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Abendessen zu Ehren von Fürst Albert II. von Monaco und Fürstin Charlène

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Rede Schloss Bellevue, 9. Juli 2012 Abendessen zu Ehren von Fürst Albert II. von Monaco und Fürstin Charlène - Ansprache des Bundespräsidenten © Steffen Kugler

Bienvenue à Bellevue! Wenn ich jetzt auf Deutsch weiterrede, werden unsere Ehrengäste mir wohl nicht gram sein. Der Fürst spricht bekanntlich hervorragend Deutsch. Und auch für Sie, verehrte Fürstin, klingt vielleicht etwas Vertrautes in unserer Sprache mit. Denn Ihre Urgroßeltern sind anno dazumal – 1861, habe ich gelesen – von dem kleinen Ort Zerrenthin im heutigen Mecklenburg-Vorpommern nach Südafrika ausgewandert. Aus Mecklenburg-Vorpommern stamme auch ich. Meine Wege auf dem Globus waren – gezwungenermaßen – über viele Lebensjahre deutlich kürzer als Ihre, Durchlaucht.

Gerade deshalb finde ich es so wunderbar, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien – wie wir – heute frei und fröhlich zusammenkommen können. Für Menschen meines Alters, aus dem Osten kommend, ist das ein Privileg, keine Selbstverständlichkeit.
Lassen Sie uns den Abend in diesem Sinne gut nutzen! Vielleicht reist das Fürstenpaar dann mit einem besonders stimmungsvollen Deutschlandbild in die Heimat. Und vielleicht gibt uns dieser Abend auch einige Anstöße, Monaco und die Monegassen in einem neuen Licht zu sehen.

Arthur Schopenhauer hat einmal gesagt: „Schönheit ist ein offener Empfehlungsbrief, der die Herzen im voraus für uns gewinnt.“ Diese Definition von Schönheit gefällt mir, denn sie beschränkt sich nicht auf eine schillernde Oberfläche. Schönheit in diesem Sinne kann mehr bedeuten als äußerlich sichtbarer Reichtum. Sie kann beschreiben, dass Monaco weit mehr ist als nur die Summe seiner Yachthäfen, Immobilien und Geschäftsstraßen.

Ein „schönes“ Empfehlungsschreiben à la Schopenhauer müsste zum Beispiel den Umweltschutz enthalten. Sie, Durchlaucht, widmen sich seit Jahren mit großem Einsatz der heimischen Natur. Monaco ist ja nicht nur einer der am schönsten gelegenen Orte der Welt, sondern auch einer der am dichtesten bewohnten. Sie fördern energieeffizientes Bauen, Elektroautos und sogar eine Rallye Monte Carlo für alternativ angetriebene Fahrzeuge.

„Alternativer Antrieb“ – diese Formulierung mag ich besonders, denn sie kann ja zweierlei bedeuten. Man kann dabei an moderne Motoren denken oder an eine innere Motivation – eine „schöne“ Alternative in Herz und Hirn –, die solchen Projekten vorausgeht. Wir brauchen Führungspersönlichkeiten wie Sie, Durchlaucht, die diese Art von Motivation in die breite Öffentlichkeit tragen. Menschen, die an die Verantwortung appellieren, die den Wandel anstoßen und ihn begleiten.

Monaco und Deutschland bringen auch gemeinsam wichtige Projekte im Bereich der Zukunftstechnologien voran – ob beim umweltschonenden Bauen, in der Mobilität, Medizintechnik oder Meeresforschung. All das beweist, dass unter „schönen“ Oberflächen auch gesunde, vernünftige – die Fachleute sagen: nachhaltige – Lösungen möglich sind.

Dann und wann darf es dabei gern schillern! Wie am 4. Mai, als die Planet Solar im Port Hercule von Monaco einfuhr. Das größte solarbetriebene Wasserfahrzeug der Welt – in einer Kieler Werft gebaut – kam an diesem Tag von seiner Weltumrundung zurück. Die Botschaft der Heimkehrer: Auch solarbetrieben sind 60.000 Kilometer schaffbar bzw. „schiffbar“. Das Barometer der monegassisch-deutschen Zusammenarbeit stand eindeutig auf sonnig!

Solche Erfolgserlebnisse verbinden. Sie sind stärker als viele „schöne“ Worte. Denn sie zeigen einem großen Publikum, dass bilaterale europäische Beziehungen auch ohne EU-Mitgliedschaft eng und produktiv sein können. Die fortschreitende europäische Integration soll ja nicht zur Folge haben, dass sich historisch gewachsene Staatswesen wie Monaco ausgeschlossen fühlen. Ganz im Gegenteil: EU-Mitglieder und Länder wie Monaco, Andorra oder San Marino müssen Wege finden, wie ein fruchtbares Miteinander im Europa des 21. Jahrhundert gelingen kann.

Dabei dürfen Sie auf die deutsche Unterstützung zählen, Durchlaucht! Vergangenen Herbst haben Bundestag und Bundesregierung die Vertreter der drei europäischen Kleinststaaten nach Berlin eingeladen. Diese Woche hat die OSZE in Monaco getagt. All das sind äußere Zeichen einer wichtigen inneren Überzeugung: Die europäische Idee ist so groß, dass darin auch Länder ohne EU-Zugehörigkeit Raum zur Entfaltung finden können.

Sehr geehrte Damen und Herren, wenn ich Sie nun bitte, gemeinsam mit mir das Glas zu erheben, dann spreche ich meinen Toast voller Zuversicht: Auf das Fürstenpaar, auf die deutsch-monegassischen Beziehungen und auf unser schönes – frei nach Schopenhauer uns allen ans Herz gelegte – Europa!