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Diskussionsrunde mit den Präsidenten der Visegrád-Staaten und Studierenden der Karls-Universität

Bundespräsident Joachim Gauck diskutiert gemeinsam mit Studierenden der Juristischen Fakultät der Karls-Universität und mit den Präsidenten der Visegrád-Staaten anlässlich '25 Jahre Samtene Revolution' Prag/Tschechien, 17. November 2014 Reise nach Bratislava und Prag – Diskussion mit Studierenden der Juristischen Fakultät der Karls-Universität gemeinsam mit den Präsidenten der Visegrad-Staaten © Jesco Denzel

Erinnerung ist Zukunft, denn es ist immer auch die Spezifik unseres Erinnerns, die Weichen für die Zukunft stellt. Erinnerung bedeutet mehr als zurückzublicken, zu gedenken und Zeitzeugen zu begegnen. Darin weiß ich mich mit meinen vier Kollegen einig. Ich bin sehr dankbar, Ihre Stadt gemeinsam mit vier Präsidenten zu erleben. Und ich weiß, dass wir alle die Erinnerung als Teil unserer Arbeit für die Zukunft verstehen. Deshalb war es uns so wichtig, Sie zu treffen, liebe Studierende: Gesprächspartner, die jünger sind als der Jahrestag, den wir heute begehen.

Ihre Ausstellung zu den Ereignissen von 1939 und von 1989 hat mich berührt. Vor allem die Tatsache, dass gerade Sie – die Generation der Nachgeborenen – dieses Thema ausgesucht haben. Beim Betrachten der Fotos habe ich mich gefragt:

Wie heißt das tschechische Wort für das, was die Bilder zeigen? Im Deutschen hieße es Mut. "Mut zur Freiheit" möchte ich diese eindrucksvolle Sammlung gern nennen.

Gern würde ich mit Ihnen nicht allein über die Vergangenheit diskutieren, sondern auch über die Frage, wann wir heute Mut zur Freiheit brauchen. Wir erleben ja an so vielen Orten auf der Welt, auch in unserer europäischen Nachbarschaft, dass vieles nicht als gesichert gelten darf, wofür Ihre und auch meine Landsleute 1989 auf die Straße gegangen sind.

Lassen Sie uns also über demokratisches Bewusstsein und über Zivilcourage sprechen. Die Liste bekannter, noch unerfüllter Aufgaben ist lang. Das gilt auch für ein bedeutendes Projekt, die weltweite Verwirklichung der Menschenrechte, und für die zahlreichen, vergleichsweise neuen Herausforderungen, die Ihre Generation sehr beschäftigen werden: den Klimawandel, die Verknappung globaler Ressourcen, die Zuspitzung von Krisen auf der Welt. Und im Inneren unserer Länder bestehen doch auch noch Herausforderungen – und sei es nur die, das Interesse an der Mitwirkung bei der Gestaltung unserer Demokratie bei den Bürgern weiterzuentwickeln.

Mich interessiert: Für welche Ziele würden Sie sich einsetzen – oder haben es vielleicht schon getan? Engagement kann auf so viele Arten wertvoll sein, vom Naturschutz bis zur weltweiten Überwindung von Unrecht und Armut. Gleichgültig, ob wir nur begrenzt zu politischen, kulturellen oder sozialen Aktivitäten bereit sind, oder ob wir als Mitglieder von Parteien, Gremien oder gewählten Körperschaften zu dauerhaftem Engagement finden: Es geht um das Dabeisein, manchmal mit dem Mut von 1989 – aber öfter vielleicht mit einer anderen Grundeinstellung von 1989: Ich bin dabei, ich bin zuständig.