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Abendessen zum Auftakt des Staatsbesuchs der Republik Estland

Bundespräsident Joachim Gauck und Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves beim Rundgang durch den Garten der Sommerresidenz in Ärma Ärma, 8. Juli 2013 Staatsbesuch in der Republik Estland - Rundgang durch den Garten der Sommerresidenz mit Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves © Steffen Kugler

Rede von Bundespräsident Joachim Gauck während seines Staatsbesuchs der Republik Estland bei einem Abendessen gegeben von Präsident Toomas Hendrik Ilves und Frau Ilves:

Sie haben mir und Daniela Schadt eine große Freude gemacht mit Ihrer Einladung in Ihr privates Refugium. Wie schön, Sie ein Jahr nach unserem guten Gespräch in Schloss Bellevue in diesem wunderschönen Landstrich Estlands wiederzusehen! Und dann haben Sie gleich noch eine Freude oben drauf gesetzt, indem wir hier bei Ihnen einen Baum pflanzen durften – wann hat man schon Gelegenheit, eine so bleibende Erinnerung zu hinterlassen?

Und noch dazu eine Linde! Der langjährige Berliner in mir denkt an den schönen Boulevard in Ostberlin – den nun schon seit bald einem Vierteljahrhundert keine Mauer mehr vom westlichen Teil der Stadt abschneidet. Der glücklich Wiedervereinigte erinnert sich an die Linden, die als Freiheitsbäume entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze gepflanzt wurden, um an die friedliche Revolution zu erinnern. Und – wir treffen uns zum Abendessen – da fällt mir das alte deutsche Volkslied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ ein – mit der schönen Zeile „… wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit.“

Diesen Abend dürfen wir gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Frau verbringen. Ab morgen stehen weitere Begegnungen in Ihrem Land an, auf die ich mich sehr freue – ein wenig kenne ich es ja schon. Unsere Völker teilen eine lange Geschichte; es gab trennende und verbindende Phasen. Ich weiß mich mit Ihnen einig, dass Geschichte erzählt werden muss, auch die schmerzhaften Kapitel daraus. Heute gründen unsere Beziehungen in Solidarität und Versöhnung, in Annäherung und Erfolgen.

Vorhin, als wir den Baum pflanzten, musste ich an das Lebensalter so vieler Bäume denken, an so ganz andere Zeitspannen als die eines Menschenlebens. Das macht demütig, einerseits, weil es die Bedeutung der eigenen Lebensspanne schrumpft, andererseits aber zeigt es auch, wie wichtig das, was wir heute tun, für kommende Generationen ist!

Ich erhebe mein Glas auf Sie, sehr geehrter Herr Präsident und auf Ihre Frau. Frau Schadt und ich freuen uns auf interessante Tage in Ihrem Land.