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Grußwort von Bundespräsident Johannes Rau anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Flughafenterminals in Düsseldorf am 31. August 2001

Herr Ministerpräsident, Herr Oberbürgermeister,

welches Bonmot hat Herr Peters nicht schon zitiert? Den Rest finden Sie in den Presseunterlagen. Aber wo finde ich die Presseunterlagen? Das war ein wahrliches Feuerwerk an Bonmots. Manche werden gekränkt sein, manche werden sich verstanden fühlen, manche werden glauben, sie seien fehlinterpretiert. Aber der Tag ist schön und der Tag ist ein Anlass zu heller Freude.

Nach einem Tag - Herr Peters hat davon gesprochen - vor mehr als fünf Jahren, der eine schreckliche Katastrophe gebracht hat: 17 Menschen haben ihr Leben verloren, und ein Gedenkstein hier im Flughafen erinnert an sie.

Ich will erinnern als einer, der an diesem Tag hier gewesen ist, an die vielen Helfer, die Gefahren für das eigene Leben auf sich genommen haben, um das Leben anderer zu retten, denen gilt auch heute noch mein Dank und meine Hochachtung.

Ich bin froh darüber, dass die Flughafengesellschaft einen Fonds eingerichtet hat, der die Ausbildung von elf Kindern von Brandopfern mitfinanzieren soll. Ich halte das für eine wertvolle Geste.

Ich bin sicher, dass die Betreiber des Flughafens aus der Analyse der Unglücksursachen die notwendigen Konsequenzen für den Neubau gezogen haben. Der Brand war ja auch Anlass dafür, eine Kommission zur Begutachtung des Brandschutzes in öffentlichen Gebäuden zu berufen. Diese Kommission, unter Leitung von Professor Weinspach, hat Ergebnisse erarbeitet, die waren weit über den Flughafen hinaus von Bedeutung. Dafür danke ich Professor Weinspach und den Experten noch einmal, die an diesem Gutachten beteiligt waren. Sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet!

Ich habe mir sagen lassen, dass die aktive und die passive Sicherheit des neuen Flughafens Düsseldorf International dem neuesten Stand der Sicherheitstechnik entspricht. Eine Katastrophe wie 1996 kann sich nach menschlichem Ermessen nicht wiederholen, sie darf sich auch nicht wiederholen. Auch andere Flughäfen haben von Düsseldorf gelernt, und können noch davon lernen.

Der hohe Sicherheitsstandard ist aber nicht das einzig Bemerkenswerte an dem Neubau. Architekten, Ingenieuren und Betreibern ist hier in Düsseldorf ein Flughafen gelungen, der Funktionalität, Ästhetik und Sicherheit verbindet. Das findet man weltweit auf Flughäfen nicht überall.

Nun ist am 1. Juli das neue Terminal in Betrieb gegangen. Wir holen heute die offizielle Eröffnung nach. Zum Wunsch der Trennung der Termine, auch Herr Peters hat davon gesprochen, habe ich in einer Mitteilung an die Beschäftigten des Flughafens gelesen: Es gebe am ersten Juli soviel zu tun, da würde jede Großveranstaltung nicht nur stören, sondern unter Umständen auch noch den Betrieb gefährden. Das will ich nicht riskieren, auch heute nicht; darum überbringe ich meine Grüße in der hoffentlich gebotenen Kürze.

Flughäfen hatten früher manchmal den Charme von zugigen Wartehallen; das gehört zum Glück längst der Vergangenheit an. Manche sprechen schon nur noch von "Einkaufszentren mit angeschlossener Start- und Landebahn". So weit ist es nun auch noch nicht. Aber hier im Flughafen Düsseldorf können sich alle wohl fühlen: die Fluggäste und die, die sie abholen, die Mitarbeiter und die Gäste, die Piloten und die Flugbegleiter. Dieser Flughafen wird vielen Menschen schon das erste Gefühl dafür geben, dass die Flugreise schon vor dem Start gut beginnt.

Es ist kein Geheimnis - und wir haben es auch in den Ausführungen von Herrn Peters gespürt -, dass sich der Luftverkehr in einem Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie bewegt. Den wirtschaftlichen Chancen, den Arbeitsplätzen in den Flughafenregionen stehen ökologische Probleme, gesundheitliche Belastungen der Anrainer entgegen.

Darum ist es auch kein Wunder, dass an vielen Flughäfen, nicht nur in Deutschland, heftige Auseinandersetzungen im Gange sind. Auf der einen Seite stehen die Betreiber und die am Flugverkehr Interessierten, auf der anderen Seite stehen Menschen, die sich durch den Flugbetrieb in ihrer Gesundheit, in ihrem Wohlbefinden und in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen.

Diese Auseinandersetzungen werden nicht immer mit rationalen Argumenten geführt, und sie werden nicht immer fair geführt. Eine unfaire Art der Auseinandersetzung hilft aber nicht weiter. Immer müssen beide Seiten gehört werden und alle Argumente ernst genommen werden. Schließlich hat jeder Flughafen ein Interesse daran, mit seinem Nachbarn im guten Einvernehmen zu leben.

Wir brauchen leistungsfähige Flughäfen, das wissen auch die meisten von denen, die sich gegen konkrete Planungen und Projekte wenden. Heute hängen in Deutschland direkt und indirekt 600.000 Arbeitsplätze vom Luftverkehr ab. Darum werden Flughäfen und alles was mit dem System Luftverkehr zusammenhängt zu Recht "Jobmaschinen" genannt. Wer auf die Chancen verzichtet, die sich da bieten, der manövriert sich ins wirtschaftliche Abseits - abgekoppelt von den weltweiten Warenströmen und Passagierströmen. Daran kann in einem hochindustrialisierten Land niemandem gelegen sein. Deutschland ist und bleibt vom internationalen Handel abhängig.

Die wirtschaftlichen Gesichtspunkte und die Arbeitsplätze sind ganz wichtig. Sie rechtfertigen aber nicht alles. Intakte Umwelt und ruhige Umgebung sind wichtige Faktoren für die Lebensqualität. Kluge Flughafenpolitik beachtet das und pflegt das Verhältnis zur Nachbarschaft. Die Politik muss für einen fairen Ausgleich der Interessen sorgen. Fair bedeutet aber meist, dass am Ende etwas herauskommt, mit dem beide Seiten nicht ganz zufrieden sind. Das ist das Wesen des Kompromisses. Am Ende ist keiner ganz damit zufrieden, aber jeder kann - wenn er ehrlich ist - gut damit leben. Das setzt natürlich offene Information und Fingerspitzengefühl voraus.

Die Flughäfen, die Fluggesellschaft und die Flugzeughersteller müssen sich zudem laufend darum bemühen, alle technischen und organisatorischen Möglichkeiten zu nutzen, damit Fluglärm weiter gemindert wird. Dann können alle Beteiligten einen Kompromiss finden zwischen dem, was technisch möglich, wirtschaftlich nötig und ökologisch verträglich ist.

Ich sehe in diesem Zusammenhang noch einige Aufgaben auf die Politik zukommen, auf die Flughafenbetreiber, die Fluggesellschaften und die Flugzeughersteller:

  • Der schienengebundene Verkehr muss ausgebaut werden um mehr Menschen vom Flugzeug in den Zug zu bekommen.
  • Der Kurzstreckenverkehr gehört auf die Schiene und nicht in die Luft. Die Voraussetzungen dafür sind mit dem neuen Bahnhof Flughafen in Düsseldorf gegeben und sie werden in Köln gerade geschaffen.
  • Flugzeuge müssen noch leiser werden, weniger Kerosin verbrauchen und so die Atmosphäre weniger belasten.
  • Die Kooperation zwischen den Flughäfen muss noch besser werden, damit kann auch der Kostendruck in der Branche gemildert werden und die knappen Slots lassen sich besser nutzen.
  • Das Luftraummanagement muss zumindest europaweit verbessert werden, damit nicht unnötig viel Zeit und Kerosin in Warteschleifen am Himmel vergeudet wird.

Ich bin sicher, der Luftverkehr hat unter diesen Bedingungen eine große Zukunft und die Anwohner haben ruhigere Tage und Nächte.

Viele Menschen haben mitgeholfen, den neuen Flughafen in Düsseldorf zu planen und zu bauen. Ich gratuliere ihnen zu diesem gelungenen Werk. Den vielen tausend Gästen, die hier jeden Tag ankommen und abfliegen, kann ich sagen: Wenn der Service an Bord Ihrer Flugzeuge so gut ist wie der neue Flughafen Düsseldorf International, dann können Sie sich wahrlich wohl fühlen. Glück auf!