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Grußbotschaft an die muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Fest des Fastenbrechens

Liebe muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger,

am 8. Januar beenden Sie den Fastenmonat Ramadan. Aus diesem Anlass möchte ich Ihnen herzliche Grüße und gute Wünsche übermitteln.

Sie haben mit Ihren Familien und Freunden gefastet und gebetet. Viele haben damit ein Beispiel dafür gegeben, dass die Geborgenheit im Glauben eine selbstbewusste Bescheidenheit schaffen kann, aus der Toleranz gegenüber anderen Menschen und Respekt für andere entstehen.

Ich wünsche mir, dass wir überall in Deutschland ohne Vorurteile aufeinander zugehen und uns um ein friedliches Zusammenleben bemühen, unabhängig davon, wo wir geboren sind, ob und woran wir glauben.

Die Bundesrepublik Deutschland gehört zu den europäischen Ländern, deren Geschichte und deren Traditionen besonders vom christlichen Glauben geprägt sind. Die Religionsfreiheit, die unser Grundgesetz garantiert, gilt aber nicht nur für die christlichen Kirchen. Sie gilt, auch wenn das manchen nicht immer ausreichend bewusst ist, auch für andere Religionsgemeinschaften und gewiss für den Islam. Die Grenze findet jede Kirche und jede Religionsgemeinschaft ausschließlich in den vom Grundgesetz garantierten unveräußerlichen Menschenrechten und Bürgerrechten. Sie gelten für alle.

Ich bin dankbar dafür, dass sich viele muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger in unserem Land engagieren: in Organisationen und Vereinen, als Selbständige und Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen und Ausbildungsplätze anbieten. Ich weiß aber auch, dass das Zusammenleben verschiedener Kulturen nicht ohne Konflikte abgeht. Die wichtigste Voraussetzung dafür, dass wir Konflikte mit dem Ziel der Verständigung austragen können, ist, dass wir einander verstehen. Darum wünschte ich mir, dass alle, die bei uns eine neue Heimat gefunden haben, im Laufe der Zeit möglichst gut Deutsch sprechen, damit sie sich mit Nachbarn und Arbeitskollegen verständigen können.

Ich möchte Sie ermutigen: Beteiligen Sie sich am gesellschaftlichen Leben, ob in den Stadtteilen, in Gewerkschaften oder in Sportvereinen. Nur wenn möglichst viele mittun, statt sich in Nischen zurückzuziehen, wird es uns gelingen, den ganzen Reichtum zu erschließen, den das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Prägung über Religionsgrenzen hinweg schaffen kann.

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan habe ich den Wunsch, dass Sie mit Zuversicht in das neue Jahr blicken können und dass alle, die im zurückliegenden Jahr Anlass zu Trauer und Schmerz hatten, neuen Lebensmut schöpfen.

Ich wünsche mir ein vielfältiges Deutschland, das nicht danach fragt, woher einer oder eine kommt, sondern danach, wie wir die Zukunft gemeinsam und im Interesse aller gestalten können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Johannes Rau