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Ansprache beim Mittagessen des tschechischen Ministerpräsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Rede (Archiv) Bundespräsident Joachim Gauck bei einer Rede (Archiv) © Jesco Denzel

Unsere Länder sind gute Nachbarn und Freunde im gemeinsamen europäischen Haus. Und so freue ich mich, dass ich in diesen Tagen in Ihrem schönen Land, in Ihrer "goldenen" Hauptstadt zu Gast sein darf.

Erst vor wenigen Wochen haben Sie, Herr Ministerpräsident, Deutschland und Berlin besucht. In einer viel beachteten Rede kündigten Sie für Ihre Regierung die verstärkte Hinwendung der Tschechischen Republik zur Europäischen Union an. Und Sie haben diese Hinwendung bereits mit Taten unterlegt: Tschechien hat sich die Europäische Grundrechtecharta in vollem Umfang zu Eigen gemacht.

Und jüngst hat Ihre Regierung auch dem Fiskalpakt zugestimmt. Das alles ist in Deutschland sehr aufmerksam registriert worden. Deutschland weiß sich mit Ihrer Regierung einig in dem Ziel, gute Lebenschancen für alle Menschen dauerhaft zu sichern. Dafür braucht Europa handlungsfähige, solide wirtschaftende Staaten. Auch in anderen Bereichen der Europapolitik haben wir gemeinsame Interessen: beim grenzüberschreitenden Ausbau der Energie- und Verkehrswege, bei der Unterstützung der Spitzenforschung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit oder bei der gemeinsamen Agrarpolitik nach 2014, um nur einige zu nennen.

Herr Ministerpräsident,

wenn wir Europa voranbringen wollen, müssen wir verloren gegangenes Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, der Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen. Das ist keine leichte Aufgabe. Eine Zukunftsperspektive braucht gerade die Jugend in Europa. Im Austausch über die besten Konzepte der Bildung, Berufsausbildung und eines gelungenen Starts ins Arbeitsleben liegt eine große Chance unserer weiteren Zusammenarbeit in der Europäischen Union.

Die Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union hat viel erreicht in den vergangenen Jahrzehnten. Sie hat ihren Teil beigetragen zur Überwindung der Teilung Europas und seither 13 neue Mitglieder erfolgreich integriert. Sie hat sich institutionell erneuert und Grundlagen für eine europäische Außenpolitik gelegt. Die jüngsten Ereignisse in der Ukraine zeigen mehr denn je, wie notwendig es ist, das Verhältnis der EU zu unseren östlichen Nachbarn mit Augenmaß und Weitsicht zu gestalten. Hier sind Fingerspitzengefühl und Entschlossenheit, Kreativität und Beharrlichkeit gefragt. Dem tschechischen EU-Kommissar kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Es gibt also viel zu tun. Da ist es gut, dass die Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland auf einem festen Fundament ruhen und wir uns gegenseitig vertrauen. Für uns Deutsche ist das ein Grund zur Freude und zu besonderer Dankbarkeit.

So erhebe ich mein Glas auf Sie, Herr Ministerpräsident, und auf die deutsch-tschechische Freundschaft.