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Staatsbankett in Rumänien

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede beim Abendessen gegeben vom Präsidenten von Rumänien im Bankettsaal des Präsidentenpalasts Cotroceni anlässlich der Reise nach Rumänien Bukarest/Rumänien, 20. Juni 2016 Reise nach Rumänien – Rede beim Abendessen gegeben vom Präsidenten von Rumänien im Bankettsaal des Präsidentenpalasts Cotroceni © Guido Bergmann

Nun ist es schon über ein Jahr her, verehrter Präsident, dass eine Ihrer ersten Auslandsreisen Sie zu uns nach Deutschland, nach Berlin geführt hat. Ein Jahr ist für gewöhnlich nicht viel in den Beziehungen von Staaten. Aber das vergangene Jahr war, für uns alle in Europa, nun doch besonders ereignisreich.

Ich brauche das eigentlich hier nicht im Einzelnen auszuführen, aber sowohl die intensiven Verhandlungen mit Griechenland wie auch der Flüchtlingsstrom aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus Nordafrika, um nur zwei Beispiele zu nennen, stellen für die Europäische Union eine Belastungsprobe dar – und wir wissen: Die Herausforderungen werden künftig nicht kleiner.

Ich freue mich deswegen, dass die rumänisch-deutschen Beziehungen in diesen ereignisreichen Zeiten so lebendig und tragfähig, so verlässlich und dynamisch sind. Und zwar die bilateralen Beziehungen genauso wie unsere Zusammenarbeit in den internationalen Organisationen, denen unsere beiden Länder angehören. Rumänien spielt in der Europäischen Union und in der NATO als guter Partner eine konstruktive Rolle.

Die kulturellen Beziehungen zwischen unseren Ländern können auf traditionell guten Grundlagen aufbauen und weiter entwickelt werden. Das Rumänisch-Deutsche Forum, das Anfang dieses Jahres gegründet wurde und das von bedeutenden Persönlichkeiten unserer beiden Länder getragen wird, kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Ich glaube, dass hier – gerade durch die Einbeziehung staatlicher wie nichtstaatlicher Akteure – etwas sehr Wichtiges entsteht, und bin auf die konkreten Ergebnisse der kommenden Foren gespannt.

Auch die deutsche Minderheit in Rumänien hat, so klein sie zahlenmäßig jetzt auch sein mag, eine große Bedeutung und bildet eine menschliche Brücke zwischen unseren Nationen – genau wie die vielen rumänischen Staatsbürger, die in den deutschen Arbeitsmarkt und in die Universitäten integriert sind. Zwei deutsche Nobelpreisträger kommen sogar von ein und derselben Schule in Temeswar: Herta Müller und Stefan Hell. Er begleitet mich. Danke, dass Sie dabei sind. Auch erfolgreiche Künstler wie Peter Maffay haben ihre Wurzeln in Rumänien. Schön, dass Sie dabei sind.

Eine der tragenden Säulen unserer Beziehungen ist die Wirtschaft. Deutschland ist für Rumänien der wichtigste Handelspartner. Es gibt viele deutsche Direktinvestitionen in Ihrem Land – das ist auch kein Wunder, wenn mehr als 8.000 Unternehmen, an denen sich deutsche Investoren beteiligt haben, in Rumänien aktiv sind. Die über 500 Mitglieder der deutsch-rumänischen Industrie- und Handelskammer bieten für mehr als 300.000 Menschen in Rumänien einen Arbeitsplatz. Schon aus Eigeninteresse fördern deswegen deutsche Unternehmen nach Kräften den Aufbau der Dualen Ausbildung.

Wirtschaft ist gewiss nicht alles, aber ohne blühende Wirtschaft, ohne Wertschöpfung, Wachstum und Produktion gibt es auch nichts zu verdienen und zu verteilen. Es ist, ob uns das gefällt oder nicht, auch das Versprechen des wachsenden Wohlstands für alle, der in der Wahrnehmung vieler Menschen der modernen Demokratie und dem Rechtsstaat zur Akzeptanz verhilft. Die wirkungsvolle Bekämpfung von Korruption ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum, für ein Wachstum, von dem die Menschen spürbar etwas haben. Ein starker Staat mit rechtstreuen Institutionen ist wesentlich für die Bekämpfung der Korruption. Ich habe deshalb großen Respekt vor den entsprechenden Anstrengungen in Rumänien.

Nur wenn Gegenwart und Zukunft den Bürgerinnen und Bürgern verheißungsvoll erscheinen, engagieren sie sich für ihr Gemeinwesen. Dabei ist es hilfreich, die üble Vergangenheit des Kommunismus mit seiner Unterdrückungsmaschinerie, aber auch die Defizite und Fehlentwicklungen der Transformationsära, wirkungsvoll aufzuarbeiten. Sonst erscheint diese Vergangenheit eines Tages in einem verklärten Licht. Als diktaturerfahrener Zeitgenosse kann ich mich gerade deswegen besonders darüber freuen, dass Rumänien auf einem guten Wege ist.

Herr Staatspräsident Johannis, haben Sie noch einmal herzlichen Dank für die Einladung. Herzlichen Dank für das wunderbare Klima. Ich freue mich hier zu sein und erhebe mein Glas auf Ihr Wohl und auf die rumänisch-deutsche Freundschaft.