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Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien

Bundespräsident Joachim Gauck spricht ein Grußwort beim Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen in Miesbach Miesbach, 4. Mai 2014 Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützen - Grußwort in Miesbach © Jesco Denzel

Für jemanden wie mich, der an der Küste Mecklenburgs aufgewachsen ist und nun in Berlin lebt, ist dies ein besonders eindrucksvoller Moment: Die Kompanien der Bayerischen Gebirgsschützen in voller Montur, vor der Kulisse der historischen Stadt Miesbach, umrahmt von all den Zuschauern und den Gipfeln der Alpen – ein wirklich schönes Bild. Ich freue mich sehr, dass ich hier bin, heute am Patronatstag, bei Ihnen in Ihrer oberbayerischen Heimat.

Es ist wirklich für mich alles sehr fremd. Glauben Sie mir, in Mecklenburg sieht es anders aus! Was mich aber so freut, ist, dass es hier Trachten und Brauchtum nicht aus dem Museum gibt, sondern dass das, was wir mit Ihnen zusammen erleben an einem solchen Festtag, dass das lebt, dass das lebendig ist. Und was mich besonders freut, ist, dass sich dieses Brauchtum und diese Heimatverbundenheit verbinden mit einer Offenheit gegenüber denen, die neu dazukommen. Das freut mich. Und mich freut auch Ihr besonders herzlicher Empfang.

Als Bundespräsident bin ich viel unterwegs im Land. Was mich immer wieder beeindruckt, sind die Vielfalt der Traditionen und die vielen engagierten Menschen, nicht nur die, die Brauchtum pflegen, sondern auch die, die sich einsetzen für ein soziales Miteinander, für Heimat und Naturschutz, für unsere Städte, Dörfer und Gemeinden, für Liedgut und Dialekte. Und überall tragen Heimatvereine mit ehrenamtlichem Engagement dazu bei, den Zusammenhalt in der Region zu stärken.

Heimatverbundenheit und Traditionspflege – dafür stehen die bayerischen Gebirgsschützen seit dem Mittelalter. Die Waffen, die Sie, meine Herren, tragen, die Sie auch heute bei sich tragen, sie zeugen davon: Ursprünglich halfen Gebirgsschützen als Bauern- und Bürgerwehr dabei, das Oberland gegen Angriffe zu verteidigen. Heute repräsentieren Sie den Freistaat Bayern, und Sie sind, wie man sieht, eine große Attraktion. Eine Delegation von Ihnen war auch schon zu Gast bei mir im Schloss Bellevue und hat mir im Garten meine Hasen und Füchse verschreckt. Aber Ihre Kompanien leisten auch einen wichtigen Beitrag, um die Kultur der Alpenregion zu erhalten und die jungen Leute für sie zu begeistern. Sie sind ein gelebtes Stück Heimat. Und ich freue mich darüber, dass Sie auch Gäste aus Tirol haben, aus allen Teilen Tirols. Hier wie dort hat das Wort Heimat einen guten Klang.

Manche denken allerdings bei Heimat an so etwas wie Muff und Kitsch, andere verbinden "Heimatliebe" mit Engstirnigkeit und Borniertheit. Und wir haben in Deutschland in der Vergangenheit erlebt, was passieren kann, wenn Heimatliebe missbraucht wird. Sie kann in Deutschtümelei oder gar Übermut umschlagen, auch in ein Gefühl der Überlegenheit gegenüber anderen Nationen oder anderen Volksgruppen, das alles haben wir ja erlebt.

Aber heute ist es so anders. Was für ein friedliches und freundliches Deutschland ist es, in dem wir uns heute mit unserem Brauchtum mit anderen treffen, die ihre Heimat lieben! Wir wissen, dass es in Europa Kräfte gibt, die Angst vor "Fremden" oder den "Anderen" schüren und sogar Intoleranz predigen und uns vorleben. Von all dem sind Sie hier in Bayern weit weg. Und ich freue mich, dass Sie für viele Menschen ein Vorbild dafür sind, Heimatliebe und Offenheit miteinander zu verbinden.

Manche Menschen fühlen sich in einer Landschaft oder in der Familie zuhause, andere in der Kunst oder im Glauben. Heimat gibt Halt, gerade in Zeiten der Globalisierung, in denen vieles unübersichtlich und ungeheuer schnell geworden ist. Heimat gibt auch Kraft, weil sie die Möglichkeit bietet, bei sich selbst zu sein. Heimat stiftet Gemeinschaft, weil sie dem Miteinander der Vielen einen gemeinsamen Raum gibt. Und Heimat stärkt den Mut, Grenzen zu überwinden. Denn nur wer fest verwurzelt ist, kann sich der Welt selbstbewusst zuwenden. Nur wer um die eigenen Werte weiß, kann anderen Kulturen offen begegnen.

Rückhalt, Kraft, Gemeinschaft, Mut und Verwurzelung – davon halten Sie nicht nur viel, sondern Sie geben unserem Land auch viel davon und wirken auf diese Weise mit an einem "Wir", einem Wir, das nicht ausgrenzt, sondern verbindet.

Wir alle haben heute mehrere Identitäten. Wir fühlen uns als Bayern oder Mecklenburger, Thüringer – zugleich sind wir aber auch Deutsche und Europäer. So leben wir regionale Vielfalt auf einem hoffentlich dauerhaft geeinten Kontinent, heimatverbunden und weltoffen zugleich. Die Gebirgsschützen sind dafür ein farbenfrohes Vorbild: Fest im christlichen Glauben und in der Kultur ihrer bayrischen Heimat verwurzelt, sorgen sie für ein gutes Miteinander – und glänzen auch über die Grenzen des Freistaats hinaus. Herr Landeshauptmann, meine Herren Offiziere und Chargen: Ich danke Ihnen für Ihren vorbildlichen Einsatz!