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Besuch des samoanischen Staatsoberhauptes

Bundespräsident Joachim Gauck und das samoanische Staatsoberhaupt, Tui Atua Tupua Tamasese Efi, schreiten die Ehrenformation der Bundeswehr ab Schloss Bellevue, 28. Januar 2014 Besuch des samoanischen Staatsoberhaupts - Empfang mit militärischen Ehren © Jürgen Gebhardt

Herzlich willkommen im Schloss Bellevue – afio mai!

Heute ist ein historischer Tag: Zum ersten Mal besucht das Staatsoberhaupt Samoas offiziell die Bundesrepublik Deutschland. Sie sind im Jahre 2014 zu uns gekommen, hundert Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft auf den westlichen Samoainseln. Das ist eine besondere Geste, für die ich Ihnen danke, auch im Namen meiner Landsleute.

Unsere Staaten sind Tausende Kilometer voneinander entfernt, und Sie werden mir gewiss zustimmen, wenn ich sage: Samoaner und Deutsche sind in einer Welt verbunden, aber ihre Lebenswelten unterscheiden sich sehr.

Es hat mit diesem Kontrast zu tun, dass die Inseln der Südsee in Deutschland immer wieder Sehnsüchte wecken. Palmen und weißer Sand, der blaue Ozean und das Licht der Sterne – das alles erscheint manchem, romantisch verklärt, wie ein farbenfrohes Paradies. Auch deutsche Künstler, etwa die Maler der "Brücke", haben unser Bild von Samoa geprägt.

Unsere Lebenswelten unterscheiden sich – und doch verbindet uns ein Stück gemeinsamer Geschichte. Bereits in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts landeten hanseatische Kaufleute auf Samoa, im Jahr 1900 übernahm ein deutscher Gouverneur die Verwaltung auf den westlichen Inseln. Von dieser Zeit zeugt auch die Ausstellung, die Sie, Hoheit, im Münchner Museum für Völkerkunde eröffnen werden. Es werden Schicksale von Samoanern gezeigt, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs zu sogenannten „Völkerschauen“ ins Deutsche Kaiserreich gebracht wurden.

Im kollektiven Bewusstsein der Deutschen ist dieses Kapitel weitgehend verschüttet. Die meisten wissen zu wenig über die Geschichte und über das Leben in Samoa nach der Unabhängigkeit. Auch deshalb freue ich mich, Sie hier begrüßen zu dürfen, die Vertreter Ozeaniens ebenso wie die Kenner der Region.

Die meisten von Ihnen sind ein lebendiger Beweis dafür, dass die Beziehungen weiter gewachsen sind zwischen unseren Völkern. Heute tüfteln deutsche Wissenschaftler an Tsunamiwarnsystemen, eine Rostocker Reederei bildet auf Kiribati Matrosen aus, und natürlich besuchen Touristen die Inseln Ozeaniens.

Nicht zuletzt unterstützt Deutschland die Staaten im Südpazifik bei der schwierigen Aufgabe, sich gegen den Klimawandel zu wappnen. Während die Erderwärmung für viele Deutsche ein weitgehend abstraktes Phänomen ist – zumindest noch –, erleben Sie die Folgen bereits hautnah: Der Meeresspiegel steigt, der Ozean nagt an den Küsten, Wirbelstürme verwüsten Inseln und werfen die Wirtschaft zurück.

Unsere Lebenswelten unterscheiden sich – und wir haben doch gemeinsame Interessen. Es ist ja ganz klar: Grenzüberschreitende, globale Probleme können die Staaten nur dann bewältigen, wenn sie gemeinsam Verantwortung übernehmen und zusammenarbeiten. Ich wünsche mir, dass wir die Klimapolitik unter dem Dach der Vereinten Nationen noch wirksamer gestalten können.

Hoheit, Sie persönlich besuchen unser Land heute nicht zum ersten Mal. Ich habe mir sagen lassen, dass Sie schon einmal zu Gast in Tübingen waren, im Haus des katholischen Theologen Hans Küng, dessen Weltethoskonzept viele Menschen miteinander verbindet. Sie interessieren sich für deutsche Philosophie und Theologie, besonders für das Werk Karl Rahners, und ich wünsche Ihnen und uns, dass wir beherzigen können, was dieser herausragende Theologe einmal gesagt hat:

"Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut."

Ich erhebe das Glas, Hoheit, auf Ihre Gesundheit und die Ihrer Frau, auf das Wohl der Völker Ozeaniens – und auf die Freundschaft zwischen Samoa und Deutschland.