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Staatsbankett in der Vereinigten Republik Tansania

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Ansprache beim Staatsbankett, gegeben vom Präsidenten der Vereinigten Republik Tansania, Jakaya Mrisho Kikwete, anlässlich des Staatsbesuchs in Tansania Daressalam/Tansania, 3. Februar 2015 Staatsbesuch in der Vereinigten Republik Tansania – Ansprache beim Staatsbankett, gegeben vom Präsidenten der Vereinigten Republik Tansania, Jakaya Mrisho Kikwete © Jesco Denzel

Dankeschön!

Mit diesem Wort möchte ich beginnen nach dieser so herzlichen Begrüßung in Ihrem Land! Sie wird meiner Delegation und mir in Erinnerung bleiben. Auch wenn tausende Kilometer zwischen unseren Ländern liegen, wir finden schnell eine gemeinsame Ebene – wir sind uns nah. Im Namen von Daniela Schadt und meiner Begleitung möchte ich hinzufügen: Wir freuen uns sehr auf das Innere Ihres schönen, so vielseitigen Landes und auch auf Sansibar.

In den ersten Gesprächen mit Ihnen, mit Vertretern der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft habe ich viel Offenheit und Tatkraft gespürt und auch Stolz auf das Erreichte. Nach gut 50 Jahren Unabhängigkeit kann Ihr Land auf viele wirtschaftliche und politische Erfolge blicken. Tansania erzielt seit Jahren hohe Wachstumsraten und ist zum Inbegriff regionaler Stabilität geworden. Und Tansania setzt sich ehrgeizige Ziele. Ich habe den Eindruck: Es sind Ziele, die Ihr Land durchaus erreichen kann – auch wenn dafür hohe Anstrengungen nötig sein werden. Es gilt nun einmal mehr, große, auch langfristige Herausforderungen anzunehmen und nach Lösungen zu suchen, die Fortschritte für alle Bürgerinnen und Bürger ermöglichen. Wenn viele am Erfolg beteiligt sind, dann kann er von vielen in die Zukunft fortgeschrieben werden.

Auch wenn wir während meiner Reise vor allem über die Zukunft sprechen wollen, möchte ich die Vergangenheit unserer Länder gerade hier, an diesem besonderen Ort, nicht unerwähnt lassen. Das State House stammt bekanntlich aus der deutschen Kolonialzeit. Seien Sie versichert: Auch die dunklen Seiten jener Zeit sind mir sehr bewusst. Und ich bin umso dankbarer dafür, dass unsere Länder seit vielen Jahren in Freundschaft miteinander verbunden sind.

Tansania ist seit Langem einer der wichtigsten Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf dem afrikanischen Kontinent. Ich höre mit Freude, dass diese Partnerschaft von gegenseitigem Vertrauen getragen wird und dass sie sichtbare Ergebnisse hervorbringt. Die Versorgung mit Wasser, die Überwindung von Armut, der Ausbau der Gesundheitsangebote, vor allem für Mütter und Kinder, all das fordert große Investitionen und große Ausdauer.

Wenn wir an gemeinsame Projekte wie den Kampf gegen Wilderei im Serengeti-Nationalpark denken, dann fordert Fortschritt auch großen Mut. Und nicht zuletzt lebt die Modernisierung von der breiten Unterstützung der Bevölkerung. Ich möchte diese Reise deshalb auch nutzen, um das Engagement der zahlreichen Bürgerinnen und Bürger zu würdigen, die unsere bilateralen Beziehungen mit Leben erfüllen. Und ich möchte Ihnen allen herzliche Grüße ausrichten von Daressalams Städtepartnern in Hamburg, von den Regionalpartnern in Niedersachsen und von den vielen Schulen, Vereinen, Kirchen und Kirchengemeinden in Deutschland, die mit Tansania im engen Austausch stehen. Sie alle wollen das Miteinander mit Ihrem Land und seinen Menschen gern fortsetzen, ja, intensivieren.

Welche weitere Form der Zusammenarbeit mir besonders wichtig ist, das können Sie schon der Delegationsliste entnehmen: Vertreter der deutschen Wirtschaft begleiten mich. Sie sind von den tansanischen Wachstumsraten der vergangenen Jahre und von den Entwicklungsaussichten Tansanias sehr angetan. Und vom Potential der Ostafrikanischen Gemeinschaft! Wir werden in Arusha übermorgen ausführlich über die regionale Integration sprechen. Was mir dabei besonders am Herzen liegt, sage ich gern schon heute: Tansania ist Teil eines gemeinsamen Marktes von 145 Millionen Menschen. Dieser gemeinsame Markt verbessert nicht nur die Chancen auf Wachstum und Wohlstand. Gemeinschaftliches Handeln eröffnet auch in Ostafrika Chancen auf Frieden und Stabilität über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Und Frieden und Stabilität sind nach wie vor die wichtigsten Grundlagen für eine gute Zukunft, die sich so viele Männer, Frauen und Kinder auf dem afrikanischen Kontinent wünschen.

Sie, verehrter Herr Präsident, haben diesen Wünschen Wege geebnet. Ihr persönliches Engagement in den Vereinten Nationen, in der Afrikanischen Union, in der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika und in der Ostafrikanischen Gemeinschaft schätze ich sehr.

Neben meiner eigenen Anerkennung möchte ich Ihnen auch den Respekt meiner Landsleute übermitteln. Wir begegnen uns auf der internationalen Bühne ja nicht nur im Rahmen von Staatsbesuchen oder Entwicklungsprojekten. Tansanische Truppen engagieren sich in den Peacekeeping-Missionen der Vereinten Nationen im Ostkongo und in Darfur. Und gemeinsam bekämpfen wir vor den Küsten Somalias die Piraterie. Solche Beispiele zeigen: Tansania und Deutschland sind nicht nur verlässliche Partner in Ostafrika. Sie sind auch Partner für eine sichere und stabile Welt.

Ich möchte Sie nun bitten, mit mir das Glas zu erheben: auf die Gesundheit von Präsident Kikwete und seiner Frau, auf das Wohl des Volkes von Tansania und auf die gewachsene Freundschaft unserer Länder!