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Staatsbankett in der Republik Malta

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Staatsbankett, gegeben von der Präsidentin der Republik Malta, Marie-Louise Coleiro-Preca, im Großmeisterpalast in Valletta anlässlich des Staatsbesuchs in der Republik Malta Valletta/Malta, 29. April 2015 Staatsbesuch in der Republik Malta – Rede beim Staatsbankett, gegeben von der Präsidentin der Republik Malta, Marie-Louise Coleiro-Preca, im Großmeisterpalast in Valletta © Jesco Denzel

Lassen Sie mich mit einem Blick zurück beginnen: Am 16. Februar 1965 überreichte der erste deutsche Botschafter hier in der Hauptstadt der jungen Repubblika ta’ Malta sein Beglaubigungsschreiben. Ich freue mich, dass ich gerade jetzt, fünf Jahrzehnte später, Malta besuchen und an diesen Tag erinnern kann.

Fünfzig Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Malta und Deutschland – das ist eine Erfolgsgeschichte. Denn unsere Beziehungen sind seit jeher vertrauensvoll. Sie profitieren von dem engen politischen Austausch, vor allem innerhalb der Europäischen Union, und der stetig intensiver werdenden wirtschaftlichen Verflechtung.

Die Verbundenheit zwischen unseren Völkern reicht aber weiter zurück als ein halbes Jahrhundert. In seiner bewegten Geschichte war Malta verschiedensten Einflüssen ausgesetzt: den Griechen und Phöniziern, den Römern und Byzantinern, den Arabern und Normannen, den Ordensrittern und Briten – um nur einige zu nennen. So kann sich Malta eines einzigartigen kulturellen Erbes rühmen. Und Elemente dieses Erbes sind es, die unsere beiden Länder verbinden, besonders die römische Prägung und der in Deutschland weithin bekannte und geschätzte Malteserorden.

Doch ich will auch nicht vergessen: Noch vor einem Menschenleben herrschte Krieg in Europa – ein von Deutschen begonnener Krieg. Auch die maltesische Bevölkerung musste unter der Blockade und der Bombardierung durch Deutschland und seine Verbündeten leiden. Umso dankbarer bin ich für die heutige Freundschaft zwischen Malta und Deutschland.

Denn sieben Jahrzehnte nach Kriegsende sind Malta und Deutschland in Europa eng miteinander verbunden. Unsere Staaten teilen in den wesentlichen Fragen der Europapolitik gemeinsame Überzeugungen – vor allem, wenn es um die großen Aufgaben geht: Wie können wir dazu beitragen, die Eurozone zu stabilisieren? Wie sorgen wir dauerhaft für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa? Und in diesen Tagen beschäftigt uns vor allem diese Frage: Wie werden wir unserer gemeinsamen europäischen Verantwortung gegenüber jenen Menschen besser gerecht, die Zuflucht vor Verfolgung und Leid suchen und über das Mittelmeer nach Europa kommen?

Eines ist sicher: Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist für Malta wie für Deutschland ein Gewinn, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Deutschland gilt heute als wichtiger Handelspartner für Malta. Ihr Land genießt bei deutschen Unternehmen einen guten Ruf als Ort für Investitionen. Für einige Firmen ist es ein bewährter Produktionsstandort. Ein schönes Symbol der maltesisch-deutschen Beziehungen findet sich in vielen Kinderzimmern Europas – in Gestalt berühmt gewordener Plastikfiguren. Der deutsche Spielwarenhersteller Playmobil produziert seit vierzig Jahren auf Malta und ist ein wichtiger Arbeitgeber im Land.

Für deutsche Arbeitgeber ist berufliche Bildung ein wesentliches Element ihrer Zukunftssicherung. Ich weiß um das Interesse Maltas an der dualen Ausbildung – die einige dieser Unternehmen hier bei Ihnen bereits praktizieren – und ich freue mich darüber. Denn eine gute Ausbildung – zumal eine, die früh und konkret Einblicke in die Praxis gibt –, bereitet junge Menschen auf ihre berufliche Zukunft vor und schafft so Lebenschancen. Zugleich sichern sich die Unternehmen talentierten Nachwuchs. Deutschland bietet auf diesem Feld sehr gerne seine Erfahrungen an. Solcherlei Austausch kann unsere Länder noch enger zusammenführen. Und in diesem Zusammenhang begrüße ich ausdrücklich den künftigen maltesischen Beitrag zur Förderung des deutschen Sprachunterrichts.

Malta ist mit seiner landschaftlichen Schönheit, seinen Sandstränden und Felsküsten sowie seinem kulturellen Reichtum für viele Deutsche ein geschätztes und attraktives Reiseland. Über die Spuren der langen maltesischen Geschichte habe ich bereits gesprochen. Besonders kommt sie in der wunderbaren Architektur dieser Stadt zum Ausdruck. Die von den Großmeistern des Johanniterordens errichteten Paläste, wie dieser, mit seinen wertvollen Kunstwerken, sind untrennbar verbunden mit Gerolamo Cassar und all den anderen großen Architekten Maltas. Ich freue mich, während meines Besuches einige dieser Schätze sehen zu können.

Zu den Besonderheiten Maltas zählen die typischen Fischerboote in den Häfen – die Luzzus. Ihre aufgemalten Augen am Bug scheinen nach vorne zu blicken, auf den Horizont. An diesem Tag möchte auch ich mit Ihnen den Blick nach vorne richten und erhebe mein Glas auf die Zukunft der maltesisch-deutschen Partnerschaft!