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Eröffnung des deutsch-litauischen Wirtschaftsforums

Bundespräsident Joachim Gauck spricht bei der Eröffnung des deutsch-litauischen Wirtschaftsforums Wilna, 12. Juli 2013 Staatsbesuch in der Republik Litauen - Eröffnung des deutsch-litauischen Wirtschaftsforums © Steffen Kugler

Auf meiner Reise habe ich bislang auf allen Stationen den Willen gespürt, die litauische Zukunft in einem geeinten Europa zu gestalten. Dabei war der Weg, den Litauen seit seiner Unabhängigkeit zurückgelegt hat, kein bequemer. Aber Sie haben die Chancen des Übergangs von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft beherzt genutzt und haben auch nach der schweren Krise in den vergangenen Jahren so manchen Fels aus dem Weg gerollt.

Die Bereitschaft zu Wandel und Veränderung wird Ihnen, da bin ich zuversichtlich, auch den Weg zur Einführung des Euros ebnen. Verehrte Frau Präsidentin, Sie führen nun auch den Vorsitz im Europäischen Rat, und ich baue fest darauf, dass Sie manche Ihrer litauischen Erfahrungen nach Brüssel tragen.

Die Bereitschaft zu Wandel und Veränderung ist aber auch die beste Voraussetzung, sich einem Problem zu nähern, das die Zukunft von Millionen Menschen und damit auch die politische Zukunft Europas betrifft: Ich rede von der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten, von fehlenden Fachkräften und unzureichender Berufsbildung. Das kann uns nicht gleichgültig sein. Es stimmt zwar: Das Problem hoher Jugendarbeitslosigkeit besteht in vielen Ländern schon seit langem. Und manche Ursachen, zum Beispiel in den Ausbildungssystemen, sind schon länger bekannt. Aber das kann keine Ausrede für Nichtstun sein. Europa wird nur dann eine gute Zukunft haben, wenn Europas Jugend gute Chancen bekommt. Unsere Kinder und Enkel dürfen nicht zur Passivität verurteilt werden. Sie sollen mit ihrer guten Bildung, ihren Begabungen und ihrem Fleiß etwas aus ihrem Leben machen können. Dafür lohnt es, gemeinsam zu arbeiten. Und ich bin froh, dass die Politik zum Handeln bereit ist.

Ich freue mich, wenn beispielsweise Deutschland sein Konzept der dualen Ausbildung in diese Debatte einbringen kann: ein Konzept, von dem wir in Deutschland seit langem profitieren. Unsere Unternehmen holen junge Menschen nach dem ersten Schulabschluss in ihre Betriebe und bilden sie dort aus. Und zugleich besuchen die Auszubildenden berufliche Schulen. Generationen von jungen Deutschen haben damit die Erfahrung gemacht: Man muss nicht studiert haben, um im Beruf erfolgreich zu sein. Akademische Bildung ist natürlich wichtig. Ebenso wichtig ist aber die Ausbildung von Frauen und Männern, die ihren Beruf von der Pike auf gelernt haben. Und dies genießt in Deutschland hohe Anerkennung! Ich glaube, dass auch die jungen Litauer nur profitieren können von einer Ausbildung, die Unternehmen in die Pflicht nimmt und den jungen Menschen eine betriebliche Lehre ermöglicht.

Daher danke ich der Deutsch-Baltischen Handelskammer für dieses Forum. Auch wenn ich gemeinsam mit Ihnen, Frau Präsidentin, nicht die ganze Zeit am Forum teilnehmen kann, hoffe ich, dass viele Erkenntnisse und Anregungen weitergetragen werden. Dazu habe ich meine Wirtschaftsdelegation mit Staatssekretär Otto an der Spitze mitgebracht, die sich an den heutigen Debatten aktiv beteiligen wird.

Ich wünsche dem deutsch-litauischen Wirtschaftsforum einen guten Verlauf. Vor allem wünsche ich uns allen, dass hier in Offenheit unter Freunden Probleme besprochen und Lösungen debattiert werden, die ein gemeinsames Ziel haben: in Litauen, Deutschland und Europa die Wirtschaft so zu stärken, dass unsere Länder gute Orte sind zum Leben, zum Lernen und zum Arbeiten!