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Verleihung des "Silbernen Lorbeerblattes" an die Medaillengewinner der Olympischen Sommerspiele und der Sommer-Paralympics Sydney 2000

Herr Bundeskanzler,
Herr Bundesminister,
liebe Sportlerinnen und Sportler,
meine Damen und Herren,

ich habe mich auf den heutigen Tag und die Begegnung mit Ihnen sehr gefreut.

Für mich ist das eine Premiere. Ich habe in meiner Amtszeit schon häufig Orden verliehen und auch ausgehändigt. Heute aber darf ich zum ersten Mal die höchste Auszeichnung unseres Landes für sportliche Spitzenleistungen verleihen und aushändigen, das Silberne Lorbeerblatt.

Die Video-Einspielung von den Eröffnungs- und Schlussfeiern, die wir eben gesehen haben, hat uns noch einmal die tolle Atmosphäre der beiden Sommerspiele von Sydney vermittelt. Ich bedauere es sehr, dass ich nicht bei Ihnen in Sydney sein konnte. Umso intensiver habe ich, so oft es mein Tagesablauf erlaubt hat, die Wettkämpfe im Fernsehen verfolgt und wie wohl die meisten Deutschen mit Ihnen gefiebert.

Die Jahrhundertspiele von Sydney haben Milliarden Menschen in der ganzen Welt in ihren Bann geschlagen. Das lag an Ihnen - den Sportlerinnen und Sportlern aus der Bundesrepublik Deutschland und ihren Mitstreitern und Konkurrenten aus aller Welt. Ihre Leistung und Ihr Kampfgeist haben uns mitgerissen. Sie, die deutschen Athletinnen und Athleten, haben auch in Sydney zu den erfolgreichen Mannschaften gehört.

Fast 60 Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen und mehr als 90 bei den Paralympics können sich wahrlich gut sehen lassen, auch wenn nicht alle Medaillenträume in Erfüllung gegangen sind.

Ich halte es aber für falsch, einer nicht gewonnenen Medaille nachzutrauern statt sich über eine gewonnene zu freuen.

Ich möchte allen Medaillengewinnern und ihren Trainern und Betreuern und den Verantwortlichen des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland und des Deutschen Behinderten-Sportverbandes meinen herzlichen Glückwunsch aussprechen.

Meine Gratulation gilt aber auch allen weiteren deutschen Olympioniken. Bei aller Freude über die vielen Gold-, Silber- und Bronzemedaillen dürfen wir nicht vergessen, dass auch sie schon durch ihre Qualifikation für Olympia Bemerkenswertes erreicht haben. Sie gehören in ihrer Sportart zu den Besten der Welt.

Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass die Paralympics von Sydney dem Behindertensport in so hervorragender Weise weiteren Auftrieb gegeben haben. Über 4.000 behinderte Athletinnen und Athleten: ein Rekord. Auch die Zuschauerzahlen zeigen: Die Paralympics lösen Interesse und Begeisterung aus.

Die ausführliche Fernsehübertragung hier zu Lande hat viel dazu beigetragen, dass der Behindertensport aus der Nische in eine breite Öffentlichkeit findet. Dafür danke ich den Fernsehanstalten. Gerade der Sport kann Behinderten Mut und Kraft geben, in ihrem Leben weiter zu kämpfen und aktiv zu bleiben. Der Einsatz und die einzigartigen sportlichen Leistungen behinderter Athletinnen und Athleten verdienen unsere Anerkennung. Der Behindertensport ist zugleich ein Beispiel für die aktive Integration Behinderter in unsere Gesellschaft.

Lassen Sie mich noch etwas zum Silbernen Lorbeerblatt sagen: Es ist vor einigen Monaten fünfzig Jahre alt geworden. Der erste Bundespräsident, Theodor Heuss, hat es im Juni 1950 gestiftet. Das Silberne Lorbeerblatt ist damit sogar ein bisschen älter als das Bundesverdienstkreuz. Schon das zeigt, wie wichtig diese Auszeichnung ist. Theodor Heuss hat das Silberne Lorbeerblatt ohne förmlichen Erlass als eine ureigene Auszeichnung des Bundespräsidenten gestiftet. Theodor Heuss kannte die Bedeutung des Sports für unsere Gesellschaft, der so viele Aktive und Zuschauer zu begeistern vermag, und er spürte das Bedürfnis ganz vieler Menschen, diejenigen zu ehren, die im Sport herausragende Leistungen erbringen.

Ich freue mich sehr darüber, dass heute auch zwei der ersten Sportler unter uns sind, die das Silberne Lorbeerblatt in seiner Anfangszeit erhalten haben.

Ich begrüße ganz herzlich:

  • Heinz-Günther Lehmann, der im August 1950 als mehrfacher Deutscher Meister im Schwimmen das Silberne Lorbeerblatt bekam und
  • Heinz Haep, der als Mitglied der vielfachen Gelsenkirchener Meistermannschaft im Sitzball zu den ersten behinderten Sportlern gehörte, die mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden sind.

Das Silberne Lorbeerblatt knüpft auf schöne Weise an antike Traditionen an.

Für manche von Ihnen ist das heute keine Premiere. Sie haben das Silberne Lorbeerblatt schon. All denen werde ich heute ein weiteres, etwas größeres Silbernes Lorbeerblatt überreichen. Das ist für die Vitrine oder die Regalwand. Bei Mehrfachauszeichnungen bekommen Sie jetzt auch eine Verleihungsurkunde.

Sie sehen daran, dass wir uns sogar bei einer so traditionsreichen Auszeichnung wie dem Silbernen Lorbeerblatt um Innovation bemühen, damit wir auf der Höhe der Zeit bleiben.

Seien Sie alle herzlich willkommen. Ich wünsche uns einige schöne gemeinsame Stunden.