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Mittagessen zu Ehren von Dieter Hundt

Bundespräsident Joachim Gauck würdigt Dieter Hundt anlässlich seines 75. Geburtstages bei einem Mittagessen Bellevue, 6. November 2013 Bundespräsident Joachim Gauck würdigt Dieter Hundt anlässlich seines 75. Geburtstages bei einem Mittagessen © Guido Bergmann

Herzlich willkommen in Schloss Bellevue! Seit wir dieses Gemälde hier im Schinkel-Saal haben, bezeichne ich Ehrenessen gern als "goldene Stunde". Das Bild trägt nämlich den Titel "Weimars goldene Tage": im Mittelpunkt der deklamierende Friedrich Schiller, daneben Goethe, die Humboldt-Brüder und andere berühmte Zeitgenossen, die der Maler Freiherr von Oer gern in seinem Kulturpanorama vereint sehen wollte. Ich will mich jedoch lieber nicht mit einer langen Vorrede aufhalten, denn unserem heutigen Ehrengast wird das folgende Zitat zugeschrieben: "In Deutschland geht mehr Arbeitszeit durch Grußworte verloren als durch Arbeitskämpfe."

Eine gewisse Kürze scheint mir also geboten. Ich beginne deshalb ohne weitere Umschweife mit den Hauptkennzahlen meines Beitrags – die lauten: 75, 17 und 2.

Die Bedeutung der 75 werden Sie leicht erraten. Ihr Geburtstag im September, lieber Herr Hundt, gab uns den Anlass zu diesem Ehrenessen.

Zahlreiche Auszeichnungen und Orden haben Sie in Deutschland und Österreich schon erhalten. Was ich heute hinzufügen möchte, ist mein ganz persönlicher Dank für Ihre vielfältigen Verdienste. Dabei denke ich an die Arbeitsplätze, die Sie im heimischen Schwaben geschaffen und gesichert haben, an Ihre prägende Rolle als Arbeitgebervertreter auf Landes- und Bundesebene sowie an Ihr Engagement auf der europäischen Bühne, etwa im Präsidium der europäischen Arbeitgebervereinigung BusinessEurope.

Unsere Zeit hier bei Tisch würde nicht ausreichen, um alle Ihre Ehrenämter in Wirtschaft und Wissenschaft, in Sport, Jugendarbeit und Bildung vollständig aufzuzählen.

Erlauben Sie mir deshalb, mich auf eine der bekanntesten Funktionen, Ihr wohl zeitintensivstes Ehrenamt, zu konzentrieren. Mit ihm ist die Kennzahl 17 verbunden. Seit 17 Jahren sind Sie Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Das ist die bisher längste Präsidentschaft bei der BDA. Sie fiel in eine Zeit, die von Umbrüchen und Krisen geprägt war, aber zum Glück auch von Ihrem Ideenreichtum und Ihrem Durchhaltevermögen. Als Sie dieses Amt 1996 antraten, steckte der Aufbau Ost gerade im Tal der Ernüchterung, später folgten internationale Markterschütterungen wie die geplatzte IT-Blase, steigende Arbeitslosenzahlen in Deutschland, die europäische Wirtschafts- und Schuldenkrise und schließlich eine Aufgabe, genauer: ein Aufgabenpaket, das uns weiterhin sehr beschäftigen wird: die öffentlichen Finanzen in den Griff zu bekommen, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Unternehmen zu stärken, Arbeitgeber und Arbeitnehmer für eine sich schnell wandelnde Arbeitswelt zu ermutigen und zu befähigen.

Als Arbeitgeberpräsident haben Sie all das nicht nur kommentiert und begleitet, sondern immer wieder eigene konzeptionelle Vorschläge eingebracht, Lösungen vorangetrieben. Ja, man kann Sie als Tempomacher charakterisieren. Das würden wohl viele bestätigen, die mit Ihnen in einem Team gearbeitet oder an einem Verhandlungstisch gesessen haben. Hart, aber fair: Das ist bei Ihnen kein Showtitel. Das ist regelmäßig bewiesene Haltung.

Damit komme ich zu meiner letzten und – wie ich finde – wichtigsten Kennzahl, der 2.

Sie beherrschen die hohe Kunst, zwei Sichtweisen einer Sache in den Blick nehmen zu können. Es ist kein Zufall, dass Michael Sommer, der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, zu Ihren Ehren hier bei uns sitzt. Gemeinsam haben Sie viel dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft durch heikle Situationen geführt werden konnte. Gemeinsam waren Sie fähig, Kompromisse zu finden, bei kleineren wie größeren Krisen, in kleineren wie größeren Kreisen, auch wenn zuerst nach nächtelangem Ringen keine Einigung mehr möglich schien. Und gemeinsam verkörpern Sie das, was wir in Deutschland mit einigem Stolz Sozialpartnerschaft nennen.

Von Gästen aus dem Ausland werde ich oft gefragt, wie es in Deutschland gelingt, den Ausgleich der Interessen so friedlich und ergebnisorientiert zu organisieren. Dann kann ich auf unser Grundgesetz verweisen und auf Namen wie Dieter Hundt, der unserer Sozialpartnerschaft Gesicht, Stimme und so manche schlaflose Nacht gewidmet hat. Allerdings ist mir auch bewusst: Eine solche Erfolgsgeschichte ist kein Selbstläufer. Wir brauchen auch künftig Wort- und Verhandlungsführer, die sich dieser Idee mit allen Konsequenzen verpflichtet fühlen und die eine Balance finden zwischen der nötigen Härte und der unverzichtbaren Fairness.

Lieber Herr Hundt, wenn Sie am 18. November den Staffelstab des BDA-Präsidenten weiterreichen, dann werden Sie vielleicht noch einmal den vertrauten Satz sagen: "Das gebe ich, was gebt ihr?" Ich wünsche Ihnen, dass die Antwort dann lautet: ein Zukunftsversprechen. Wir wollen Bewährtes fortführen und Neues vorantreiben! Das wird auch eine meiner Botschaften sein, wenn ich am 19. November den deutschen Arbeitgebertag eröffne. In diesem Sinne: Erheben wir unser Glas auf eine glückliche Zukunft unseres Ehrengastes Dieter Hundt und auf ein gutes Miteinander der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in unserem Land!