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Staatsbankett anlässlich des Besuchs in Luxemburg

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Staatsbankett anlässlich des Staatsbesuchs im Großherzogtum Luxemburg Luxemburg, 3. November 2014 Staatsbesuch im Großherzogtum Luxemburg – Rede beim Staatsbankett © Guido Bergmann

Für den freundlichen, ja, herzlichen Empfang in Ihrem Land, dem Großherzogtum, möchte ich Ihnen, auch im Namen von Daniela Schadt und meiner Delegation, sehr herzlich danken. Wir fühlen uns gut aufgenommen, wir fühlen uns wohl bei Ihnen.

Um allerdings ganz ehrlich zu sein: Wir haben es auch nicht anders erwartet. Unsere Länder sind einander seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden. Wir sind beide Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gewesen. Wir haben beide das Zusammenwachsen Europas nach Kräften gefördert. Wir haben beide die europäischen Institutionen gewollt und, wo wir konnten, gestärkt. Und wir haben schließlich beide die Europäische Union zu unserer Sache gemacht.

Der Kommissionspräsident der Union kommt aus Ihrem Land. Er ist uns Deutschen wohl bekannt, und zwar nicht nur, aber vor allem aus dem Fernsehen. Viele von uns erinnern sich gut, wie er vor einigen Monaten zur besten Sendezeit und mit bestem Deutsch in unsere Wohnzimmer kam und im Duell der Spitzenkandidaten die Sache Europas vertrat. Für mich war das ein großer europäischer Moment, weil Wahlkampf über Staatsgrenzen hinweg gemacht wurde. Das zeugt von der Nähe, die zwischen unseren Ländern, vor allem aber zwischen Luxemburg und Deutschland, gewachsen ist.

Luxemburg ist – ich verrate kein Geheimnis – eines der kleineren Mitglieder der Europäischen Union. Vor allem aber ist Luxemburg Europa im Kleinen: Man spricht drei Sprachen, deutsch, französisch und natürlich luxemburgisch. Luxemburg markiert eine wesentliche Schnittstelle zwischen dem frankophonen und dem germanischen Sprach- und Kulturraum. Man kennt sich auf beiden Seiten der Landesgrenzen gut aus. Und so ist Luxemburg immer wieder zu einem Vermittler in dieser zentralen europäischen Angelegenheit, dem Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich geworden.

Ich freue mich deshalb auf die morgige Veranstaltung im Institut Pierre Werner, das den Namen des großen europäischen Vordenkers trägt und ein schönes Symbol deutsch-französisch-luxemburgischer Zusammenarbeit ist.

Luxemburg ist im Übrigen altes fränkisches Kernland und erinnert so an den Vater Europas, Karl den Großen, wie ja auch das Luxemburgische der Sprache ähneln soll, die dieser erste große Einiger Europas gesprochen hat. Ob es damit zusammenhängt, dass die Luxemburger schon sehr früh entschiedene Europäer waren? Ich denke schon. Sicher ist aber, dass Sie aus luxemburgischer Perspektive genau erkennen, was auf dem Spiel steht, wenn Europa nicht funktioniert. Große Länder können sich immer einbilden, wenn auch letztlich zum eigenen Schaden, sie könnten es alleine, sie bräuchten möglicherweise keine Partner. Luxemburg ist durch seine Größe klüger.

Deshalb ist es nur allzu berechtigt, dass so viele und so bedeutende europäische Institutionen in Luxemburg zu Hause sind. Wenn Luxemburg hier überproportional bedacht worden ist, dann liegt das auch an dem überproportionalen Einsatz Luxemburgs und der Luxemburger für Europa. Als bisher einziges Volk hat das Luxemburgische deshalb vollkommen zu Recht den renommierten Aachener Karlspreis verliehen bekommen – und der deutsche Bundespräsident, einer meiner Vorgänger, Karl Carstens, hat die Laudatio gehalten.

Luxemburg als Europa im Kleinen: Das bedeutet auch, dass fast die Hälfte Ihrer Bevölkerung aus Menschen mit anderen Staatsangehörigkeiten besteht, darunter fast 15.000 Deutsche. Nehmen wir noch die vielen Pendler dazu, es sollen täglich aus Deutschland allein 40.000 sein, so sehen wir, dass die bilateralen Beziehungen durch enge persönliche Verbindungen gestärkt werden.

Die wirtschaftlichen Beziehungen sind außerordentlich stark und lebendig, und sie stellen auch einen Schwerpunkt meines Besuchsprogramms dar. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen, Königliche Hoheit, die deutsch-luxemburgische Wirtschaftskonferenz zu eröffnen und die neue Turbine des Pumpspeicherkraftwerks Vianden in Betrieb zu nehmen.

Auch in Forschung und Bildung gibt es eine enge Kooperation. Das erste juristische Max-Planck-Institut außerhalb Deutschlands konnte vor einem Jahr hier in Luxemburg eröffnet werden. Ein Max-Planck-Institut für internationales Verfahrensrecht könnte auch nicht besser positioniert sein als hier in Luxemburg, dem Zentrum der europäischen Jurisdiktion.

Und wenn ich das Schengen-Lyzeum besuche, möchte ich damit die besondere Kooperation unserer beiden Länder in der Bildung würdigen.

Dass wir in der Bildung so eng zusammenarbeiten, bietet sich angesichts gemeinsamer Traditionen und Kultur an. Und auch die deutsche Sprache verbindet uns. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sie, Königliche Hoheit, vor wenigen Wochen zum ersten Mal am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter teilgenommen haben. Dass ich Ihnen meine Heimatstadt Rostock ein wenig näher bringen konnte, war mir eine besondere Ehre.

Und eine besondere Freude für Daniela Schadt wie für mich ist es, dass wir uns seit unserer ersten Begegnung so gut verstehen und einander so freundschaftlich und herzlich zugeneigt sind.

So freue ich mich, hier bei Ihnen in Luxemburg zu sein, diesem wunderbar gastlichen Ort. Erheben Sie daher mit mir das Glas auf die Gesundheit Ihrer Königlichen Hoheiten und des Erbgroßherzogs und von Staatsminister Bettel, auf das Wohl des luxemburgischen Volkes und auf die Freundschaft zwischen den eng verbundenen Nachbarn Luxemburg und Deutschland.