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Mittagessen mit dem Premierminister der Republik Malta

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Mittagessen, gegeben vom Premierminister der Republik Malta, Joseph Muscat, und Frau Muscat in Valletta anlässlich des Staatsbesuchs in der Republik Malta Valletta/Malta, 30. April 2015 Staatsbesuch in der Republik Malta – Rede beim Mittagessen, gegeben vom Premierminister der Republik Malta, Joseph Muscat, und Frau Muscat in Valletta © Jesco Denzel

Bereits gestern war ich von der wunderbaren Architektur Vallettas ganz begeistert. Heute nun darf ich, indem ich Ihren Amtssitz besuche, eine der schönsten Fassaden der Stadt sehen und mich hier zugleich für Ihre Gastfreundschaft bedanken. Ich weiß Ihre Herzlichkeit und die freundliche Aufnahme in Ihrem Land sehr zu schätzen.

Ihr Amtssitz, diese frühere Herberge der Johanniterritter, fasziniert mich schon allein deshalb, weil sie einst symbolisch für eine der acht verschiedenen "Zungen" des Ordens stand. Die Auberge ist damit ein schönes Zeichen für die verschiedenen kulturellen Einflüsse, die Malta im Laufe seiner Geschichte aufgenommen hat und die in wunderbarer Weise auch in Ihrer Landessprache zum Ausdruck kommen.

Die Lage im Mittelmeer, zwischen Europa und Afrika, hat Malta zutiefst geprägt. Das phönizische Wort für den maltesischen Archipel – "Malet" – bedeutete vermutlich "Zufluchtsort". Und das ist Malta auch heute wieder – ein Zufluchtsort für zahlreiche Menschen, die auf der Flucht vor Not und Verfolgung über das Mittelmeer auf die maltesischen Inseln gelangen. Deshalb sind Fragen der Migrations- und Asylpolitik von höchster Bedeutung für Malta. In Deutschland wissen wir das Engagement und die Leistungen Maltas bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu schätzen. Seien Sie versichert: Deutschland ist sich bewusst, dass Malta dabei vor großen Herausforderungen steht. Wir brauchen deshalb eine Debatte, wie wir Lasten gerecht verteilen. Und doch ist es auch die Verantwortung eines jeden Einzelnen und eines jeden Staates, seinen Beitrag zu leisten, damit wir sicherstellen können, dass wir Flüchtlinge menschenwürdig empfangen.

Denn darum geht es hier: um den Kern unserer Werte. Es ist noch gar nicht lange her – denken wir an 1945 –, da war Europa selbst ein Kontinent der Gestrandeten und der Vertriebenen – das sollten wir nicht vergessen. Heute suchen Flüchtlinge Zuflucht in einem Europa, das sich verpflichtet hat, die Menschenrechte zu achten. Diesen Menschen solidarisch zu begegnen, das ist eine gesamteuropäische Verantwortung. Nicht nur die Grenzen Europas, sondern an diesen Grenzen auch Menschenleben zu schützen – das muss das Ziel einer wahrhaft europäischen Flüchtlingspolitik sein.

Natürlich können wir Europäer dieses Ziel nur gemeinsam erreichen. Diese Debatte wird innerhalb der Europäischen Union – zum Glück – intensiv geführt, und Malta und Deutschland können wichtige Beiträge dazu leisten.

Zu dieser Debatte gehört auch, dass wir uns mit den Ursachen der Flüchtlingsströme beschäftigen. Eine dieser Wurzeln ist der Krisenbogen vom Maghreb bis in den Mittleren Osten, der unsere Außenpolitik vor neue Herausforderungen stellt.

Bei der Diskussion um die Zukunft der Europäischen Nachbarschaftspolitik kommt Deutschland – gerade auch durch seine geographische Lage in der Mitte Europas – eine bedeutende Scharnierfunktion zwischen den südlichen und östlichen EU-Mitgliedsstaaten und ihren Partnerländern zu.

Eine wichtige Rolle als Instrument aktiver Nachbarschaftspolitik spielt die Mediterranean Academy of Diplomatic Studies (MEDAC) der Universität Malta, die seit vielen Jahren arabische Diplomaten ausbildet. In Anerkennung der besonderen Rolle von MEDAC finanziert das Auswärtige Amt einen deutschen Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung – ein besonders schönes Beispiel dafür, wie Malta und Deutschland gemeinsam in der Region zum Guten wirken können.

Ich habe von den vielfältigen kulturellen Prägungen und Erfahrungen Maltas gesprochen. Gerade im Zeitalter der Globalisierung ist Vielfalt von Vorteil. Wer im eigenen Land ethnische und kulturelle Vielgestaltigkeit erlebt, der wird sich leichter tun, mit Menschen aus fernen Weltgegenden umzugehen und mit ihnen auch Geschäfte zu machen. Auch deshalb bin ich mir sicher, dass sich aus Lage und Traditionen für Malta noch große Chancen ergeben werden. Und ich wünsche mir, dass unsere Länder ihre vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen werden.