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Staatsbankett zu Ehren des mexikanischen Präsidenten

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Staatsbankett anlässlich des Staatsbesuchs des Präsidenten der Vereinigten Mexikanischen Staaten im Großen Saal von Schloss Bellevue Schloss Bellevue, 11. April 2016 Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten Mexikanischen Staaten – Rede beim Staatsbankett im Großen Saal © Carsten Koall

"Alles ist Wechselwirkung." Es war auf der Reise durch Mexiko, im August 1803, als Alexander von Humboldt diese Worte in sein Tagebuch schrieb. Der Blick des Forschungsreisenden und engagierten Humanisten auf Mexiko hat die lange und intensive Freundschaft zwischen unseren Ländern entscheidend geprägt. Und in unserer globalisierten Welt ist die humboldtsche Erkenntnis aktueller denn je: dass wir die Welt nur begreifen und gestalten können, wenn wir in Zusammenhängen denken und auch entsprechend handeln. Dafür brauchen wir Beziehungen, die Kontinente überspannen, solche wie die Freundschaft zwischen Mexiko und Deutschland.

Heute Vormittag haben wir uns unter anderem über Migrationsfragen ausgetauscht, neben vielen anderen Themen. Am Nachmittag haben wir dann einen Rundgang durch die großartige Maya-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau unternommen. Und jetzt heiße ich Sie alle, meine Damen und Herren, hier im Schloss Bellevue herzlich willkommen!

Herr Präsident, Ihr Land ist einer unserer wichtigsten Partner in Lateinamerika. Bilateral und multilateral arbeiten wir vertrauensvoll zusammen. Gemeinsam sind wir bemüht, Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen zu finden. Dazu zählt die Bewältigung des Klimawandels. Mit seiner progressiven Klimapolitik spielt Mexiko eine Vorreiterrolle in der Region und unter den Schwellenländern. Kernstück einer jeden Klimapolitik ist die Energiepolitik. Ich begrüße deshalb Pläne, die mexikanisch-deutsche Zusammenarbeit auf den Feldern erneuerbarer Energien und Energieeffizienz sowie beim Schutz natürlicher Ressourcen zu intensivieren.

Gemeinsam sind wir außerdem bestrebt, die wirtschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen. Wir können dabei an eine jahrzehntelange erfolgreiche Zusammenarbeit anknüpfen. Mexiko exportiert in kein europäisches Land so viel wie nach Deutschland. Und für eine wachsende Zahl deutscher Firmen ist Ihr Land, Herr Präsident, seit Jahren einer der attraktivsten Produktions- und Investitionsstandorte in Lateinamerika.

All dies ist erfreuliche Bestätigung für die Anstrengungen Mexikos, Wachstum und Wohlfahrt durch verstärkte internationale Ausrichtung zu fördern. Auch die OECD hat die Reformfreudigkeit Mexikos als beispielhaft gelobt. Strukturelle Veränderungen für die Wirtschaft beginnen erfolgreich zu greifen.

Aber Sie haben sich noch deutlich mehr vorgenommen. Mexiko und die Menschen in Ihrem Land leiden zum Beispiel unter skrupellosen Verbrecherbanden. Und vom Staat erwarten nun die Bürger neben der Prävention von Verbrechen auch, dass Straftaten zügig und unter Achtung rechtsstaatlicher Prinzipien aufgeklärt und geahndet werden. Mir ist bewusst, dass Mexiko damit vor einer schwierigen Aufgabe steht. Deutschland bietet auch dabei Hilfe an. Einem ersten Projekt zur Unterstützung der mexikanischen Staatsanwaltschaft könnten weitere Projekte mit deutscher Beteiligung folgen, wenn Mexiko dies wünscht. Denn Freundschaft basiert doch auch auf gemeinsamen Werten. Und zum Kernbestand unserer gemeinsamen Werte gehört der Schutz von Leben, von Freiheit, von Sicherheit.

Prägend für unsere Freundschaft sind auch Kultur und Wissenschaften. Und damit meine ich nicht nur die Prägung durch Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt oder Kulturveranstaltungen wie die Maya-Ausstellung. Verbundenheit drückt sich gerade auch im Alltäglichen aus, etwa an Schulen in Mexiko, die das deutsche Sprachdiplom anbieten. Überhaupt wächst ja das Interesse der Mexikaner, Deutsch zu lernen. Zugleich zieht es zahlreiche deutsche Touristen nach Mexiko, und mexikanische Musik, Tacos und Tequila gehören mittlerweile auch zum deutschen Großstadtleben. Nicht zu vergessen: Millionen von Mexikanern und Deutschen teilen die Liebe zum Fußball.

Noch mehr geteilte Begeisterung, noch mehr Interesse füreinander und noch mehr Neugierde aufeinander, das ist es, was ich mir für die Beziehungen zwischen unseren Ländern wünsche. Vielfältige Möglichkeiten dafür bieten sich während des Mexikojahres, das wir heute, Herr Präsident, eröffnet haben, sowie während des Deutschlandjahres, welches von Juni an in Mexiko stattfinden wird. Und wer sich von den Projekten und Präsentationen faszinieren, anregen oder überraschen lässt, der wird wiederum die Freundschaft zwischen unseren Ländern bereichern.

In diesem Sinne, meine Damen und Herren, möchte ich das Glas erheben und einen Toast ausbringen: Auf das Wohl von Präsident Enrique Peña Nieto und das seiner Frau, auf eine friedliche und glückliche Zukunft des mexikanischen Volkes und auf die Freundschaft zwischen Mexiko und Deutschland.