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Staatsbankett in der Mongolei

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Staatsbankett gegeben von dem Präsidenten der Mongolei, Tsachiagiin Elbegdordsch, im Khan Uul Palast anlässlich des Staatsbesuchs in der Mongolei Ulan Batorl/Mongolei, 15. Oktober 2015 Staatsbesuch in der Mongolei – Rede beim Staatsbankett im Khan Uul Palast © Jesco Denzel

Wahrscheinlich kann kaum ein Mitteleuropäer über die Mongolei sprechen, ohne die Weite zu erwähnen, in der sich jedes ungeübte Auge verliert. "Wer nach Zentralasien kommt, muss die gewohnten Maßstäbe ablegen. Er sollte das Land betreten wie am ersten Schöpfungstag", schrieb schon vor über einem halben Jahrhundert Fritz Mühlenweg, ein deutscher Asienreisender. Das gilt ganz gewiss auch für das Gebiet der heutigen Mongolei.

Viermal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland ist die Mongolei. Und doch wohnen in diesem riesigen Land nur drei Millionen Menschen, die Hälfte davon in der Hauptstadt. Für viele Deutsche ist die dünne Besiedlung ungemein faszinierend. Sie ist das Gegenbild zur dicht bevölkerten Heimat. Wenn wir Deutschen dann noch hören, dass von den drei Millionen Mongolen 30.000 sogar Deutsch sprechen und sich Deutschkurse großer Beliebtheit erfreuen, dann sind wir vollends eingenommen für dieses Land. Denn wir wissen: Wer des anderen Sprache spricht, interessiert sich für des anderen Land. Anders ausgedrückt: Der Fremdsprachenerwerb ist ein guter Indikator für die Qualität der Beziehungen zwischen zwei Ländern.

Ihren Ursprung nahmen die mongolisch-deutschen Beziehungen, als die DDR und die Mongolische Volksrepublik noch in sogenannter sozialistischer Bruderschaft verbunden waren. Doch schon 1974 nahm die Mongolei auch mit der Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen auf. So hat unsere heutige Freundschaft ein gutes, ein solides Fundament.

Deutschland zeigt seit Jahren großes Interesse an der mongolischen Kultur. Die erfolgreiche Arbeit an gemeinsamen archäologischen Projekten, etwa den Ausgrabungen in der alten Hauptstadt Dschingis Khans, werden fortgesetzt. Ich freue mich besonders darauf, Karakorum morgen besichtigen zu können.

Schon seit 2008 ist das Goethe-Institut in Ulan Bator vertreten. Und seit 2010 bietet ein gemeinsam finanziertes Regierungsstipendienprogramm mongolischen Studenten die Möglichkeit, an deutschen Hochschulen zu studieren. Schließlich wurde 2013 ein deutsch-mongolisches Institut für Rohstoffe und Technologie in Nalaikh gegründet. Ich konnte dort heute Nachmittag besichtigen, wie viele junge, motivierte Mongolen mit deutscher Unterstützung ausgebildet werden. Dieses Institut könnte einmal so etwas werden wie das Herzstück der Rohstoffpartnerschaft, die unsere Regierungen 2011 geschlossen haben. An der Wirtschaftsdelegation, die mich heute begleitet, erkennen Sie unser fortdauerndes Interesse.

Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

die kommunistischen Regime haben in den Gesellschaften, die sie beherrschten, dauerhaft Spuren hinterlassen – eine Erfahrung, die auch unsere Länder miteinander teilen. Anders als ihre großen Nachbarn haben sich die Mongolen nach einer friedlichen Revolution vor 25 Jahren – wie die Ostdeutschen – für Demokratie und Marktwirtschaft entschieden. Unlängst haben Sie, verehrter Herr Präsident, die besondere geographische und politische Lage Ihres Landes beschrieben als die eines "Ponys zwischen zwei Elefanten".

Herr Präsident,

Sie haben sich mit großem Nachdruck für die Stärkung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und zugleich für die Bekämpfung der Korruption eingesetzt. Und Sie tun dies bis heute, zuletzt bei Ihrer Rede vor den Vereinten Nationen in New York. Dieses Bemühen verdient Hochachtung und Respekt, umso mehr, weil wir wissen, dass ein Nachlassen in diesem Engagement alles bisher Erreichte infrage stellen würde. Deutschland will die Mongolei auf diesem Weg unterstützen, auch wenn das Umfeld schwierig ist. Indem wir tun, was wir in Partnerschaft leisten können, wollen wir gern dazu beitragen, dass sich die mongolische Gesellschaft auch künftig gut entwickelt.

Aus einem sehr persönlichen Grund bin ich besonders gerne hier: Herr Präsident Elbegdordsch war der erste Staatsgast, den ich in Berlin begrüßen durfte, als ich im März 2012 neu ins Präsidentenamt gekommen war.

Umso lieber bitte ich Sie nun, mit mir das Glas zu erheben und einen Toast auszubringen auf die Gesundheit von Staatspräsident Elbegdordsch und seiner Frau, auf das Wohl des mongolischen Volkes und auf die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern.