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350. Jubiläum der Handelskammer Hamburg

Bundespräsident Joachim Gauck hält beim Festakt anlässlich 350 Jahre Handelskammer Hamburg eine Rede Hamburg, 19. Januar 2015 350. Jubiläum der Handelskammer Hamburg – Rede beim Festakt © Markus Scholz


Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch – an Sie, die Mitglieder und Freunde der Hamburger Handelskammer und natürlich auch an die Freie und Hansestadt selbst, in der diese Einrichtung so lange florieren konnte und die in so Vielem den Geist dieser Stadt atmet. Herzlichen Glückwunsch. Es ist etwas Besonderes, wenn man in Deutschland das 350. Jubiläum feiert, und zwar wenn es um ein Institutionsjubiläum geht, um eine Institution des politischen und wirtschaftlichen Lebens, die wirklich Anerkennung verdient. Dreieinhalb Jahrhunderte, das ist in der politischen Geschichte Deutschlands wahrlich eine halbe Ewigkeit.

Denn, wir erinnern uns, allzu oft sind es ja nicht die Kontinuitäten, sondern die Brüche und die Schicksalsschläge, die sich in unser Gedächtnis eingraben. Das gilt für Hungersnöte und Hochwasserkatastrophen, genauso wie für Seuchen und Brände, jene Heimsuchungen, die auch Hamburgs Geschichte beständig begleitet haben.

Und es gilt noch viel mehr für menschengemachte Katastrophen, die uns zurückgeworfen haben und oftmals zur Neuerfindung zwangen. Es waren die absolute Macht und die Macht der Ideologien, die uns gefesselt hielten und politische Brüche auslösten. Wie viele Krisen und Wirtschaftskrisen, wie viele Zerstörungen und Besatzungen, wie viele Grenzverschiebungen und Währungsreformen, wie viele politische Systemwechsel hat diese eine Hamburger Handelskammer während ihres 350-jährigen Bestehens erleben müssen?

Allein der Blick auf die letzten 100 Jahre zeigt uns, dass wir mit großem Respekt und mit Hochachtung auf das Wirken der Verantwortlichen in der Kammer zurückblicken dürfen. Sie haben es geschafft, auch in schwersten Zeiten erfolgreich für Solidität und Prosperität zu wirken.

Deshalb entbiete ich heute mit großer Hochachtung Deutschlands ältester Handelskammer einen Glückwunsch, und zwar genau an dem Tag, an dem sich vor 350 Jahren die zur See handelnden Kaufleute dieser Stadt versammelten, um ihre Interessenvertretung zu wählen, damals noch unter dem Namen "Commerz-Deputation".

Verehrter Herr Präses, ich bin Ihrer Einladung, heute zu sprechen, sehr gerne gefolgt. Zum einen gibt mir dieses Jubiläum Gelegenheit zu fragen, was die Stabilität dieser, Ihrer Institution ausmacht. Es gibt eine schlichte Antwort, sie lautet: Die Kammern, hier und andernorts, wurden gebraucht, so wie sie heute gebraucht werden – als politische Interessenvertretung der heimischen Wirtschaft, als Motoren der Standortpolitik, als Berater und Unterstützer von Existenzgründern und nicht zuletzt als eine wichtige Säule unseres beruflichen Bildungswesens. Und wir wissen: Diese berufliche Bildung ist ein unschätzbarer Erfolgsfaktor unserer Wirtschaft, übrigens auch ein wichtiges Exportgut.

Sodann will ich einen Kern benennen, der gerade an diesem Jubiläumstag nicht unerwähnt bleiben soll: Nach meiner Meinung sind es Werte und Überzeugungen, die die Gründer schon in den ersten Dekaden der damaligen "Commerz-Deputation" einbrachten. Werte, die der Prüfung der Jahrhunderte standhielten und auch manche Irrung überlebten. Werte, die sich als derart widerstandsfähig erwiesen, dass sie sich in die Moderne übersetzen ließen und sich deshalb auch heute in den Leitlinien der modernen Handelskammer wiederfinden. Drei besonders wichtige Ideen möchte ich herausgreifen: Da ist einmal der Glaube an die Kraft von Wissen und Innovation. Da ist zweitens das Bekenntnis zu Freiheit, Weltoffenheit und Freihandel. Und schließlich der Wille zur Selbstorganisation und Gemeinwohlorientierung. Mit letzterem möchte ich beginnen.

Die "Commerz-Deputation", deren Wurzeln schon im frühen 16. Jahrhundert zu finden sind, ist bei ihrer Gründung eine Art Zusammenschluss der Hamburger Fernhandelskaufleute. In einem Akt von Selbsthilfe erschien es gerade dieser einflussreichsten Gruppierung Hamburgs dringlich, ihre Interessen gegenüber dem Rat wirkungsvoller zu vertreten. Und das in einer Stadt, einer Hafenstadt, deren Wohl und Wehe davon abhing, dem Fernhandel sichere Geschäftsbedingungen zu garantieren.

Genau diese Sicherheit schien aber 1665 nicht gewährleistet, als die "Commerz-Deputation" erstmals zusammentrat. Hamburger Handelskonvois waren von Piraten bedroht, "streifende Seeräuber" nannte man sie damals. Die Stadt konnte bewaffneten Geleitschutz, wiewohl seit langem versprochen, nicht rechtzeitig bereitstellen. Da entschlossen sich die zur See handelnden Kaufleute, aktiv zu werden und Druck auszuüben. Das ist die Geburtsstunde der Interessenvertretung. Das ist der Beginn der kaufmännischen Selbstverwaltung, die bis heute regelmäßig durch den Wahlakt legitimiert wird.

Und jeder Mensch, ob arm oder reich, und jede Berufsgruppe, ob mächtig oder marginal, hat Interessen. Sie zu vertreten, auch im Zusammenschluss mit anderen, ist legitim und, zumindest im freiheitlichen Staat der Moderne, auch erwünscht. In der Rückschau entdecken wir in Initiativen wie der "Commerz-Deputation" die Grundlage dessen, was wir – dreieinhalb Jahrhunderte und einige Regierungssysteme später – Bürgergesellschaft nennen. Sie, die Bürgergesellschaft der Gleichen, fußt auf Engagement und Selbstorganisation. Sie ist das Netzwerk, das unsere Demokratie trägt. Sie will erlernt und eingeübt sein, wie seit Jahrhunderten, so auch heute. Und wir spüren, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Altes wieder neu erlernt werden muss. Ich will die aktuellen Beispiele für Sorgen dieser Art während dieser Feier, in dieser feierlichen Stunde nicht ausbreiten.

Von Anfang an stand Hamburgs organisierte Kaufmannschaft vor der Herausforderung, nicht allein den eigenen Handelsfirmen, sondern zugleich dem Gemeinwohl zu dienen. Denn beides hängt in einer Stadt der Kaufleute zusammen: Der "ehrbare Kaufmann" führt eben nicht nur erfolgreich sein Geschäft, er wirkt durch sein ganzes Verhalten als Vorbild. Er weiß, dass nicht alles, was rechtlich zulässig ist, auch ehrbar ist. Treu und Glauben, Unbestechlichkeit, ein Mann, ein Wort, heute auch: eine Frau, ein Wort – das sind wirtschaftsethische Maximen, wie sie hanseatischer nicht sein könnten. Mancher mag diese Grundlagen des fairen Umgangs miteinander eine Zeit lang belächelt haben. Aber allerspätestens in der Finanzkrise hat sich gezeigt, wie richtig und wie wichtig solche Haltungen sind, auch wenn sie sich nicht per Gesetz erzwingen lassen.

Zugleich übernimmt der "ehrbare Kaufmann" Verantwortung für die Gesellschaft. Heinrich Lübke, der zweite Bundespräsident, sagte in diesem Saal vor genau 50 Jahren: " […] Geschäftssinn und Erwerbsstreben reichen nicht aus, um Großes zu bewirken." Diese Einsicht trugen Generationen von Kaufmannsdeputierten in sich. Sie lernten, den Blick über die enge Interessenwahrnehmung hinaus zu weiten auf die Gemeinschaft, in der erfolgreiches Handeln eben erst möglich wird. Über die Jahre und Jahrhunderte haben sie sich im Zusammenwirken mit dem Rat darum bemüht, Hafen und Verkehrswege, Bildung und Infrastruktur zu verbessern. Sie haben sich verdient gemacht um die Wohlfahrt der Vielen. Manche sind auch direkt hineingewachsen in die Politik. Andere engagieren sich in den Gremien der Handelskammer, in Ausschüssen, in Arbeitsgruppen. Heute unterstützen allein 4.000 ehrenamtliche Prüfer die knapp 300 hauptamtlichen Mitarbeiter. Wieder andere haben dazu beigetragen, Hamburg zur Hauptstadt des deutschen Mäzenatentums zu machen. Ihnen allen, die sie danach streben, Wirtschaft mit Wohlstand und Gemeinwohl zu vermählen, Ihnen allen möchte ich heute von Herzen Dank sagen.

In Zeiten der Gründung der "Commerz-Deputation" entsprach der Horizont des Gemeinwohls im Wesentlichen dem Bereich innerhalb der eigenen Stadtmauern. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann der Nationalstaat zur Bezugsgröße politischen und unternehmerischen Handelns. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dann Europa hinzu, und seit etwa zwei Jahrzehnten hat es sich sogar in küstenfernen Regionen herumgesprochen, dass wir im Zeitalter der wirtschaftlichen Globalisierung leben. In einer weltoffenen Hansestadt wie Hamburg und in Ihrem Kreis brauche ich dazu eigentlich gar nicht mehr viel zu sagen. Nur ein Gedanke: Eine globalisierte Wirtschaft ist langfristig auch auf global gültige Regeln angewiesen. Und wer in einer globalisierten Welt über den Tag hinaus erfolgreich handeln will, tut gut daran, auch das globale Gemeinwohl im Auge zu behalten.

Denn wenn die Welt zum Dorf schrumpft, dann wird uns der Ferne eben zum Nächsten. Dann sind Klimawandel, Seuchen und leergefischte Ozeane nicht mehr nur die Probleme ferner Länder oder zukünftiger Generationen, sondern sie verlangen von uns, dass wir unserer Verantwortung als Weltbürger gerecht werden. Immer mehr tun das. Auch dafür bin ich dankbar.

Die Hamburger "Commerz-Deputation" entstand in einer Zeit, als in Deutschland und Europa nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges endlich eine neue Ordnung errichtet worden war. Noch wenige Jahre zuvor hatten der Krieg und in seinem Gefolge Hunger und Seuchen ganze Landstriche entvölkert. Die staatliche Ordnung war vielerorts zusammengebrochen. An arbeitsteiliges Wirtschaften, an Fernhandel gar, war kaum zu denken. Vor dem Hintergrund dieser furchtbaren Erfahrungen und aus der Einsicht heraus, dass dieser Krieg für niemanden zu gewinnen war, rangen sich die beteiligten Mächte damals endlich zu einem Friedensschluss durch. Ein später, aber wahrhaft notwendiger Sieg der Vernunft!

Kennzeichnend für die neue Ordnung waren die Trennung von Religion und Politik und die Herrschaft des Rechts, niedergelegt in einem fein austarierten System von zwischenstaatlichen Verträgen. Zugleich aber manifestierte diese Ordnung sich in einem Flickenteppich absolutistischer Klein- und Kleinststaaten: mit eigenem Hoftheater, eigener Armee und eigenen Zollschranken.

Nun, die vielen Hoftheater waren für die kulturelle Entwicklung Deutschlands tatsächlich ein unschätzbarer Gewinn. Die Handelsbarrieren waren dagegen ein echtes Problem, vor allem in Konkurrenz zu den großen Nachbarn Frankreich und England und auch zu den Niederlanden.

So verwundert es aus heutiger Sicht kaum, dass die Hamburger Handelskammer und ihre Vorläuferorganisation sich von Anfang an den Freihandel auf ihre Fahne geschrieben hatten. Für damalige Verhältnisse war das freilich alles andere als eine Selbstverständlichkeit, denn die herrschende Lehrmeinung in der Ökonomie jener Tage setzte auf eine straffe staatliche Lenkung der Wirtschaft, auf die Abschottung des eigenen Wirtschaftsraumes durch Schutzzölle und auf eine aggressive Konkurrenz zwischen den verschiedenen Volkswirtschaften. "Merkantilismus" oder auch "Kameralismus" wurde diese Lehre später genannt, und sie war der ökonomische Zwillingsbruder des absolutistischen Machtstaates.

Die Hamburger nun, sie lehnten beides ab: Gegen den Fürstenstaat von Gottes Gnaden setzten sie ihr historisch gewachsenes Verständnis von Bürgerlichkeit und gegen die merkantilistische Planwirtschaft die Idee des freien Handels und des kooperativen Wettbewerbs, der den Handelspartner eben nicht vernichtet und an die Wand drückt, sondern den gemeinsamen Vorteil für beide sucht.

Es lohnt sich, auch heute noch an diese Geschichte zu erinnern, weil das süße Gift des Protektionismus keineswegs gänzlich überwunden ist. Wir alle kennen den Reflex, nach dem Staat zu rufen, anstatt sich auf eigene Kräfte und Möglichkeiten zu besinnen. Und wir kennen auch die Versuchung, Grenzen künstlich hochzuziehen, um sich ungeliebte Konkurrenz vom Leib zu halten oder kurzfristige Vorteile zu erzielen.

Es lohnt sich deshalb, an diese Geschichte zu erinnern, weil sie uns lehrt, dass es einen historischen, inneren Zusammenhang zwischen freiem Handel und offener Gesellschaft und demokratisch legitimierter Herrschaft gibt. Diese Überzeugung wird leider nicht überall in der Welt geteilt. Manche glauben, man könne wirtschaftlichen Erfolg auch ohne Freiheit und ohne die Mühen eines demokratischen Prozesses erreichen und auf Dauer sichern. Auch vor dieser Versuchung – das ist eine sehr reale – kann ich nur warnen! Und zugleich möchte ich Sie, die welterfahrenen und weltoffenen Kaufleute einladen: Werben Sie draußen in der Welt und auch manchmal daheim bei uns für diese Trias: für die Freiheit des Handels, aber auch für die Freiheit der Menschen und für die Demokratie. Alle drei gehören zusammen. Das ist unsere Art zu leben und zu wirtschaften. Das ist unsere Lehre aus der Geschichte. Und es ist der Kern unseres Erfolgs.

Wir haben auch gelernt, dass Freihandel nicht allein dem freien Spiel der Kräfte folgen kann, sondern Spielregeln braucht. Auch das gehört zu den frühen Erkenntnissen der Hamburger und ihrer Handelskammer. Sie setzten sich immer wieder politisch und diplomatisch dafür ein, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, wenn sie neue Handelswege eröffneten und neue Handelsvereinbarungen abschlossen.

Heute fußt der Welthandel auf einem Netz von zwischenstaatlichen Vereinbarungen und dem Regelwerk der Welthandelsorganisation. So ist der Welthandel Teil jener internationalen Ordnung rund um die Vereinten Nationen, von der gerade die Bundesrepublik Deutschland profitiert, weil sie im Weltmaßstab relativ klein und international trotzdem so stark vernetzt ist. Es ist eine Weltordnung, die Frieden und Wohlstand sichert, eine Weltordnung, die es Deutschland erlaubt, seinen Interessen zu folgen und zugleich seine grundlegenden Werte zu leben.

Im vergangenen Jahr haben wir erlebt, was es bedeuten kann, wenn ein einzelner Akteur Grundregeln des Zusammenwirkens der Völker missachtet. Deshalb sahen sich unsere Regierung und unsere wichtigsten Verbündeten in Europa und Übersee gezwungen, Handelssanktionen zu verhängen. Ich will das ruhig im Zusammenhang mit dem Freihandel erwähnen. Denn wir wollen die Welt so sehen, wie sie sich uns darstellt. Ich kann in der Verhängung dieser Sanktionen keine Überreaktion erkennen. Vielmehr geht es darum, dem Ordnungsgefüge des globalen Miteinanders wieder Geltung zu verschaffen, das ist doch das Ziel dieses Handelns. Es zu erreichen, verlangt vielen, auch Mitgliedern der hiesigen Hamburger Kammer, kurzfristig möglicherweise etwas ab, aber langfristig müssen wir es akzeptieren, weil wir doch wollen, dass wir langfristig alle sicher und gut leben können.

Denn es sind ja gerade international tätige Unternehmen, deren Wohlergehen von Voraussetzungen abhängen, und diese Voraussetzungen können sie nicht alle selber schaffen, und sie können sie auch nicht alle selber garantieren. Auch dazu braucht es den Staat, die Staatengemeinschaft und die Regeln, die sich diese Gemeinschaft gegeben hat.

Ihre Hansestadt und unser Land haben erheblich profitiert von der Weltzugewandtheit Ihrer Vorfahren. Jede Generation ist aufs Neue offen gewesen für das Andere, für das Fremde. So konnte Hamburg zum Knotenpunkt deutscher Beziehungen nach Übersee werden. Den stolzen Beinamen "Tor zur Welt" führt die Stadt zweifelsfrei zu Recht. Und "Tor zur Welt" ist sie nicht allein für die Region Hamburg, sondern genauso für große Teile der deutschen Exportwirtschaft.

Nicht die Klage, wie der Volksmund meint, sondern neben kalkulierter Risikobereitschaft, ist Neugier des Händlers Lebenselixier. Sie ist die notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung des Erfolgs. Denn mit der Welt kann nicht handeln, wer nichts von ihr weiß. Wissen ist Macht, und, gemeinsam mit Neugier, eine wunderbare Basis für Innovation.

Aber Wissen fällt dem Neugierigen nicht automatisch zu. Das erkannten schon die ehrwürdigen Mitglieder der "Commerz-Deputation". Ich erinnere deshalb an die Gründung der Commerz-Bibliothek, das geschah vor 280 Jahren. Das war eine der großen kulturellen Einrichtungen der Stadt, eine der "Staatsmerkwürdigkeiten Hamburgs", wie es bis zum frühen 19. Jahrhundert hieß. Ausdrücklich sollten damals nicht nur Bände über das Wirtschaftsleben, sondern umfassende Informationen über die Welt gesammelt werden: politische, geographische, technische. Weltwissen und Weltzugewandtheit. Dass es in Hamburg Jahrhunderte später ein Weltwirtschaftsinstitut gibt, ein Institut für Globale und Regionale Studien und eine School of Business Administration, das ist also die konsequente Fortschreibung einer alten Erkenntnis – ebenso, dass gerade die Handelskammer für derlei Institutionen immer wieder Ideengeber ist, bisweilen auch Unterstützer und Träger.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass in Deutschland heute nur ca. ein Prozent der Weltbevölkerung lebt, dass wir zugleich aber einer der wichtigsten Exporteure von Hightechgütern sind. Wenn wir die Spitzenstellung in einer wissensbasierten Ökonomie halten wollen, müssen wir in Zukunft verstärkt in Bildung und Forschung investieren. Natürlich ist das eine Aufgabe für Bund und Länder – aber eben auch für die Wirtschaft und auch für engagierte Bürger. Ich bin dankbar, dass sich die Hamburger Handelskammer auch dieser Aufgabe stellt, und wünsche ihr viele Nachahmer.

Zu den großen Projekten der Kammer zählt seit 2004 der Hamburg Summit, eine bedeutende europäisch-chinesische Konferenz. Auch dieses Engagement ist folgerichtig, wenn man bedenkt, dass China längst der größte Handelspartner des Hamburger Hafens ist. Solche Initiativen sind notwendig, damit eines Tages unser Wissen über China genauso schnell wächst wie der Handel mit China.

Dasselbe gilt für andere, sich schnell entwickelnde Weltregionen: Ich habe von den Büros gehört, die Sie errichtet haben in Mumbai, Dubai, Schanghai, aber auch in St. Petersburg und Kaliningrad – das sind heute die Kontore Hamburgs in der Welt. Konferenzen, Delegationsreisen und Austausche, das sind die Netze, mit denen die Handelskammer Kontakte knüpft und Wissen fängt – Wissen, das die Mitglieder der Kammer in Geschäfte verwandeln können. Denn Weltoffenheit, das heißt nicht zuletzt: Offenheit für das Wissen und für die Einsichten des anderen.

Die Handelskammer will "Ideenwerkstatt und Reformmotor" sein. So steht es in Ihrem Leitbild. Das ist Traditionspflege und Zukunftsstrategie in einem. Eine Zukunft, die von Erfolg und Stabilität geprägt ist, sie kommt nicht von alleine. Sie lebt von Voraussetzungen. Aber hier in Hamburg, hier bei der Handelskammer, sind Ihnen derartige Voraussetzungen bekannt. Sie bringen etwas mit, was es nicht überall gibt. Sie können schöpfen aus einer Vergangenheit, die ein Schatz ist. Wer auf einem stabilen Fundament von bewährten Grundüberzeugungen steht, wer sich einwebt in das Netzwerk der Zivilgesellschaft, wer sich beharrlich dem Gemeinwohl verpflichtet, wer den regelbasierten Freihandel als politischen Wesenskern fortentwickelt, und wer beständig Bildung und Entdeckergeist fördert, dem braucht um die Zukunft nicht bange zu sein.

Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Viel Erfolg für die nächsten 350 Jahre!