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Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Thüringen

Bundespräsident Joachim Gauck beim Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Thüringen zugunsten der Internationalen Jugendbegegnungsstätte der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora Weimar, 27. Juli 2013 Benefizkonzert des Bundespräsidenten in Thüringen - Eröffnungsansprache © Thomas Härtrich

Das Benefizkonzert des Bundespräsidenten dient in jeder Hinsicht der Begegnung. Der Begegnung mit Musikern, mit Orchestern, mit großer Musik und einem begeisterungsfähigen Publikum in den einzelnen Ländern der Bundesrepublik Deutschland.

Hier soll deutlich werden: In Deutschland existiert Kultur eben nicht nur in einer Metropole. Unser Land ist eine vielfältige Kulturnation und diese Kulturnation lebt aus den Ländern und sie lebt in den Ländern. Der Föderalismus tut uns in diesem Falle richtig gut und er treibt wahrlich die schönsten Blüten gerade außerhalb der Metropolen. Das muss ich hier eigentlich nicht sagen, ausgerechnet in Weimar. Jeder in Weimar weiß schließlich, was Weimar wert ist.

Begegnung, zum zweiten, wird heute Abend verkörpert von diesem ganz besonderen Orchester, von diesen jungen Musikerinnen und Musikern, dem Young Philharmonic Orchestra Jerusalem Weimar. Das ist etwas sehr Besonderes und sehr Kostbares, dass die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar und die Jerusalem Academy of Music and Dance dieses Orchester zusammengebracht haben. Sie, liebe Musikerinnen und Musiker, werden demnächst noch an anderen schönen Orten in Deutschland gastieren, aber hier in Weimar beginnen Sie nun Ihre kleine Tournee und dafür bedanke ich mich sehr – und darf das sicher auch im Namen aller hier tun.

Welche besondere Begegnung gerade dieses Orchester darstellt, macht der gute Zweck unseres Benefizkonzerts heute deutlich: Der Erlös geht nämlich an die Internationale Jugendbegegnungsstätte der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Sie dient der Information, der Begegnung, der Versöhnung – indem sie erinnert an die Zeit, als die Juden ausgesondert, vertrieben und vernichtet wurden.

Die Musik, die heute Abend erklingt, wäre damals wohl keineswegs gespielt worden, weder die der jüdischen Komponisten noch die des russischen Katholiken Schostakowitsch. Mit diesem Komponisten tief befreundet war der Vater unseres heutigen Dirigenten, der bedeutende und bei den Musikfreunden unvergessene Kurt Sanderling, der als Jude ins Exil gehen musste und in Russland, d.h. in der damaligen Sowjetunion, wirkte.

So durchzieht das Thema Begegnung diesen Abend auf eine sehr vielfältige und auf eine sehr subtile Weise, die uns neben dem Schönen, was uns heute erwartet, auch erinnert an Schuld und Schmerz aus unserer Vergangenheit.

Aber der Blick ist, belehrt durch die Erinnerung und ganz ohne dass wir vergessen wollen, nach vorne gerichtet, auf eine friedliche, bessere und versöhnte Zukunft. Und ich bin glücklich und dankbar, dass das ein anderes Deutschland ist, in dem diese jungen Leute musizieren können. Das war anders, als ich in dem Alter dieser jungen Leute war. Wie schön das ist, in einem Deutschland zu musizieren, das sich verbunden hat mit Recht und Freiheit und Demokratie und den Menschenrechten ein Zuhause gegeben hat.

So kommt eine schöne, junge Kunst von heute und eine tief in unserem Bewusstsein verankerte, beständige Aufgabe der Rückerinnerung und der Vergegenwärtigung der dunklen Zeiten an diesem hellen Sommertag zusammen.

Ich freue mich sehr über diese Zusammenarbeit zwischen Weimar und Jerusalem – was für Namen, die da zusammenklingen, wie wunderbar. Und ich freue mich auch darüber, dass der in meinen Augen so junge Dirigent, Michael Sanderling, sich dieser Aufgabe verpflichtet weiß.

Ich danke aber auch Ihnen allen, die Sie eine Karte erworben haben und so das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wussten. Ich danke dem hochherzigen Sponsor, ich danke allen in Weimar, die diesen Abend möglich gemacht haben – und ich freue mich jetzt auf ein Konzert, das in der Reihe der Benefizkonzerte des Bundespräsidenten ganz sicher einen besonderen Platz einnehmen wird.