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Besuch des Demokratischen Forums in Rumänien

Bundespräsident Joachim Gauck hält ein Grußwort beim demokratischen Forum in Hermannstadt anlässlich der Reise nach Rumänien Herrmannstadt/Rumänien, 21. Juni 2016 Reise nach Rumänien – Grußwort beim Demokratischen Forum © Guido Bergmann

Als deutscher Bundespräsident will ich natürlich Rumänien nicht besuchen, ohne auch den deutschstämmigen rumänischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen Besuch abzustatten.

Sie haben sich politisch organisiert, um sich in Ihrem Staat besser vernehmbar zu machen, unter dem Namen "Demokratisches Forum". Das finde ich schon allein deswegen gut, weil sich unter einem ähnlichen Namen 1989 in der DDR eine wichtige Initiative von freiheitsliebenden, oppositionellen Bürgern gebildet hat. Ich finde es aber auch gut, weil Sie damit zeigen, dass Sie aktiv, loyal und engagiert für Ihren Staat eintreten möchten. Ich habe gehört, dass eine überproportional hohe Zahl von Kommunalpolitikern aus Ihren Reihen kommt.

Auch Ihr Präsident wurde ja als Mitglied des Demokratischen Forums einst zum Bürgermeister gewählt.

Das spricht dafür, dass Sie zwar gerne und mit Leidenschaft Ihre eigene kulturelle Identität pflegen, dass Sie das zugleich aber nicht daran hindert, Ihrer Gesellschaft und Ihrem Gemeinwesen zu dienen.

Ich freue mich, dass ich heute schon zwei wesentliche historische Zeugnisse der reichen Kultur der Siebenbürger Sachsen besuchen konnte. Ich war im Brukenthal-Gymnasium, konnte mit Lehrern und Schülern dort deutsch sprechen. Dass Ihr Präsident dort einst Lehrer war, brauche ich Ihnen nicht eigens zu sagen. Ich denke: Sie sind stolz darauf.

Dann war ich auch in der Evangelischen Stadtpfarrkirche, die ja quasi auf römischen Grundmauern steht. Wie symbolisch doch vieles ist, wenn man Augen dafür hat! Die Römer, unter deren Herrschaft Europa eine erste Einigung erfuhr, haben bis heute in der rumänischen Sprache deutliche Spuren hinterlassen; und der evangelische, der reformierte Glaube ist in Deutschland entstanden. Im kommenden Jahr werden wir das große Gedenken an die Reformation begehen. Römisches und deutsches Erbe, rumänische und siebenbürger-sächsische Kultur – möge das weiterhin friedlich und fruchtbar zusammengehen.

Bleiben Sie weiterhin stolz auf das, was Sie hier geschaffen haben und weiterhin bewirken, und auf Ihre Kultur, ohne die Rumänien, und auch Europa, ein Stück ärmer wäre.

Haben Sie vielen Dank!