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Rede in Rideau Hall beim Staatsbesuch in Kanada

Bundespräsident Joachim Gauck hält nach seiner Ankunft in Kanada eine Ansprache in Rideau Hall, dem Gästehaus des Generalgouvernuers Ottawa/ Kanada, 24. September 2014 Staatsbesuch in Kanada – Ansprache nach der Ankunft in Rideau Hall, dem Gästehaus des Generalgouvernuers © Steffen Kugler

Vielen Dank für diese herzliche Begrüßung! Daniela Schadt, unsere Delegation und ich freuen uns sehr auf die gemeinsame Zeit bei Ihnen, auch wenn wir das riesige und vielgestaltige Kanada nur streifen können: Von Neufundland bis British Columbia, von Nunavut bis Ontario, hier ist viel mehr zu sehen und viel mehr zu erleben, als es uns in diesen Tagen vergönnt sein wird. Mein Gruß gilt heute allen Kanadierinnen und Kanadiern, auch jenen, deren Provinzen ich nicht besuchen kann.

Es ist lange her, dass ein Präsident der Bundesrepublik Deutschland in Ihrem Land zu Gast war – Richard von Weizsäcker 1990. Das war das Jahr, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft Weltmeister wurde. 2014 erleben wir diese schöne Kombination nun noch einmal. Ich finde: Der zeitliche Abstand zwischen den deutschen Staatsbesuchen sollte deutlich verringert werden.

Herr Generalgouverneur, es ist für mich eine Freude, an Ihre Worte über die Beziehungen zwischen unseren Ländern anschließen zu können. Diese Reise steht wahrlich im Zeichen der Freundschaft. Ich komme als Europäer, dem die transatlantischen Beziehungen sehr viel bedeuten. Gerade jetzt – in Zeiten sehr vieler Krisen und Kriege – brauchen wir eine enge Partnerschaft über den Atlantik hinweg, so wie zwischen Kanada und Deutschland. Kanada ist als NATO-Gründungsmitglied seit langem ein wichtiger Garant der deutschen Sicherheit. Und wenn wir in wenigen Wochen an den 25. Jahrestag des Mauerfalls und an die Friedliche Revolution bei uns in Deutschland und in Mittelosteuropa denken, dann denken wir Deutsche auch daran, wie viele Staaten uns damals in turbulenter Zeit unterstützt haben. Kanada gehört natürlich dazu. Heute bildet die enge deutsch-kanadische Zusammenarbeit von der NATO über die OSZE bis zu den Vereinten Nationen ein wichtiges Fundament unserer transatlantischen Beziehungen.

Ich komme voller Dankbarkeit für das, was wir bereits erreicht haben. Aber ich komme natürlich auch mit konkreten Fragen: Wie erfüllen wir unsere Zusammenarbeit weiter mit Leben? Wie können wir noch enger kooperieren – zum Beispiel im internationalen Handel, bei Fragen der Energieversorgung oder beim internationalen Klimaschutz? Führende Vertreter der deutschen Wirtschaft begleiten mich auf dieser Reise in dem Interesse, die Möglichkeiten einer noch intensiveren Kooperation mit Kanada in Wirtschaft und Technologie zu nutzen. Und Daniela Schadt weiß schon jetzt, dass sie am Freitag, wenn wir über Immigration und Integration diskutieren, erfahren möchte, wie Kanada seine hervorragenden PISA-Ergebnisse erreicht – trotz der vielen verschiedenen Muttersprachen, die im multikulturellen Einwanderungsland Kanada gesprochen werden.

Auch wenn etliche Flugstunden zwischen unseren Staaten liegen: Das, was uns in der internationalen Politik und im persönlichen Alltag bewegt, ist oft sehr ähnlich, denn wir teilen dieselben Werte. Und so kann ich den größten Wunsch meiner Reise in einem Satz zusammenfassen: Ich wünsche mir, dass sich Kanada und Deutschland all ihrer Gemeinsamkeiten noch deutlicher bewusst werden und darauf etwas Neues, Gutes und Starkes aufbauen!