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Empfang für in bundesweiten Schülerwettbewerben mitwirkende Lehrer

Kabarettisten wissen, dass man Witze auf Bestellung und gewissermaßen auf Stichwort ohnehin nicht erzählen kann. Wenn ich mir überlege, was meine Kinder mir an Witzen aus der Schule mitbringen, dann habe ich gelegentlich den Eindruck, ich muss mich um die Lehrer kümmern und denen Schadenersatz leisten.

Aber ich will Sie heute hier alle herzlich begrüßen und Ihnen dafür danken, dass Sie sich in bundesweiten Schülerwettbewerben engagiert haben. Ich kenne einige Wettbewerbe ganz gut, weil ich die Schirmherrschaft über sie übernommen habe. Auch die anderen, etwa die Olympiaden in Biologie, in Chemie oder Physik, haben einen immer größeren Bekanntheitsgrad.

Nun sind Sie hier alle hergekommen, stellvertretend für Mentoren, Betreuungslehrer, Gutachter, Juroren. Jeder der hier vertretenen Wettbewerbe fördert ein bestimmtes Interessengebiet: Musik oder Sport, Fremdsprachen, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Geschichte und Politik. Sie helfen mit, bei Schülerinnen und Schülern besonderes Interesse zu wecken an musischen, an fremdsprachlichen, an naturwissenschaftlichen Fächern. Sie helfen mit, besonders Begabte zu fördern.

Alle Wettbewerbe haben das Ziel, das Interesse bei Jugendlichen zu wecken, die Kenntnisse, die da sind, zu vertiefen, besondere Begabungen zu fördern. Fast alle Wettbewerbe knüpfen an das Wissen an, das in den Schulen erworben wird. Aber diese Wettbewerbe, ihre Aufgabenstellung, ihre Anforderungen, gehen weit über das schulische Maß hinaus. Ich denke, dass hier die Notwendigkeit ansetzt, Fachlehrerinnen und Fachlehrer und Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer mit einzubeziehen.

Die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer, die sich aktiv für die Wettbewerbe in der Bundesrepublik einsetzen, geht über die 180.000 weit hinaus. Diese Zahl widerspricht all den Geschichten über Lehrer oder über Polizisten, die ich jetzt vorsichtshalber nicht erzähle. Allein beim größten Wettbewerb "Jugend trainiert für Europa" sind jährlich 16.000 ehrenamtliche Lehrer als Organisatoren, als Trainer und als Kampfrichter engagiert. 16.000! Bei "Jugend musiziert" sind es jährlich 15.000, die mitgewirkt haben bei 160 Regional- und 19 Landesausschüssen. Das, was Sie zeitlich leisten, geht weit über das hinaus, was Ihre Amtspflichten Ihnen abfordern.

Nun ist es freilich so: Es sind immer die Gleichen, die es tun. Es gibt da einen festen Stamm ehrenamtlicher Helfer, die ausarbeiten und formulieren, was es an Aufgaben, an Themen gibt. Die Zahl derer, die Experten oder Expertinnen sind, geht in die Tausende. Allein bei "Jugend forscht" gibt es fast 2.000 Juroren. Mich beeindruckt diese Zahl. Man spricht in diesem Zusammenhang gewöhnlich von "Ehrenamt", aber bei diesem Ehrenamt ist von "Ehre" eigentlich wenig zu sehen und zu spüren. Das ist eine Zustandsbeschreibung, die an der Sache eigentlich vorbei geht.

Warum verbringt jemand Tage und Wochen und Wochenenden mit einer Aufgabe, obwohl er ja ohnehin Korrekturen von Klassenarbeiten, Facharbeiten, Diplomarbeiten zu bearbeiten und zu beurteilen hat? Eine Ihrer Kolleginnen beschreibt ihre Karriere so:

"Irgendwann", heißt es bei ihr, "flatterte mir ein Aufgabenzettel auf den Tisch. Die Aufgaben waren originell, unorthodox, und für jemanden, der Spaß an Mathematik hat, herausfordernd. Ich behielt den Wettbewerb im Auge und animierte Schüler zur Teilnahme. Ich freute mich, wenn begabtere Schülerinnen und Schüler Erfolg hatten und der eine oder andere dadurch sogar den Weg zu einem einschlägigen Studium fand. Schließlich habe ich beim Bundeswettbewerb Mathematik angefragt, ob ich wohl in Zukunft eingereichte Arbeiten korrigieren dürfte, und als ich es dann durfte, habe ich es mit aller Sorgfalt getan und mich hochgearbeitet in die zweite Runde und schließlich in den Aufgabenausschuss. Jedes Mal stöhnte ich unter der Korrektur und unter dem Termindruck, aber jedes Mal sind auch überraschende Lösungen dabei, die ein Genuss sind".

Dieses Zitat von Dr. Heidrun Sarges von der Liebig-Schule in Gießen wollte ich Ihnen gerne als ein Beispiel dafür sagen, wie Sie mit großem Einsatz und Ideenreichtum Verbindungen herstellen, Projekte anbahnen und jedes Jahr wieder vom Wettbewerbsfieber erfasst werden. Dabei sind die Motive gewiss unterschiedlich, viele nennen eigene positive Erfahrungen mit den Wettbewerben während Ihrer Schulzeit als Hauptauslöser. Andere fühlen sich der Begabtenförderung besonders verpflichtet, aber auch die Möglichkeit des Gesprächs mit anderen engagierten Fachkollegen in Aufgabenausschüssen, in Bewertungsteams wird häufig genannt. Freude und Stolz über den Erfolg der Schülerinnen und Schüler gehören selbstverständlich auch mit zu den Motiven.

Ich finde es zu bescheiden, wenn ein Lehrer aus Essen sagt: "Eigentlich halte ich die Förderung nicht für ein Ehrenamt, sondern es ist für mich ein selbstverständlicher Bestandteil meines Berufes". Ich möchte Ihnen dafür danken, dass Sie mit Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit vielen jungen Menschen, die nach Orientierung suchen, die Chance geben, ihre Umgebung, das Miteinander in unserer Gesellschaft, mitzugestalten. Sie fördern die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit junger Menschen und vermitteln auch für das weitere Leben Freude am Lernen. Das ist ein Beitrag, den man nicht hoch genug einschätzen kann und darum wünsche ich mir, dass möglichst viele interessierte Schülerinnen und Schüler die Chance haben, von Ihrem Engagement zu profitieren und individuell gefördert zu werden. Ich wünsche mir weiter engagierte Pädagogen in großer Zahl, wie Sie es sind, die junge Menschen auf ihren Weg begleiten und ermutigen.

Es ist also meine Sache, Ihnen herzlich zu danken, Ihnen meine Sympathie zu bekunden und Ihnen meine Unterstützung zuzusagen für die Arbeit, die Sie tun. Ich wünsche Ihnen viel Freude daran, und ich finde es besonders schön, dass wir heute Kabarettisten und Lehrer zusammen bringen. Das ist eine Mischung, von der die Schule profitieren und das Kabarett lernen könnte! Herzlichen Dank!