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Gedenken in der Kriegsgräberstätte in Lebus

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Ansprache zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in der Kriegsgräberstätte in Lebus Lebus, 8. Mai 2015 Gedenken in der Kriegsgräberstätte in Lebus – Ansprache zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges © Jesco Denzel

Ein schöner, friedlicher Frühlingstag, und die Stimmen der spielenden Kinder haben uns hierher begleitet. Aber wir sind hier, um an eine andere Zeit zu erinnern.

Heute vor siebzig Jahren endete der Zweite Weltkrieg, der von Deutschland ausgegangen war und unermessliches Leid über viele Millionen Menschen in allen Teilen der Welt gebracht hat. Dieser Krieg endete nicht, weil Deutschland sich aus eigener Kraft von der Nazi-Diktatur befreit hätte. Er endete, weil Deutschland von den alliierten Truppen militärisch besiegt wurde. Am Ende des Krieges waren Millionen von Opfern zu beklagen, Soldaten vieler Nationalitäten, aber auch Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Besonders viele fanden noch in den letzten Tagen des Krieges den Tod.

Auf diesem Friedhof hier ruhen 5.000 Soldaten der Roten Armee. Gefallen in der letzten großen Offensive, die das Ende von Hitlers Schreckensherrschaft besiegelte.

Ich verneige mich vor ihrem Leid und dem Leid aller Menschen, die gegen Hitler-Deutschland gekämpft haben. Ich bin dankbar für die Leistung derer, die das mit ihrem Leben bezahlt haben.

Ich verneige mich vor dem Leid derer, die im Zweiten Weltkrieg Opfer deutscher Aggression geworden sind.

Ich verneige mich auch vor dem Leid derer, denen die Befreiung vom Nationalsozialismus keine Freiheit brachte, sondern Rechtlosigkeit, Gewalt und Unterdrückung.

Und wir gedenken aller, die in jener Zeit als Opfer von Gewalt und Krieg ums Leben kamen.

Wir trauern mit allen, die seither um Tote und Vermisste trauern müssen.

Ihr Schicksal mahnt uns, mit all unserer Kraft für Verständigung, Frieden und Versöhnung einzutreten. Es mahnt uns, unserer gemeinsamen Verantwortung für die Würde und das Leben der Menschen gerecht zu werden, in Europa und in der ganzen Welt.