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Mittagessen mit dem Präsidenten der Republik Östlich des Uruguay

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Ansprache beim Mittagessen, gegeben vom Präsidenten mit dem uruguayischen Präsidenten Tabaré Ramón Vázquez Rosas, während des Staatsbesuchs in der Republik Östlich des Uruguay Montevideo/Uruguay, 15. Juli 2016 Staatsbesuch in der Republik Östlich des Uruguay – Ansprache beim Mittagessen, gegeben vom Präsidenten mit dem uruguayischen Präsidenten Tabaré Ramón Vázquez Rosas © Steffen Kugler

Herr Präsident,

ich hatte gehofft, Ihr Land schon im März vergangenen Jahres zu besuchen. Verhindert hat das ein tragischer Flugzeugabsturz mit zahlreichen deutschen Opfern. Ihr Verständnis für die damalige Entscheidung, meine Südamerika-Reise abzubrechen, spricht für die andauernd vertrauensvollen Beziehungen zwischen Uruguay und Deutschland. Dafür bin ich dankbar und ich freue mich umso mehr, heute Ihr Gast zu sein und damit ein Versprechen einzulösen.

Wie wichtig enge Bande zwischen Staaten sind, das spüren wir in diesen Tagen besonders intensiv. Wir alle sehen uns mit zahlreichen politischen Krisen in vielen Regionen der Welt konfrontiert. Die globalen Ordnungsstrukturen stehen unter Druck. Auch der Wunsch nach Renationalisierung und Abschottung breitet sich in einigen Ländern aus. Umso wichtiger ist es, dass wir uns in der Praxis der Diplomatie jenen Partnern zuwenden, mit denen uns demokratische Werte und gewachsene, vertrauensvolle Beziehungen verbinden. Denn wir wissen: Nur gemeinsam, nur durch internationale Zusammenarbeit können wir den Krisen unserer Tage begegnen. Dazu ist es nötig, dass jedes Land nach Kräften Verantwortung übernimmt und konkrete Beiträge leistet.

Genau das tut Uruguay. Ihr Land ist seit Jahren ein Anker für Stabilität in der Region – wirtschaftlich wie politisch. Im Vergleich zu den Nachbarn im Norden oder im Süden ist Uruguay zwar ein kleines Land, doch gemessen an seinem großen Engagement in der Staatengemeinschaft, in den Vereinten Nationen, aber ist es das ganz sicher nicht. Als Stimme der Vernunft und der Demokratie ist Ihr Land als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingezogen. Es engagiert sich im Rahmen von friedenserhaltenden Maßnahmen und stellt eine beachtliche Zahl von Blauhelmsoldaten in Missionen der Vereinten Nationen. Damit kann Uruguay Vorbild für andere sein – auch für bevölkerungsreichere Länder –, sich noch stärker für den Frieden in der Welt einzusetzen. Auf diese Rolle können Sie stolz sein.

Respekt verdienen Ihr Land und seine Bürgerinnen und Bürger auch angesichts der Tatsache, dass die Zustimmung zur Demokratie in Uruguay so hoch ist wie in keinem anderen Land Lateinamerikas. Das Bekenntnis zu freiheitlichen Werten eint Uruguay und Deutschland und vertieft so eine traditionsreiche und enge Verbindung zwischen unseren Ländern, die inzwischen 160 Jahre zurückreicht. Ein Beispiel für diese Tradition ist die Deutsche Schule in Montevideo. Sie ist die älteste deutsche Schule Südamerikas. Heute ist sie eine große uruguayisch-deutsche Begegnungsschule. Sie fördert den Austausch zwischen Uruguay und Deutschland und bildet die nächste Generation aus, die unsere Beziehungen fortentwickeln wird.

Auch die Handelsbeziehungen unserer Länder sind eng – dazu beigetragen hat die uruguayisch-deutsche Handelskammer, deren 100. Jubiläum wir morgen feiern. Deutschland ist der wichtigste europäische Absatzmarkt für Waren aus Uruguay. Gerade die Agrarprodukte Ihres Landes genießen in Deutschland – wie in anderen europäischen Ländern – einen hervorragenden Ruf. Und Deutschland ist zugleich in Wissenschaft und Forschung ein wichtiger Partner Uruguays. Ich freue mich auch, dass unsere Regierungen eine Ausbildungszusammenarbeit pflegen und so Lebenschancen für junge Menschen fördern. In diesem Sinne, Herr Präsident, unterstütze ich auch Ihre Pläne, die soziale Inklusion von Jugendlichen in Ihrem Land voranzubringen und mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Mit Interesse verfolgen wir in Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien in Uruguay. Seit 2013 exportiert Ihr Land Elektrizität. Deutlich mehr als neunzig Prozent der Stromerzeugung stammen inzwischen aus erneuerbaren Energien. Das ist eine enorme Leistung. Was uns besonders beeindruckt: Für die Jahre bis 2030 setzen Sie sich neue, ambitionierte Ziele.

Warum erwähne ich ausgerechnet das Jahr 2030? Dieses Jahr ist ja nicht nur ein Etappenziel auf dem Weg zu einem besseren Klimaschutz. Für 2030 bewirbt sich Uruguay, gemeinsam mit Argentinien, um die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach hundert Jahren würde das Turnier damit in sein "Geburtsland" zurückkehren – denn, Sie alle wissen es, 1930 gewann die Fußballmannschaft Uruguays im eigenen Land die erste Weltmeisterschaft. Ich wünsche Ihnen deshalb alles Gute für diese Bewerbung gemeinsam mit Ihren Nachbarn.

Nun bitte ich Sie, Ihre Gläser zu erheben: auf das Wohl von Staatspräsident Vázquez und seiner Gattin, auf die enge Verbundenheit zwischen Uruguay und Deutschland und auf eine gute Zukunft unserer freundschaftlichen Beziehungen!