Navigation und Service

Empfang des slowakischen Präsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Ansprache beim Mittagessen zu Ehren des Präsidenten der Slowakischen Republik, Dr. Ivan Gašparovič, und Silvia Gašparovičová in Schloss Bellevue Schloss Bellevue, 26. Februar 2014 Besuch des Präsidenten der Slowakischen Republik - Mittagessen in Schloss Bellevue © Guido Bergmann

Besuche sind eine schöne Gelegenheit, Gemeinsames zu erinnern und Künftiges zu besprechen. Das ist unter Freunden so – und mehr noch unter befreundeten Nationen, wie Deutschland und die Slowakei es sind.

Uns verbindet vieles. Nicht allein die Donau, die vielbesungene und -beschriebene, die – aus Deutschland kommend – majestätisch durch Ihre Hauptstadt Bratislava fließt. Der Name Ihres zweiten Präsidenten etwa – Rudolf Schuster – klingt nicht von ungefähr vertraut in unseren Ohren: Seine Vorfahren kamen einst aus deutschen Landen. Bis heute, habe ich mir sagen lassen, leben rund 5.000 Karpatendeutsche in der Slowakei.

In einer herausragenden Geste der Versöhnung, die in Deutschland mit Bewegung aufgenommen wurde, hat der Slowakische Nationalrat schon 1991 das Prinzip der Kollektivschuld verurteilt. Er hat auch das Unrecht Unrecht genannt, das dieser deutschstämmigen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg widerfahren ist. Eine Geste, die alles andere als selbstverständlich war, wenn wir bedenken, welche Gräueltaten deutsche Truppen zuvor in Ihrem Land verübten.

So gibt es helle und dunkle Seiten in der Geschichte unserer Beziehungen. Zu den schönen, bereichernden Seiten gehören die vielen slowakischen Intellektuellen, die im 19. Jahrhundert zum Studium nach Deutschland kamen. Sie brachten ihre Erfahrungen mit und trugen aus den deutschen Universitätsstädten neue Ideen in ihr Heimatland zurück – wie Ludovit Stur, der geistige Vater der slowakischen Nation, der einst zwei Jahre in Halle studierte.

An dunklere Seiten erinnern die Biographien Ihrer Landsleute, die zu zehntausenden nach Deutschland flohen, als 1968 der Prager Frühling brutal niedergewalzt wurde. Sie mussten ihre Hoffnungen auf eine Veränderung begraben. Mir ist noch sehr präsent, welche fatale Wirkung der damalige Schulterschluss der Ostblockstaaten, auch meines damaligen Staates, der DDR, gegen die Reformer in der ČSSR hatte. Ich bin noch heute traurig darüber. Doch die Geschichte endete nicht 1968.

1989 wurden ihre – und unsere – Hoffnungen erfüllt. Der epochale Umbruch des Jahres 1989 verbindet uns auf besondere Weise. Den Wert der Freiheit wissen wir besonders zu schätzen. Die "Samtene Revolution" in der Tschechoslowakei und die "friedliche Revolution" im Osten Deutschlands hatten vor allem eines gemeinsam: den Mut der Vielen und ihren Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Ich selbst habe diese Zeit als die wichtigste Zeit in meinem Leben in unauslöschlicher Erinnerung.

In den letzten zweieinhalb Jahrzehnten hat sich Ihr Land rasant verändert. Aus der früheren Teilrepublik der ČSSR ist die souveräne Slowakei geworden, mit einer lebendigen Demokratie, mit einer funktionierenden Marktwirtschaft und einer offenen, vielfältigen Gesellschaft. Das klingt leicht, wenn man es dahinsagt. Aber ich weiß, wie viel Anpassungslast, politische Überzeugungskraft und auch Mut dazugehören, solch eine Transformation zu bewältigen. Sie, Herr Präsident, haben in unterschiedlichen Funktionen diesen bemerkenswerten Weg mitgestaltet.

Wir haben auch großen Respekt vor den Anstrengungen, die Sie unternommen haben, um – angesichts der tiefen Wirtschaftskrise in Europa – bei sich das Richtige zu tun und zugleich Anderen in der Europäischen Union ein Beispiel zu geben und Hilfe zu sein. Mir zeigt auch die Unterstützung der deutschen Position einmal mehr, wie wichtig der Blick der Länder im östlichen Europa für das restliche Europa ist. Im Westen Europas ist noch nicht überall vollständig verstanden, was die Lebenserfahrung unter den kommunistischen Systemen bedeutet. Doch auch sie gehört zu unserem gemeinsamen Europa.

Auch deshalb freue ich mich auf die kommenden Monate und meine verschiedenen Treffen mit den Präsidenten der vier Visegrád-Staaten. Dort wird die gemeinsame Erinnerung an das europäische Jahr 1989 im Mittelpunkt stehen. In Bratislava werden wir an den 16. November erinnern und damit an den stillen Protestmarsch der Studenten, den sie vor der Zentrale der Kommunistischen Partei beendeten.

Diese Gedenktage werden uns nicht hindern, über die Zukunft zu reden, und diese heißt für uns "Europa". Ich bin mir sicher: Die Menschen in Ihrem Land wissen um die Bedeutung der europäischen Idee, gerade weil sie erfahren mussten, wie es ist, in Unfreiheit zu leben. Die Bundesrepublik möchte, wo sie es kann, dazu beitragen, dass die Slowakei ihre wichtige Rolle in der Mitte Europas einnimmt. Nur etwas mehr als 20 Jahre nach ihrer Gründung ist die Slowakei ein fester Teil der Europäischen Union wie der NATO, des Schengenraumes wie der Eurozone.

Es wird noch viel Wasser die Donau, die blaue, hinunterfließen, und nicht nur das wird unsere Länder verbinden. Wir werden weiter daran arbeiten, dass Deutschland und die Slowakei den gemeinsamen Weg vertrauensvoller Zusammenarbeit fortsetzen werden und Europa dadurch zu stärken. Ich erhebe nun mein Glas auf die Freundschaft zwischen Slowaken und Deutschen und auf eine gute Zukunft der Beziehungen unserer beiden Länder!