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Verleihung des Philipp Franz von Siebold-Preises

Bundespräsident Joachim Gauck überreicht den Philipp Franz von Siebold-Preis 2015 an Kazuhiro Takii, japanischer Professor für Neuere Rechtsgeschichte, in der Galerie in Schloss Bellevue Schloss Bellevue, 11. Juni 2015 Verleihung des Philipp Franz von Siebold-Preises – Übergabe der Urkunde an Kazuhiro Takii, japanischer Professor für Neuere Rechtsgeschichte, in der Galerie © Steffen Kugler

Ich freue mich, Sie hier im Schloss Bellevue begrüßen zu können. Wir haben uns hier im kleinen Kreis versammelt, wie es gute Tradition ist bei der Verleihung des Philipp Franz von Siebold-Preises. Und es ist schön, verehrter Herr Takii, dass ich Sie und Ihre Familie heute kennenlernen kann. Herzlich willkommen in Berlin!

Der Siebold-Preis ist ein Symbol der Freundschaft zwischen Deutschland und Japan, das weit über dieses Schloss hinausstrahlt. Die Preisträger sind Botschafter, die zur Verständigung beitragen. Das ist gut, und es ist auch in Zukunft wichtig. Denn noch immer ist in Deutschland viel zu wenig bekannt, wie tief die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern in der Geschichte verwurzelt sind. Es waren Persönlichkeiten wie Philipp Franz von Siebold, die im 19. Jahrhundert den Boden bereiteten für die deutsch-japanische Freundschaft, die sich in den vergangenen Jahrzehnten so gut entwickeln konnte.

Sie, verehrter Herr Takii, tragen mit Ihrer Arbeit dazu bei, die historischen Wurzeln der Verbindung zwischen Deutschland und Japan freizulegen. Als Rechtshistoriker haben Sie sich der Frage gewidmet, welchen Einfluss die deutsche Staatsrechtslehre auf die Meiji-Verfassung hatte, die erste moderne japanische Verfassung. Ihr Augenmerk galt dabei vor allem Lorenz von Stein, dem sogenannten "Gelehrtenpolitiker", dessen Werk nicht nur in Preußen und der Habsburger Monarchie, sondern auch im neu konstituierten japanischen Kaiserreich breit rezipiert wurde. Damals entwickelten sich enge intellektuelle und persönliche Beziehungen zwischen Deutschen und Japanern, und es ist Ihr Verdienst, lieber Herr Takii, zur Rekonstruktion dieses Kapitels unserer gemeinsamen Geschichte beigetragen zu haben.

Es ist aber nicht nur Ihre exzellente Forschung, für die Sie heute ausgezeichnet werden. Wir wollen auch würdigen, was Sie sonst noch alles leisten für die Verständigung zwischen unseren Kulturen. Sie haben das deutsch-japanische Jubiläumsjahr 2011 mitgestaltet, in dem wir 150 Jahre diplomatische Beziehungen gefeiert haben. Und in wenigen Wochen wird in Sakura, im "National Museum of Japanese History", eine von Ihnen mitkonzipierte Ausstellung über Deutschland und Japan eröffnet. Auch mit diesem Engagement tragen Sie dazu bei, dass Verständnis und Vertrauen wachsen können. Dafür danke ich Ihnen von Herzen!

Es ist nicht nur die Geschichte, die unsere Länder heute verbindet. Es ist auch das dichte Netz von persönlichen Beziehungen in Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Und es sind die Werte, für die Deutsche und Japaner heute gemeinsam stehen. Dazu zählen universelle Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschenrechte. Dazu zählen aber auch die liberalen Elemente im Denken von Lorenz von Stein: Wir leben heute in offenen Gesellschaften, in denen jeder Einzelne die Chance haben soll, seine Kräfte frei zu entfalten und sein Leben selbst zu gestalten. Wir leben in politischen Ordnungen, in denen jeder durch eigene Anstrengung zu Reform und Innovation in seinem Land beitragen kann.

Als führende Industrie- und Handelsnationen, die arm an natürlichen Ressourcen sind, stehen Deutschland und Japan dabei vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Ob es um gute Bildung und Ausbildung geht oder um die Energiequellen der Zukunft: Es ist gut, dass wir über Fach- und Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten und uns austauschen. Wir brauchen Menschen, die den Dialog zwischen unseren Ländern fördern und Debatten anstoßen, in der Wissenschaft und darüber hinaus.

Menschen wie Sie, lieber Herr Takii. Sie haben sich in besonderer Weise verdient gemacht um die deutsch-japanische Freundschaft. Aus diesem Grund verleihe ich Ihnen nun den Philipp Franz von Siebold-Preis 2015.