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Empfang in der indischen Residenz des deutschen Botschafters

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Empfang in der indischen Residenz des deutschen Botschafters in Neu-Delhi Neu-Delhi, 6. Februar 2014 Staatsbesuch des Bundespräsidenten in der Republik Indien - Rede beim Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Neu-Delhi © Guido Bergmann

Gerade durfte ich hier in der Residenz eine kleine, aber feine Ausstellung europäischer Gegenwartskunst eröffnen. Es handelt sich um Skulpturen aus den Sammlungen der Neuen Nationalgalerie Berlin, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Hamburger Bahnhof für sechs Monate gezeigt werden sollen. Gleich im Anschluss an meine Rede werden wir gemeinsam Musik aus verschiedenen Landesteilen des Subkontinents Indien hören. Ein schöner kultureller Bogen für Auge und Ohr, für den ich zuerst sehr herzlich Ihnen, Herr Botschafter Steiner und Ihnen, Frau Steiner, danke sagen möchte. Sie beide fördern hier sehr aktiv die kulturelle Zusammenarbeit.

Wer vor der Öffnung des Suezkanals indische Kultur in ihrer Heimat erleben wollte, musste mit ungefähr zwanzig Wochen rechnen, um nach Indien zu gelangen. Nach 1869 verringerte sich die Reisezeit auf knapp drei Wochen. Heute sind wir bei sieben Flugstunden. Und im Netz ist ohnehin alles nur einen Mausklick entfernt.

Wir sind uns also deutlich näher gekommen. Es gibt ja auch unendlich viel zu erkunden und zu erleben. Der Mitbegründer von Infosys, Nildan Nilekani, verglich Indien einmal mit einem Bild des impressionistischen Malers Monet: Je weiter man weg ist, desto klarer erscheint es. Aber von Nahem betrachtet, wird alles komplizierter. So wirkt es wohl nicht nur für uns Europäer.

Sie alle leben in dieser Komplexität, erfahren – wenn sie aus Deutschland gekommen sind – das Spannungsfeld aus Nähe und Distanz. Und viele von Ihnen tragen direkt oder indirekt dazu bei, auch in Indien das Interesse an Deutschland wachzuhalten, auch an der deutschen Sprache, die sogar bis ins Sanskrit Bezüge aufweist. Dies war eine der wichtigen Erkenntnisse der ersten deutschen Indologen und Sprachforscher. Wie viel das heute dem deutschlernenden Inder hilft, steht auf einem anderen Blatt. Ich freue mich sehr, dass hier mehr und mehr junge Menschen Deutsch lernen wollen. Das Projekt "Deutsch an 1.000 Schulen" mit über 50.000 deutschlernenden Schülerinnen und Schülern finde ich sehr eindrucksvoll. Und ich finde es gut, dass in Delhi eine deutsch-indische Begegnungsschule gegründet werden soll.

Ich hoffe, dass wir in den kommenden Jahren viele der Menschen, die jetzt mühevoll Deutsch lernen, bei uns in Deutschland sehen werden. Sei es als Touristen, oder besser als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, als Künstler, Ingenieure, Studenten oder Professoren. Das würde Deutschland guttun, unser Land bereichern.

Und jetzt, freuen wir uns auf die Begegnungen, auf künstlerische oder kulinarische Überraschungen und eines soll unbedingt geschehen: dass auch dieses Miteinander die deutsch-indische Freundschaft stärkt. Ich freue mich auf viele Gespräche und Begegnungen mit möglichst vielen von Ihnen.