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Adventskonzert beim Bundespräsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck begrüßt die Gäste zum Adventskonzert im Großen Saal von Schloss Bellevue   Schloss Bellevue, 14. Dezember 2014 Adventskonzert beim Bundespräsidenten – Begrüßungsworte an die Gäste im Großen Saal von Schloss Bellevue © Jesco Denzel

Zu den schönsten Momenten im Leben gehören diejenigen, die uns die Gelegenheit geben, Danke zu sagen.

Durch mein Amt habe ich das Glück, das sehr oft tun zu können – und vor allem: das sehr oft mit sehr guten Gründen tun zu können. Da ich viel im Lande herumkomme, lerne ich so viele Menschen kennen, die sich auf vielfältige und bewegende Weise für andere, für die Gemeinschaft, für eine gute Sache einsetzen, dass es mich immer wieder begeistert.

Fast täglich darf ich solchen leidenschaftlich engagierten Menschen begegnen – und fast täglich fühle ich so die fröhliche Pflicht, Danke zu sagen. Das ist sozusagen ein amtliches Danke, denn ich sage das ja nicht in meinem Namen allein, sondern im Namen unseres Landes, des Gemeinwesens, für das das ehrenamtliche oder auch professionelle Engagement ein unermesslicher Gewinn ist.

Heute Nachmittag nehme ich die Gelegenheit wahr, darüber hinaus auch ein ganz persönliches Danke zu sagen. Denn heute sind Sie meine Gäste, die alle etwas ganz Bestimmtes verbindet. Sie haben im Laufe des letzten Jahres, manchmal auch schon über viele Jahre hinweg, dabei geholfen, dass ich meine Arbeit so tun kann, dass sie möglichst gut gelingt. Sie sind mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden, Sie haben Termine mit vorbereitet oder haben kluge Ideen unterbreitet und handfeste Vorschläge für konkrete Aktivitäten gemacht.

Und wenn Sie vielleicht nicht direkt mit mir persönlich zu tun hatten, so haben doch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Bundespräsidialamt bei Ihnen tatkräftige Unterstützung und verlässliche Hilfe gefunden.

Ihnen allen sage ich deswegen heute meinen ganz persönlichen Dank – und da ich sehr oft nicht allein bin, wenn ich tue, was meines Amtes ist, übermittele ich Ihnen auch den persönlichen Dank von Daniela Schadt. Sie profitiert genauso von vielfältiger Unterstützung – und freut sich deswegen genauso darüber, dass Sie alle gekommen sind und dass wir uns nachher begegnen können.

Es ist Tradition, dass dieser Dank beim Adventskonzert des Bundespräsidenten ausgesprochen wird – und dieses Adventskonzert selber ist auch von bestimmten Traditionen geprägt.

Zum ersten: Es singen stets absolute Spitzenchöre aus Deutschland adventliche Lieder und Chorsätze. Das ist auch heute so, denn mit den Augsburger Domsingknaben können wir heute ein wirklich erstklassiges Ensemble begrüßen. Ich freue mich sehr, dass sie da sind und uns gleich – unter ihrem Leiter Reinhard Kammler – in adventliche Stimmung bringen können.

Zweitens gehört es zur Tradition der Adventskonzerte, dass zwischen den gesungenen Teilen einige Gedichte oder kurze Geschichten vorgetragen werden. Ich freue mich, dass uns die wunderbare Schauspielerin Adele Neuhauser heute Nachmittag diese Texte liest.

Diese Texte sind meistens näher an unserer Zeit als die altehrwürdigen adventlichen Weisen – und sprechen uns so vielleicht noch anders auf den Sinn von Advent und Weihnachten an.

Denn darum geht es drittens und vielleicht vor allem: dass wir uns in dieser vorweihnachtlichen Stunde für einige Momente wegführen lassen vom inneren und äußeren Betrieb, der uns tagtäglich beschäftigt. Dass wir uns selber eine Pause gönnen und uns in die Stimmung der Erwartung und der Vorfreude versetzen lassen, die die Adventszeit eigentlich bestimmen soll.

Unsere Gedichte und Geschichten drehen sich immer um ein bestimmtes Thema, in diesem Jahr sind es Engel und Schutzengel. Die Weihnachtsgeschichten sind ohne Engel ja gar nicht vorstellbar, an vielen entscheidenden Stellen weisen sie einen Weg oder geben sie eine Nachricht, wenn die Menschen allein nicht weiterwissen.

Als aufgeklärte Menschen mögen wir die Rede von Engeln eher skeptisch aufnehmen. Aber wenn wir unser Leben einmal mit poetischen Augen ansehen: Haben wir nicht gelegentlich doch das Gefühl, hier und da einen Schutzengel gehabt zu haben? Und haben wir nicht noch öfter das Gefühl, einen solchen Schutzengel gut gebrauchen zu können? Und sagen wir nicht gelegentlich zu einem anderen, er sei für uns wie ein Engel gewesen? Und sehnen wir uns nicht im Stillen oft danach, uns möge jemand einen Ausweg weisen wie ein Engel dem Josef im Traum?

Es gibt ein Gedicht von Wilhelm Willms, in dem einleuchtend und dezent zugleich zum Ausdruck gebracht wird, dass wir füreinander zum Engel werden können. Da heißt es:

Welcher Engel wird uns sagen,

dass das Leben weitergeht,

welcher Engel wird wohl kommen,

der den Stein vom Grabe hebt?

Wirst du für mich

werd ich für dich

der Engel sein

Die letzten Zeilen sind ohne Satzzeichen geschrieben. So können sie einerseits Fragen sein: Wirst du für mich, werd ich für dich der Engel sein? Oder auch ein bedingter Aussagesatz: Wirst du für mich, (dann) werd ich für dich der Engel sein…

Ich finde das einen sehr schönen Leitgedanken für den heutigen Abend und vielleicht auch für die kommenden Tage der diesjährigen Weihnachtszeit.

Diese Stunde soll uns – im Zusammenklang der Texte und der Lieder – auf eine innere, innerliche Reise mitnehmen, eines soll sich aus dem anderen ergeben und eines zum nächsten führen. Daher meine Bitte: Sparen Sie sich den Applaus ganz für den Schluss auf, dann allerdings sollen ihm keine Grenzen gesetzt sein.