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Konzert der Posener Philharmonie anlässlich des Jubiläums 25 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag

Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Ansprache im Roten Rathaus beim Konzert der Posener Philharmonie anlässlich des Jubiläums 25 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag Berlin, 11. Dezember 2016 Konzert der Posener Philharmonie anlässlich des Jubiläums 25 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag – Ansprache im Roten Rathaus © Guido Bergmann

Es ist ein schöner Abend für mich, und zum Beweis, dass ich mich besonders wohlfühle, spreche ich Sie, Herr Präsident, als Erstes direkt an. Das hängt damit zusammen, dass Sie mir in großer Offenherzigkeit und Freundschaft begegnet sind und das heute hier unterstrichen haben. Das bewegt mich. Ich bedanke mich dafür.

Wenn ich Sie heute anschaue, Herr Präsident, und Ihre Worte, die Sie eben gesprochen haben, nachklingen lasse, dann fällt mir auf, dass zwischen uns, und das möchte ich hier öffentlich bekunden, dass zwischen uns eine Brücke entstanden ist. Das haben wir möglicherweise beide so nicht antizipiert.

Ich habe mit Ihrem Vorgänger, Präsident Komorowski, sehr intensiv und freundschaftlich zusammengearbeitet. Und ich kenne sehr viele Aktive der vorigen Regierung. Und so war ich voller Spannung, ob es uns gelingen würde, die gewachsene Freundschaft – auch zu Zeiten der neuen Regierung in Polen – aufrechtzuerhalten. Ich weiß nicht, welche Gefühle die anderen Gesprächspartner aus Deutschland und Polen haben, die auf der Regierungsebene oder der kulturellen Ebene miteinander reden, aber zwischen uns stimmt das Klima. Zwischen uns existiert die Freundschaft weiter, die zwischen Deutschen und Polen gewachsen ist.

Und es ist ja nicht so, Herr Präsident, dass ich nicht erwarten würde, dass es noch heftige Debatten geben wird zwischen unseren Regierungen und zwischen den Zivilgesellschaften unserer Länder. Das ist so, wenn in Demokratien Meinungsverschiedenheiten ausgetragen werden. Das erwarte ich durchaus. Aber ich bin ganz zuversichtlich, dass die Ebene der Freundschaft und der Empathie, die wir beide miteinander entwickelt haben, fortbestehen wird, wenn mein Nachfolger Ihnen gegenübertreten wird.

Wir, Deutsche und Polen, begegnen uns nach wie vor auf der Basis unserer gemeinsamen Werte. Und wir haben, nachdem wir in diesem Jahr den 25. Geburtstag unseres Nachbarschaftsvertrags gefeiert haben, weiter Grund, mit Freundschaft und Zuversicht in das nächste Jahrzehnt einzutreten.

So werde ich also Ihrer Bitte folgen und weiter ein Anwalt der deutsch-polnischen Verständigung und Freundschaft bleiben, auch wenn ich nicht mehr im Amt bin. Wie ich das mache und wem ich begegnen werde, das weiß ich noch nicht. Aber ich bin sicher, da wird sich etwas finden.

Und hoffentlich werde ich dann nicht so oft eingeladen, politischen Streit zu schlichten, den andere haben, sondern mehr zu solchen wunderbaren Ereignissen wie diesem heutigen Abend, mit den Philharmonikern und mit anderen Trägern der Kultur und der Verständigung.

So, jetzt will ich aber Schluss machen, denn wir wollen ja miteinander Musik hören. Aber eines muss ich zum Abschluss noch sagen: Ich will all den Menschen von Herzen danken, die sich für die deutsch-polnischen Beziehungen engagieren. Mögen die Zeiten auch gewesen sein, wie immer sie sein wollten, konfliktreich oder freudvoll: Wir Politiker haben die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen nicht alleine gestaltet. Bevor die Politiker die Verträge gemacht haben, waren es Menschen aus der Bevölkerung, aus der Zivilgesellschaft, aus den Kirchgemeinden, aus den Verbänden und Vereinen, die Kontakte geschaffen haben – Kontakte, auf denen die Politik dann später aufbauen konnte. Und bei all denen, die aktiv sind, in Kultur und Wissenschaft, im Polnischen Institut, wo und wie auch immer – bei all denen will ich mich zum Abschluss von Herzen bedanken.