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Preisverleihung des Wettbewerbs "Kinder zum Olymp!"

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede anlässlich der Preisverleihung 'Kinder zum Olymp!' in der Berliner Philharmonie Berlin, 19. September 2014 Preisverleihung "Kinder zum Olymp!" – Rede in der Berliner Philharmonie © Sebastian Bolesch

Schirmherr für gute Initiativen bin ich nun wirklich sehr gerne. Und hier bei dieser Veranstaltung, so habe ich das Gefühl, da brauche ich einen ganz besonders großen Schirm, damit alle darunter passen, die sich hier verbündet haben. Denn es ist zwar richtig: Wir vergeben hier heute Preise, das ist der Sinn dieser Veranstaltung. Und Gewinner werden hier nachher auf der Bühne stehen, sie werden bekannt gegeben, sind schon jetzt ganz gespannt. Es sind die, die es sozusagen auf den Olymp geschafft haben. Aber der Bundespräsident ist nie nur Schirmherr der Gewinner, sondern er denkt auch an alle anderen, die mitwirken, die sich beteiligen.

Und wenn wir heute hier in der Philharmonie unsere Gewinner feiern, dann denken wir an alle, die sich mit Phantasie, mit Lust und Können mitbeworben haben, also wir sagen aus diesem Saal heraus einen Gruß an alle, die sich beteiligt haben: Wir denken hier heute an euch alle! Und wir danken euch dafür, dass ihr mitgemacht habt! Wir Erwachsenen freuen uns nämlich, wenn es uns gelingt, möglichst früh mit Kindern, mit Jugendlichen zusammenzukommen, die sich anstecken lassen, die Freude haben, auch manchmal ein solches Maß an Freude, dass die natürliche Trägheit, die in uns allen steckt, überwunden wird. Das ist beim Sport so wie in der Kultur. Wir müssen manchmal über innere Hürden klettern und dazu brauchen wir Erwachsene, die uns zeigen: Das kann auch Spaß machen, das ist Lebensfreude, und das ist nicht nur Zwang, um eine Zensur zu erreichen. Also, wir schauen die große, große Gruppe von Menschen an, die in diesem Land als Kinder, als Jugendliche, als Erwachsene, als Fachleute Kreativität fördern, die Leidenschaft für künstlerische Abenteuer in uns entwickeln. Und ich freue mich, dass jetzt schon meine beiden Vorredner auch an diejenigen gedacht haben, an die ich auch gedacht habe bei der Vorbereitung dieser Rede: an all die Schulleiterinnen und all die Lehrer, an die Künstlerinnen und die Mitarbeiter in den verschiedenen Kultureinrichtungen. Deren Mitwirkung war doch so unendlich wichtig, um immer wieder, wenn es auch ein bisschen schwierig wird, die ihnen Anvertrauten zu motivieren. Ihnen allen ein ganz herzliches Dankeschön!

Jetzt können Sie nachvollziehen, warum ich vorhin gesagt habe, ich brauche bei einer Veranstaltung wie dieser als Schirmherr einen besonders großen Schirm. Und dazu will auch ich noch ein, zwei Zahlen nennen, um die Größe des Schirms zu beschreiben: 675 Projekte waren an dem Wettbewerb beteiligt, und dahinter stehen 31.500 Schülerinnen und Schüler. Wenn ich mir nun vorstelle, dass auch die Eltern lebhaften Anteil daran genommen haben und die dazugehörigen Lehrer oder Künstler, diese ganze Schar von Ehrenamtlichen, die dahinter steht, dann ist das wirklich eine wunderbare kulturelle Großtat, die eigentlich viele Bundesverdienstkreuze verdient hat. Aber manche von Ihnen werden sicher noch eines Tages eines bekommen. Kinder zum Olymp: Bei einem solchen Fest wie heute bekommt man eine Ahnung davon, wie es ist, oben zu stehen und von oben hinunterzuschauen auf das Leben. Das ist auch eine besondere Erfahrung, die viele Künstlerinnen und Künstler motiviert. Die Künstlerinnen und Künstler, die uns bereichern, die uns beschenken mit ihren Gaben, die schauen um sich und sagen: Schaut, so sehe ich das Leben, wie siehst Du es? Und dann entsteht in uns eine Öffnung der Seele, die Menschen brauchen, wenn sie nicht einfach nur Maschinen sein wollen, sondern wenn sie Gestalter ihres Lebens sein wollen.

Nun zu unserem Wettbewerb: Der Wettbewerb hat sich innerhalb von zehn Jahren, also in relativ kurzer Zeit, großartig entwickelt. Das spricht dafür, dass seine Erfinder eine gute Nase hatten für das, was notwendig und attraktiv sein würde. Und der Erfolg, der spricht natürlich auch für die gute Arbeit derjenigen, die sich seither für "Kinder zum Olymp!" engagieren. Ich erwähne besonders Frau Löhrmann, die Kulturstiftung der Länder mit Frau Pfeiffer-Pönsgen, und dann erwähne ich ganz ausdrücklich noch die wichtigen Sponsoren, in diesem Falle ist es die Deutsche Bank Stiftung.

Sie haben schon einmal davon gehört. Ich nehme dies zum Anlass, den jungen Leuten hier zu sagen: Nicht alle von Euch werden Künstler werden. Das ist auch nicht schlimm. Mancher von Euch wird Ministerin werden, so wie Frau Löhrmann, eine vielleicht auch Bundeskanzlerin, das wissen wir noch nicht, aber es wird auch unter Euch Bankdirektoren geben oder Mitarbeiter in einer Bank oder Diplomingenieure, die aufsteigen in eine wichtige Funktion. Und wenn wir dann in einem Bereich sind, in dem wir nicht jeden Tag an Kultur denken und an die Schönheit des Lebens, dann braucht man eine Sensibilität dafür, dass Leben nicht nur bedeutet, Rechnen und Bauen und Verwalten zu können.

Sondern dass gerade auch bei denen, die rechnen können, also bei den Bankleuten, plötzlich ein Gespür dafür da ist: Wir leben nicht nur davon, dass wir Gewinne erwirtschaften, sondern wir leben davon, dass wir eine Gemeinschaft miteinander gestalten, indem einer für den anderen Mitverantwortung trägt. Das ist eine wunderbare Sache. Und dann machen die das oft auch noch, um zu zeigen: Schaut her, wir sind ein wunderbares Unternehmen, wir haben eine wunderbare Stiftung. Und einige sind dann sogar so weit, dass sie mit anderen Stiftungen nicht nur konkurrieren, sondern kooperieren. Und dass sich diejenigen, die sich nun aus dem Bereich der Wirtschaft mit ihren Stiftungen verbünden zum Wohle unseres Landes, zu einem guten Klima, das in unserem Land herrscht, das ist so wichtig, wie es in der Politik wichtig ist, nicht nur Haushalte zu bestimmen, sondern in diesen Haushalten auch für den Bereich Bildung und Kultur immer wieder mehr Mittel bereitzustellen, nicht nur das Nötigste. Herzlichen Dank dafür.

Ich finde das so schön, wenn die Verschiedenen zusammenkommen, die Jugendlichen und Kinder, die sich ausprobieren wollen und die von Ihnen, den Lehrern und Lehrerinnen, ermutigt worden sind – und von der Politik und den großen Stiftungen und Unternehmen, herrlich!

Jetzt komme ich zu dem, was wir denn nun eigentlich hier ehren. Es geht um Kunst. Das zu sagen, scheuen sich viele, weil sie im Kopf den Spruch haben: Kunst kommt von Können. Das ist zwar richtig, dass Kunst von Können kommt, aber manche sagen das mit einer allzu skeptischen Miene, wenn sie nämlich künstlerische Hervorbringungen sehen, von der sie den Eindruck haben, das kann ja jeder!

Aber wenn ich mir den Wettbewerb "Kinder zum Olymp!" ansehe und wenn ich dabei an die 28 Preisträger denke, über deren Projekte und Initiativen ich in der Vorbereitung auf den heutigen Tag sehr Beeindruckendes gelesen habe, dann könnte ich diesen Satz von Kunst und Können auch ein bisschen abwandeln und sagen:

Kunst kommt vom Ausprobieren. Kunst kommt vom Sich-etwas-zutrauen. Und Kunst kommt manchmal auch vom Mut, vom Mut, die Phantasie spielen zu lassen. Denn bevor aus Können Kunst werden kann, muss das Können sich entwickelt haben. Es musste Zeit haben, zu wachsen. Und so etwas geht in der Regel nicht von selbst. Erst wenn man etwas ausprobiert, merkt man, ob man es schon beherrscht oder ob man vielleicht noch üben muss. Und noch etwas: Es muss auch Spaß machen, damit man Lust hat, es zu können, damit dann Ehrgeiz und Willen dazu kommen. Nur mit Ehrgeiz und Willen und ohne Spaß wird vieles Krampf.

Genau das ist nun das Tolle und Großartige an "Kinder zum Olymp!": Dass hier junge Menschen dazu angestiftet werden, sich als Künstler oder auch als Kulturproduzent zu versuchen, und zwar in allen denkbaren Bereichen: ob Theater, Musik, Film, Tanz, Fotografie, Architektur, ob Literatur oder Kulturgeschichte.

Junge Menschen lernen ihre Gaben und ihre Stärken kennen, indem sie vieles ausprobieren. Dafür müssen ihnen Möglichkeiten, Reize, Herausforderungen und Räume gegeben werden – so wie hier bei "Kinder zum Olymp!".

Stark wird nur der, der seine Stärken auch ausprobieren und einsetzen kann. Erfolgreich wird nur der, wer sich etwas zutraut. Etwas Gelungenes stellt nur der auf die Beine, der gelernt hat, etwas zu können.

Wir alle können froh sein, in einem Land zu leben, in dem das möglich ist, dass so viele Kinder sich und ihre künstlerischen Qualitäten ausprobieren. Wir können sogar ein wenig stolz darauf sein, dass das Land der Kultur, als das Deutschland weltweit gilt, sich nicht auf vergangenen Lorbeeren ausruht. Wir wissen: Nur wenn junge Menschen die Herausforderung annehmen, sich kulturell zu engagieren und sich künstlerisch zu verwirklichen, nur dann werden Kunst und Kultur auf Dauer die hohe Achtung und Wertschätzung behalten, für die Deutschland in der Welt bekannt ist.

Aber es geht nicht zuerst um unseren guten Ruf oder um einen Standortfaktor. Es geht zuallererst um die Bildung des einzelnen Menschen und die ihm mögliche Entfaltung seiner Gaben und Anlagen, um das Kostbare, was in Kreativität steckt. Es geht um die Erfahrung einer schöpferischen Gemeinschaft, in der alle Beteiligten die Erfahrung machen, dass sie zusammen mehr und schöneres zustande bringen als jeder einzelne es für sich allein tun könnte.

So danke ich allen, die es möglich gemacht haben, dass bei "Kinder zum Olymp!" in den vergangenen zehn Jahren mehr als 300.000 Schüler Gelegenheit hatten, sich künstlerisch zu betätigen, sich zu erfahren, sich weiterzuentwickeln. Und ich beglückwünsche alle Preisträger, und ich bin froh, heute unter so vielen jungen Künstlern zu sein.

Weiter so!