeitung "Badische Neueste Nachrichten" ein schriftliches Interview gegeben, das anlässlich des Besuchs des Bundespräsidenten in Karlsruhe am 23. Juni erschienen ist.

Was verbinden Sie ganz konkret mit Karlsruhe?

Karlsruhe hat eine reiche Geschichte und ist heute eine vielfältige, moderne Stadt. Womit viele Menschen – darunter auch ich – die Stadt natürlich besonders stark verbinden, ist das Bundesverfassungsgericht. Es wacht über die Einhaltung unserer Verfassung, und vor allem steht es jedem einzelnen, der Träger eines Grundrechts ist, offen. Das ist eine große Errungenschaft, für die Karlsruhe steht.

Karlsruhe feiert den 300. Geburtstag, ist als Stadt auf dem Reißbrett entstanden und für seinen Fächergrundriss berühmt. Wenn Sie Zeit für Sightseeing hätten, was würden Sie sich in der ehemaligen badischen Residenz oder in der Umgebung denn gerne anschauen?

Leider habe ich bei meinen Terminen meistens viel zu wenig Zeit, mir die Orte genau und ausführlich anzuschauen. Bei vielen nehme ich mir vor, mit mehr Zeit und Muße wiederzukommen. So war es auch, als ich im Oktober 2012 das Bundesverfassungsgericht besucht habe. Dieses Jahr habe ich wenigstens etwas Zeit, wenn ich nach Karlsruhe komme. Ich werde – wenn auch nur kurz – das Karlsruher Schloss und den Schlosspark besuchen. Drei Mal war ich vor meiner Präsidentschaft im nahen Raststatt – besonders wegen des dortigen Freiheitsmuseums. Und das Hambacher Schloss ist ja auch nicht so weit entfernt, ebenfalls ein wichtiger Ort der deutschen Freiheitsgeschichte.

Welches sind die häufigsten Fragen, die Ihnen bei Bürgerempfängen gestellt werden?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen wollen ein bestimmtes politisches, wirtschaftliches oder theologisches Thema mit mir diskutieren oder haben ein ganz konkretes, persönliches Anliegen. Andere wollen nur "Hallo" sagen, ein Foto machen oder wissen, wie es mir geht in meinem Amt. Häufig ist es aber auch so, dass ich die Fragen stelle. So lerne ich sehr viel über das Engagement und das Leben vieler Menschen in unserem Land.

Wobei können Sie ganz persönlich besser entspannen: mit Klassik oder Popsongs von Udo Lindenberg?

Udo Lindenberg hat mich in der Tat Jahrzehnte begleitet. Aber klassische Musik liebe ich schon besonders. Und ich bin überzeugt, dass die Menschen Werke von Bach oder Schubert oder vielen anderen großen Komponisten noch in Jahrhunderten hören werden. Aber ich habe auch nicht weggehört, als beim Bürgerfest im Schloss Bellevue im letzten Jahr zum Beispiel BAP und Tim Bendzko aufgetreten sind. Ich mag diese besondere Stimmung, wenn sich die Älteren oder die Jungen für ihre Musik begeistern.

Der Erlös des Benefizkonzerts im Badischen Staatstheater geht an die Alzheimer-Gesellschaft. Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Betroffenen in Ihrem Umfeld?

Diese Erfahrungen habe ich bisher nicht machen müssen. Wie Würde und Selbstbestimmtheit auch im Alter erhalten bleiben, und damit unter anderem auch das Thema Demenz, beschäftigt mich aber immer wieder bei Terminen und Begegnungen. Ich finde es wichtig, dass die Alzheimer-Krankheit inzwischen auch in der Öffentlichkeit, zuletzt sogar in einigen Spielfilmen, immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Erst wenn wir uns wirklich mit der Krankheit beschäftigen, erhalten wir einen Zugang zu ihr und können menschlich mit ihr umgehen. Und Alzheimer gehört zu den Krankheiten, die in einer immer älter werdenden Gesellschaft unseren Alltag immer stärker mitbestimmen werden. Vor dieser Entwicklung dürfen wir nicht die Augen verschließen.

Die Fragen stellte: Bernd Kamleitner.