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Staatsbankett des tschechischen Präsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck und Daniela Schadt beim Staatsbankett, gegeben vom tschechischen Präsidenten Miloš Zeman Prag/Tschechien, 5. Mai 2014 Staatsbesuch in der Tschechischen Republik - Staatsbankett, gegeben vom tschechischen Präsidenten Miloš Zeman © Jesco Denzel

Ich danke Ihnen für den herzlichen Empfang, für dieses prächtige Ambiente, den Sie meiner Delegation, Frau Schadt und mir bereiten.

Es ist der erste Staatsbesuch eines deutschen Präsidenten in der Tschechischen Republik. Alles, was Sie uns heute gezeigt haben, bewegt mich sehr.

Es freut mich sehr, an diesem so besonders europäischen Ort zu sein, in Prag zu sein. Nicht viele Bauwerke in Europa strahlen einen solchen Glanz, eine solche Würde und einen solchen Geschichtsreichtum aus wie die Prager Burg. Darum bedanke ich mich sehr für diese ehrenvolle Einladung zum Staatsbesuch in die Tschechische Republik und zu diesem Bankett hier in der Prager Burg.

Es hat mich sehr berührt, dass Sie in diesem Ambiente, die Vergänglichkeit in den Blick genommen haben. Doch unsere Freundschaft soll bestehen und dauern.

Die Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland sind so ausgezeichnet, dass es manchem nicht weiter aufgefallen ist, dass es seit Gründung der Tschechischen Republik noch keinen Staatsbesuch eines deutschen Präsidenten hier gegeben hat. Das soll uns zur Freude veranlassen. Dass die Beziehungen die besten seit vielen Jahrzehnten sind, verdanken wir nicht allein den Regierungen, die reibungslos zusammenarbeiten, sondern den Bürgerinnen und Bürgern unserer beiden Länder, die Freundschaftsbrücken gebaut haben über Jahrzehnte hinweg.

Inzwischen besuchen wir uns gegenseitig mit großer Selbstverständlichkeit, vor allem sind es die jungen Leute, – nicht nur in Prag und Berlin, jenen beiden Metropolen, die seit der Befreiung vom Kommunismus und der Wiedervereinigung Europas von neuem so lebendig und vor allem für junge Leute so attraktiv geworden sind.

Tschechen entdecken die Schönheiten deutscher Landschaften, Deutsche entdecken die Reize von Böhmen und Mähren. Und dass auch Ihre ehemaligen Mitbürger und Landsleute, die heute lange in Deutschland leben, voller Neugier gleichsam Heimatbesuche machen können, das zeugt von einer enormen Entwicklung unserer Beziehungen. Viele Flüchtlinge und Vertriebene sowie deren Kinder und Enkel sind eine lebendige Brücke zwischen unseren Staaten geworden.

Gerade weil es so selbstverständlich geworden ist, dass wir uns sehen, besuchen, miteinander sprechen und als Freunde miteinander umgehen, gerade deshalb betrüben uns die düsteren Epochen der tschechisch-deutschen Geschichte so sehr. Ich sage das, weil mir bewusst ist, dass wir uns heute, am 5. Mai, an die mutigen Tschechen erinnern, die gegen das Nazi-Regime aufgestanden sind.

Heute begehen Sie und Ihre Landsleute den Jahrestag des Prager Aufstands 1945, als sich aufrechte Tschechen gegen die deutschen Besatzer aufzulehnen begannen. Drei Tage später waren Prag, Böhmen und Mähren frei. Befreit wurden auch die Häftlinge im Konzentrationslager Theresienstadt.

Sie und Ihre Landsleute haben am 15. März dieses Jahres an den 75. Jahrestag der Besetzung der Tschechoslowakei erinnert. Václav Havel hatte zum Jahrestag 1990 in einer großherzigen Geste der Versöhnung Bundespräsident von Weizsäcker eingeladen. Präsident Havel stellte damals fest: "Den definitiven Strich unter unseren ersten Versuch eines demokratischen Staates zog am 15. März des Jahres 1939 ein Wahnsinniger in Stiefeln, als er in diese Burg eindrang, um der Welt zu verkünden, dass Gewalt über Freiheit und Menschenwürde siegt."

Wenn wir uns diese Worte vor Augen führen und sie nachklingen lassen, wird uns bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir uns heute so begegnen, wie wir es heute getan haben und morgen wieder tun werden. Ich nehme es als ein Geschenk an und danke Ihnen dafür. Mein Dank umschließt auch die Freude darüber, dass Tschechien und Deutschland seit nunmehr 25 Jahren Freunde und Partner sind, den Menschenrechten verpflichtet, der Freiheit und der Demokratie.

Beide, Tschechische Republik und Bundesrepublik Deutschland, gehören der Europäischen Union und der NATO an. Hier gibt es in diesem Jahr zwei Jubiläen zu feiern: Tschechien ist jetzt schon 15 Jahre NATO-Mitglied und seit zehn Jahren in der Europäischen Union. Das sind Gemeinschaften, in denen wir uns gegenseitig mit allen anderen Partnern darauf verpflichtet haben, Frieden zu sichern und zu bewahren, Freiheit zu schützen und auszubauen, Wohlstand und Gerechtigkeit zu fördern.

Ich freue mich, dass ich in Ihnen, Herr Präsident Zeman, einem Kämpfer für Freiheit und einem überzeugten Europäer begegnen darf. Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie die Europafahne auf der Burg haben hissen lassen.

Nicht zuletzt die Ereignisse in der Ukraine erinnern uns daran, dass die Europäische Union ganz wesentlich ein Friedens- und Demokratieprojekt ist. Wir wollen es bewahren, gerade weil wir uns in diesem Jahr erinnern an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Ich schließe mit den Worten der großen deutschsprachigen Prager Schriftstellerin Lenka Reinerová: "Denn dass wir friedlich miteinander leben wollen und können, ist vielleicht eine Selbstverständlichkeit, die allerdings unterstützt und behütet werden muss."

So erhebe ich mein Glas auf unsere gemeinsame gute Zukunft in Europa, auf die tschechisch-deutsche Freundschaft und die Brückenbauer und auf das Wohl unseres Gastgebers und seiner Frau.