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Mittagessen anlässlich des Besuchs des Präsidenten von Rumänien

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede im Schinkelsaal in Schloss Bellevue anlässlich der Begrüßung des Präsidenten von Rumänien Schloss Bellevue, 26. Februar 2015 Begrüßung des Präsidenten von Rumänien mit anschließendem Mittagessen – Rede im Schinkelsaal in Schloss Bellevue © Steffen Kugler

Es sind nur wenige Wochen vergangen, seitdem Sie Ihr Amt angetreten haben. Nun führt Sie eine Ihrer ersten Reisen nach Deutschland. Zwar haben wir unser Treffen – aus unvorhersehbaren Gründen – zunächst verschieben müssen. Doch es ist uns schnell gelungen, einen neuen Termin zu finden. Umso mehr also freue ich mich über Ihren heutigen Besuch und heiße Sie herzlich im Schloss Bellevue und in unserer Hauptstadt willkommen!

Die Bande zwischen unseren Ländern sind stark, und sie gehen tief. Es gibt eine kulturelle Verbundenheit, die historisch gewachsen ist und bis ins Mittelalter zurückreicht. Unsere heutige Kooperation gründet auf gemeinsamen Werten und findet ihren Ausdruck in der gemeinsamen Mitgliedschaft in wichtigen Bündnissen und Zusammenschlüssen von Staaten. Unsere Länder arbeiten auf vielen Gebieten der Politik eng zusammen. Ich will heute den Jugendaustausch und die Förderung der deutschen Sprache erwähnen, auch den Sport und die Wissenschaft.

Deutschland ist heute auch der wichtigste rumänische Handelspartner. Deutsche Unternehmen investieren in Rumänien und nutzen Fleiß und Einsatzbereitschaft der rumänischen Arbeitnehmer. Sie engagieren sich stark in der Dualen Berufsausbildung und tragen so zu besseren Zukunftschancen für junge Menschen bei. Die berufliche Bildung ist Gegenstand vieler rumänisch-deutscher Konsultationen, und ich freue mich, dass das Duale System in Rumänien so großes Interesse findet.

Auch begrüße ich es, dass nun die partnerschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Kommunen intensiviert werden sollen. Das fördert Begegnungen zwischen den Menschen, ohne die die Beziehungen zwischen Staaten blutleer wären. Und in diesem menschlichen Sinne ist die deutsche Minderheit in Ihrem Land ein wichtiger Grund für die rumänisch-deutsche Verbundenheit. Sie bereichert nicht nur unsere bilateralen Beziehungen, sondern ebenso das gesellschaftliche und kulturelle Leben in unseren beiden Ländern. Sie, Herr Präsident, haben zuerst als Bürgermeister und nun im höchsten Staatsamt Verantwortung für Ihr Land übernommen und verkörpern so den Gestaltungswillen der deutschen Minderheit Rumäniens.

In Mittel- und Osteuropa haben wir im vergangenen Herbst bewegender Ereignisse gedacht, der Friedlichen Revolutionen des Jahres 1989, als Unterdrückung und Diktatur in unseren Ländern ein Ende fanden. Sie, Herr Präsident, haben sich – 25 Jahre nach dem Sturz des Diktators Ceauşescu – dafür ausgesprochen, ein Museum der Verbrechen des Kommunismus zu gründen. Wir brauchen solche Erinnerungen an den Freiheitskampf und den Mut der Menschen, die diese Veränderungen erstritten – als Erinnerung wie auch als Vorbild für die jungen Generationen.

Nun hat Ihre Präsidentschaft begonnen. Und ich weiß: Sie sehen sich hohen Erwartungen gegenüber. Mit diesen Erwartungen haben Sie sich auf beeindruckende Weise in Ihrer couragierten Antrittsrede auseinandergesetzt: Darin sagten Sie, große Erwartungen bedeuteten "mehr Verantwortung, mehr Einsatz, mehr Verlässlichkeit und mehr Arbeit – von allen". Und Sie haben sich bekannt zum Ziel eines "Rumäniens der gut verrichteten Dinge".

Sie haben angekündigt, den Rechtsstaat wie den Gemeinsinn stärken und der Korruption entgegenwirken zu wollen. Sie haben betont, dass Reformen in der Gegenwart auch in der Verantwortung für kommende Generationen notwendig sind. Ihre Positionen haben Sie also klar benannt. Und mit Ihrer Wahl hat ein großer Teil der Bürgerinnen und Bürger Rumäniens Sie in diesen Vorhaben unterstützt.

Ich bin überzeugt, dass Ihr Land eine große Chance hat, wenn es handelt: Denn Reformen zur richtigen Zeit sind eine entscheidende Voraussetzung für Wohlstand. Und ausländische Investoren brauchen Rechtssicherheit und günstige Rahmenbedingungen. Auf dieser Grundlage können weitere wichtige Impulse für die rumänische Wirtschaft entstehen. Davon profitieren nicht nur die Unternehmen, sondern die ganze Gesellschaft.

Was Rumänien in den vergangenen 25 Jahren erreicht hat, verdient Anerkennung: Ihr Land ist Mitglied der Europäischen Union – und als Partner stehen wir gemeinsam vor der Aufgabe, die Herausforderungen, die existieren, zu erkennen und darauf entschlossen zu reagieren. Wir wissen, dass es gilt, die Stärken unserer Gemeinschaft durch kluge Reformen zu erhalten.

Auch den Weg in die Nordatlantische Allianz hat Ihr Land gemeistert. Natürlich verbindet Rumänien und Deutschland heute die Sorge um die veränderte Sicherheitslage in Europa. Deshalb begrüße ich die Ankündigung Rumäniens, sich noch stärker im Rahmen der NATO zu engagieren.

Die großen außenpolitischen Herausforderungen kann nur ein einiges Europa lösen, das muss uns bewusst bleiben. Lassen Sie uns in diesem Geist einen intensiven Dialog miteinander führen und ebenso intensiv zusammenarbeiten!

Zum Abschluss möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass Sie, Herr Präsident, Ihre Landsleute ermutigen, sich als verantwortungsbewusste Bürger bei der Ausgestaltung und Weiterentwicklung von Demokratie und Rechtsstaat einzubringen.

Ich bitte Sie nun, Ihr Glas mit mir auf die Freundschaft zwischen Rumänien und Deutschland zu erheben!