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Eröffnung des Bürgerfestes des Bundespräsidenten 2016

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Ansprache auf der Bühne im Schlosspark zusammen mit Daniela Schadt anlässlich der Eröffnung des Bürgerfests des Bundespräsidenten 2016 Schloss Bellevue, 9. September 2016 Eröffnung des Bürgerfests des Bundespräsidenten 2016 – Ansprache auf der Bühne im Schlosspark © Henning Schacht

Guten Tag, liebe Gäste, herzlich willkommen. Ich sehe nur Schönheit hier im Park. Und das war kein Versprecher. Das war wirklich so gemeint. Schönheit ist auch, wenn uns Leben gelingt. Wenn uns Miteinander gelingt. Was ich hier sehe, das ist ein Abbild unserer Bürgergesellschaft. Mehrere tausend freiwillig engagierte Frauen und Männer aus ganz Deutschland sind hier, Menschen, die in ihrer Freizeit Sportvereine, Kirchenchöre oder Kulturcafés leiten, die Senioren oder Flüchtlingskinder unterstützen, die als Schöffen oder Gemeinderats-mitglieder aktiv sind, die sich für den Erhalt von Kunstschätzen oder für eine intakte Umwelt einsetzen, die als Katastrophenhelfer oder Ärzte im Ausland ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.

Viele von Ihnen sind schon etliche Jahre oder Jahrzehnte engagiert, mancher sogar in mehrfacher Hinsicht als Mutbürger in Uniform – hauptberuflich Stabsfeldwebel, ehrenamtlich Feuerwehr-mann. Die Liste der guten Taten ist lang, und sie ist beeindruckend. Auch wenn ich nicht alle Beispiele aufzählen kann: Möge sich doch jede und jeder von Ihnen angesprochen fühlen, meine Damen und Herren, denn wir wollen Ihnen heute vor allem eines sagen: Danke! Tausendfach sagen wir Ihnen: Danke!

Und wenn ich "wir" sage, dann meine ich nicht nur Daniela Schadt und mich sondern ich meine andere: In der ersten Reihe sitzen heute Politikerinnen und Politiker, deren Anwesenheit deutlich zeigt, sie schätzen und unterstützen die aktive Bürgergesellschaft. Es freut mich sehr, Sie hier begrüßen zu können.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir werden gleich Gelegenheit haben, einen kleinen Rundgang über das Festgelände zu machen, und wir werden Beispiele dafür sehen, was engagierte Bürgerinnen und Bürger in unserem Land täglich leisten. Diese Menschen – so verschieden sie auch sein mögen und so unterschiedlich ihre Arbeit ist – haben eine gemeinsame Haltung: ihr eigenes Leben und unsere Gesellschaft aktiv zu gestalten. Über manche Probleme nicht in erster Linie zu jammern, nicht vor ihnen wegzulaufen, sondern sie anzugehen und die Dinge gemeinsam zum Besseren zu verändern. Das verbindet uns hier auf dem Platz. Auf diese Haltung können wir stolz sein – ich als Bundespräsident und wir alle. Und ich freue mich, Frau Bundeskanzlerin, dass wir diese Menschen heute gemeinsam würdigen.

Sehr geehrter Herr Premierminister – gestern noch war ich in Ihrer Heimat zu Gast. Und heute haben wir nicht nur den Regierungschef Belgiens unter uns, sondern auch den Regierungschef der deutschsprachigen Gemeinschaft, Herrn Paasch. Wir beide, Belgier und Deutsche, wir mögen uns am liebsten, wenn wir Brückenbauer sind. Wir haben da Erfahrung. Wir kennen auch Krisen, aber wir vertrauen darauf, dass die Brücken, die wir gemeinsam gebaut haben als Mitglieder der Europäischen Union, dass die stabil bleiben werden. Und deshalb arbeiten wir zusammen. Das tun wir natürlich nicht nur politisch, sondern auch kulturell, künstlerisch und heute Abend nicht zuletzt kulinarisch. Das werden Sie erleben, wenn Sie da hinten am Belgischen Stand herumschleichen. Aber mehr sage ich nicht.

Und ganz in der Nähe, neben den erwähnten Personen, sitzen Bundesminister, jedenfalls die, die jetzt Zeit hatten, hier am Fest teilzunehmen. Ich grüße Sie sehr herzlich, Frau Hendricks!

Und dann sehe ich ja auch noch den Herrn Ministerpräsidenten aus Schleswig-Holstein. Ministerpräsident Albig ist hier. Ein herzliches Willkommen auch Ihnen! Mich als Menschen von der Küste freut es natürlich ganz besonders, dass wir unsere Schleswig-Holsteiner hier haben. Ich fange aber jetzt nicht an, platt-deutsch weiterzureden, das können wir nachher privat machen.

Schleswig-Holstein nennt sich ja selbst manchmal das "Land zwischen den Meeren", aber Sie werden später hier auf der Bühne auch über Themen sprechen, die unser ganzes Land beschäftigen – nämlich dann, wenn es um Vielfalt in unserer Gesellschaft geht und um die Bildungspolitik.

Ich weiß, solche Diskussionen führen auch Sie derzeit häufig, sehr geehrte Damen und Herren aus dem Bundestag. Ihre Anwesenheit erfüllt mich mit großer Freude. Ich bewerte sie als Zeichen der Anerkennung für das Ehrenamt, auch als Ausdruck eines gemeinsamen Politikverständnisses und das heißt: Regierende und Regierte, Politiker und Bürger sollten sich nicht begegnen als entferntes Gegenüber, sondern in einem Miteinander, im Dialog, übrigens an allen Tagen des Jahres. Meine Damen und Herren Abgeordneten, Sie haben in Ihren Wahlkreisen regelmäßige Sprechstunden, das gehört sich so. Sie sind ansprechbar für alle Bürger, und auf der oft mühsamen Suche nach echten Lösungen stoßen Sie auf die Probleme Ihrer Mitbürger in Ihren Wahlkreisen. Heute nun sind hier Bürger aus allen 16 Ländern versammelt. Wenn Sie also, liebe Abgeordnete, dieses Fest so verstehen, als wäre es eine erweiterte Bürgersprechstunde, dann liegen Sie richtig.

Als ich mich vor fünf Jahren entschieden habe, kein einfaches Sommerfest, sondern ein Bürgerfest zu veranstalten, da war nicht ganz klar, ob die Mischung aus leichter und ernsthafter Unterhaltung aufgehen würde. Heute aber bin ich sehr froh über diese Entscheidung: Nie zuvor in meinem Leben habe ich so viel über die Freiwilligenarbeit gelernt wie bei unseren Bürgerfesten. Da kommt jetzt ein ganz persönlicher Dank des Bundespräsidenten! All diese Gespräche mit Verbänden, Vereinen und Initiativen, mit so vielen leidenschaftlichen Persönlichkeiten haben mir die stärksten Seiten unseres Landes gezeigt.

Sie waren aber auch eine Art Seismograph dafür, was die Ehrenamtlichen gerade umtrieb. Themen wie der demographische Wandel oder die manchmal schwierige Nachwuchssuche fürs Ehrenamt zogen sich durch alle Jahre. Auch die grundsätzlichen Fragen: Wann wird die Freiwilligenarbeit zum Lückenbüßer? Wie viel Hauptamt braucht das Ehrenamt? Wie können die drei großen Sektoren – Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – noch besser kooperieren? Wie gelingt Modernisierung im Engagement, etwa durch den Einsatz sozialer Medien oder neue Finanzierungsmodelle wie Crowdfunding? All dies haben wir natürlich nicht zufällig, sondern im Lichte aktueller Ereignisse diskutiert. Wenn ich mich an 2013 erinnere, da waren es beispielsweise die Flutkatastrophe und die Bundestagswahl, im vergangenen Sommer die spontanen Hilfsaktionen für die Flüchtlinge.

Ich möchte auch in diesem Jahr solchen aktuellen Themen Raum geben – besser gesagt: einen eigenen Ort, unseren "Ort der Begegnung". Er steht 2016 unter dem Motto "Vielfalt bewegt". Wer wissen möchte, welche Erfahrungen ehrenamtliche Paten oder Vormunde mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen machen, der wird es dort hören. Oder warum aus einem Stipendienprogramm mit dem Namen "START" ein Neustart wurde. Oder wie unsere belgischen Nachbarn die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund fördern. Fühlen Sie sich überall herzlich eingeladen, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ein runder Wein und ein kantiges Argument passen oft ganz gut zusammen.

Unsere Partner haben gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundespräsidialamtes jedenfalls alles vorbereitet, damit dieser Abend unterhaltsam wird. Und dafür möchte ich mich jetzt schon, zu Beginn des Festes, auch im Namen von Daniela Schadt ganz herzlich bedanken: Bei all denen, die Projekte präsentieren und uns mit ihren Köstlichkeiten versorgen. Bei all denen, die auf und hinter der Bühne aktiv sind. Bei all denen, die schon seit vielen Monaten daran mitgewirkt haben, dass heute genügend Teller, Tassen und Kilometer Kabel parat sind. Es ist viel Hingabe in die Vorbereitung geflossen – von kleinen Vereinen bis zu großen Unternehmen. Ich spreche jetzt auch in ihrem Namen, wenn ich den entscheidenden Satz sage: Das Bürgerfest 2016 ist eröffnet!