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Literarischer Abend zu Ehren von Michael Krüger

Bundespräsident Joachim Gauck mit Michael Krüger und Gästen bei einem literarischen Abend im Schloss Bellevue Schloss Bellevue, 17. Januar 2014 Literarischer Abend zu Ehren von Michael Krüger - Gäste im Großen Saal von Schloss Bellevue © Matthias Döring

Für uns alle, die wir heute Abend hier sind, ist dies ein besonderer Tag. Ein Mann wird geehrt und gefeiert, der für weit mehr steht als für sich selber. Ein Kraftwerk: Das ist nicht nur der Baum vor dem Verleger-Fenster, ein Kraftwerk: Das ist Michael Krüger selber. Er steht für eine ganze Branche, er steht für Maßstäbe, für Qualität, und er steht auch für eine Epoche. Vor kurzem hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert und soeben hat er sich von seiner Tätigkeit als Verleger zurückgezogen.

Es ist wirklich schwer, sich das vorzustellen: für uns hier, für alle, die in Deutschland und darüber hinaus am literarischen Leben teilnehmen – und zuerst und zuletzt wohl für ihn selbst. Wer so lange einen so schönen, schweren Beruf ausgeübt hat, wer so lange so viel Verantwortung getragen, aber auch so viel Erfolg gehabt hat, dem muss es einfach schwerfallen, von all dem Abschied zu nehmen.

Mit diesem Abend möchte ich Ihnen, lieber Herr Krüger, das nicht noch schwerer machen - im Gegenteil. Ich möchte Ihnen ein Fest schenken, das vor allem Dank zum Ausdruck bringen soll und dazu Respekt und Anerkennung für alles, was Sie bewegt, initiiert, geschaffen und auf die Beine gestellt haben. Schließlich soll der Abend auch eine Ermutigung sein für das Viele, was Sie weiter tun werden und was Sie neu beginnen.

Ich tue das sehr gern: zuerst ganz persönlich als Leser und als Bürger der unsichtbaren Republik des Geistes, zu der die leidenschaftlichen Leser gehören, also sicher auch alle, die heute Abend hierhergekommen sind.

Ich tue das aber auch ganz bewusst als Bundespräsident dieses Landes. Denn unser Land lebt von seiner Kultur – einer Kultur, die eben nicht ein subjektloses Geschehen ist, das sich irgendwie von selber aus Programmen, Spielplänen und Institutionen generiert. Unser Sprachgebrauch legt das oft nahe, wenn wir so allgemein von „der Kultur“ reden. Aber in Wirklichkeit gibt es Kultur nur, weil es Subjekte gibt, Individuen und Individualisten, die schreiben und malen, die Stücke und Drehbücher entwerfen, die inszenieren und Ausstellungen konzipieren, die Webseiten gestalten und Computerspiele, die bauen und dirigieren – und die Bücher verlegen.

Und die all das nicht nur des Gewinnes wegen tun – der ist ohnehin oft klein – sondern aus Leidenschaft, aus Begeisterung und aus Überzeugung. Davon lebt die Kultur unseres Landes. Und darum ist es mir als Staatsoberhaupt nicht nur eine Freude, sondern auch eine Ehrenpflicht, dieses ganz besonders leidenschaftliche, dieses ganz besonders von seiner Sache, der Literatur, überzeugte Subjekt, Sie, lieber Michael Krüger also, zu loben und zu ehren.

Dem Staatsoberhaupt scheint Michael Krüger schon vor reichlich langer Zeit erstmals auffällig geworden zu sein. Woher ich das weiß? Seit wir unsere Einladungen mit der elektronischen Datenverarbeitung verwalten, bekommen alle Gäste des Bundespräsidenten, wenn sie erstmals eingeladen sind, eine fortlaufende Ordnungsnummer. Zurzeit vergeben wir längst Nummern im fünfstelligen Bereich. Michael Krüger aber hat, Sie dürfen raten: die Nummer 99! Das ist ein unübersehbarer Hinweis darauf, wie lange er schon im kulturellen und gesellschaftlichen Leben eine wichtige Rolle spielt. Oder sagen wir besser im Plural: wichtige Rollen.

Denn das Leben, das nicht immer gerecht ist, hat ihn mit vielen Gaben gesegnet: Er ist Schriftsteller und Verleger, er ist Herausgeber und Organisator, er versteht etwas vom Geschäft und von literarischer Qualität. Er ist ein unabhängiger und eigensinniger Kopf. Und er ist gleichzeitig zur Freundschaft begabt.

So bleibe ich nicht allein mit meinem Lob. Mit dabei sind heute Abend Kollegen, Schriftsteller, Kritiker, Essayisten, Verleger, um unseren Vielseitigsten zu feiern. Besonders freue ich mich auch darüber, dass nicht wenige Buchhändlerinnen und Buchhändler hier sind, besonders von kleinen eigentümergeführten Buchhandlungen, die tagtäglich dafür sorgen, dass das, was Autoren wie Michael Krüger schreiben, Verleger wie Michael Krüger verlegen und Herausgeber wie Michael Krüger herausgeben, am Ende den Weg zu den Leserinnen und Lesern findet.

Viele sind heute hier, die politisch und kulturpolitisch aktiv waren und sind. Wer immer Einfluss hat, soll mit dafür sorgen, dass literarische Bildung und literarisches Leben lebendig bleiben und nach Kräften gefördert werden. Das beginnt bei den Feuilletons der großen Zeitungen, Online-Magazinen und öffentlich-rechtlichen Sendungen. Und das hört längst nicht auf bei den vielen kulturellen Einrichtungen, über die unser Land glücklicherweise verfügt. Manches darf auch neu erdacht und erfunden werden. Ich weiß, dass Michael Krüger selber sehr an der Idee für ein "Deutsches Zentrum für Poesie" arbeitet und dort im Kuratorium mitwirkt. Ich wünsche viel Erfolg!

Das Lob auf unseren Jubilar soll heute Abend vielgestaltig erklingen. Deswegen freue ich mich, dass einige Lyriker sich je ein Krüger-Gedicht ausgesucht haben, das besonders zu ihnen spricht und sie diesem Gedicht ein eigenes zur Seite stellen. So entstehen lyrische Korrespondenzen. Jürgen Becker wollte unbedingt ein so langes Krüger-Gedicht aussuchen, dass er dafür auf ein eigenes verzichtet. Auch das ist ein besonderes Lob.

Danach gibt es dreimal fünf Minuten Gedanken über verschiedene Aspekte des Krüger‘schen Wirkens, von Kennern und Gefährten vorgetragen, die das, was zu sagen ist, viel besser können als ich.

Was aber als einziger hier allein der Bundespräsident kann, das will ich jetzt gleich zu Anfang tun – und zwar eine "Einordnung" vornehmen, wie es im Programmheft heißt. Ich möchte nämlich den Dank und die Anerkennung unseres Gemeinwesens zum Ausdruck bringen, indem ich Michael Krüger das Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreiche. Er hat sich um das Vaterland verdient gemacht.

Herzlichen Dank.