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Empfang in der Residenz der Botschafterin, gegeben vom Bundespräsidenten und von Daniela Schadt

Bundespräsident Joachim Gauck hält beim Empfang in der Residenz der Botschafterin eine Rede Paris, 4. September 2013 Staatsbesuch in der Französischen Republik - Empfang in der Residenz der Botschafterin © Sandra Steins

Eine der wichtigsten Aufgaben von Politik ist es, Raum zu schaffen für Begegnungen – schöner als in diesen Räumlichkeiten kann es kaum gehen! Ich danke Ihnen, dass ich Sie heute im prachtvollen Palais Beauharnais begrüßen darf!

"Deutschlands schönstes Haus steht an der Seine" – stand mal in einer Zeitung geschrieben. In jedem Fall kann unser Land sich glücklich schätzen, es seit fast zwei Jahrhunderten als Residenz der deutschen Botschafter und Botschafterinnen nutzen zu können. Wenn diese Räume sprechen könnten – sie hätten viel Wechselvolles aus unserer deutsch-französischen Geschichte zu berichten.

Daniela Schadt und ich wollen mit diesem Empfang "Danke" sagen. Danke dem Gastgeber meines Staatsbesuchs, Präsident Francois Hollande, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen Franzosen, die uns hier so herzlich empfangen haben. Danke auch meinen Landsleuten, die hier in Frankreich daran mitwirken, das Netz unserer Beziehungen immer dichter zu knüpfen.

Wir reden ja oft abstrakt von der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Aber es sind immer einzelne Menschen, denen wir sie verdanken. Menschen, die aufeinander zugehen, miteinander streiten, Kompromisse aushandeln, Ideen entwickeln; die neue Wege bahnen, auf denen später andere gehen können. Die deutsch-französische Freundschaft, über die wir so glücklich sein können: Sie hat sich aus dem weitsichtigen und großherzigen Einsatz Einzelner entwickelt, ehe sie gewissermaßen zur "Staatsräson" wurde. Und sie wird weiter den Einsatz derer brauchen, für die sie "eine Sache des Verstandes und zugleich des Herzens" ist, wie Konrad Adenauer es vor fast 60 Jahren formulierte.

Ich habe in den letzten zwei Tagen hier in Frankreich viele solcher Menschen getroffen. Franzosen und Deutsche, die sich nicht nur aus Einsicht in die Notwendigkeit oder den Nutzen füreinander interessieren und miteinander kooperieren, sondern aus Neugier, aus Sympathie und oft auch aus Leidenschaft!

Einige von ihnen haben mich aus Deutschland hierher begleitet: die Frankreichkennerin und überzeugte Europäerin Ulrike Guérot, die Vizepräsidentin der Deutsch-Französischen Hochschule, Patricia Oster-Stierle, der – in Frankreich gern gelesene – Soziologe Hartmut Rosa aus Jena und der Theaterregisseur und Präsident des Deutsch-Französischen Kulturrates, Thomas Ostermeier. Danke!

Wie wenig wir Deutschen die Freundschaft mit Frankreich als selbstverständlich voraussetzen konnten, hat mir der heutige Nachmittag noch einmal sehr eindrücklich in Erinnerung gerufen. Oradour – das ist einer jener Orte, die man gesehen haben muss, um den Wert Europas zu begreifen!

Ich bin froh, dass es junge Menschen gibt, die sich mit ihrer Zeit und ihrem Herzen dafür einsetzen, das Erinnern aufrechtzuerhalten – wie die drei von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste: Annemarie Niemann, Jule Steinert, Lennart Perkowski und ihre Begleiterin Ines Grau. Danke, dass Sie mich begleitet haben!

Unsere Erfahrungen und Mentalitäten sind gewiss sehr unterschiedlich, die geschichtlichen Wege unserer beiden Nationen waren manchmal gegenläufig. Aber wir haben die Gräben, die uns trennten, überwunden. Wir haben sie überwunden, weil das Gemeinsame so stark ist und so tief zurückreicht – und weil wir gewillt sind, unsere Schwächen gemeinsam zu überwinden und uns in unseren Stärken zu ergänzen.

Liebe Gäste, erheben wir das Glas auf die Stärken der deutsch-französischen Freundschaft!