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Aufruf von Bundespräsident Johannes Rau in Rundfunk und Fernsehen aus Anlass der Woche der Welthungerhilfe 2001

Wir sind noch immer erschüttert über die schweren Terroranschläge in Amerika. Fanatische Verbrecher haben Tausenden von Menschen den Tod gebracht und Freunden und Familien unendliches Leid zugefügt.

Wir haben gesagt, dass wir alles tun werden, um den Terror zu besiegen. Und ich habe immer hinzugefügt: Eines der wesentlichen Mittel, um dem Terrorismus den Boden zu entziehen, ist die politische Arbeit für eine gerechte Welt.

Auch deswegen dürfen wir den Hunger und das Elend in vielen Teilen der Welt nicht vergessen. Der Kampf gegen den Hunger fordert uns alle. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Wir können alle etwas dafür tun, dass nicht jeden Tag 24.000 Menschen auf der Welt verhungern.

Manch einer mag denken, das sei ein sinnloser Kampf. Der Hunger in der Welt werde nie zu besiegen sein. Schließlich hört und liest man ja immer wieder von den vielen Millionen hungernden Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern, von den 18.000 Kindern unter fünf Jahren, die jeden Tag verhungern. Die Lage scheint nicht besser zu werden. Warum also spenden, wenn es nichts bringt?

Dass alles sinnlos ist, das ist eine Falschmeldung, eine tödliche Falschmeldung. Noch vor 20 Jahren waren 29 Prozent aller Menschen in den Entwicklungsländern unterernährt. Heute sind es nur noch 18 Prozent, obwohl die Weltbevölkerung gewachsen ist. Zu diesem Erfolg haben auch Ihre Spenden beigetragen. Dafür danke ich Ihnen.

Noch immer hungern aber 820 Millionen Menschen auf der Welt. Das sind 820 Millionen zu viel. Gewiss können wir allein nicht allen hungernden Menschen helfen. Das würde unsere Kräfte überfordern. Dafür ist die Solidarität aller Menschen weltweit nötig, die in großem Wohlstand oder in relativem Wohlstand leben. Jeder einzelne kann einen guten Teil zu der notwendigen Überlebenshilfe beitragen.

Eine Schüssel Reis hilft, über den Tag zu kommen. Saatgut, ein wenig Werkzeug und Wasser helfen über das nächste Jahr. Kommt noch das Wissen über angepasste Anbaumethoden und die richtige Bewirtschaftung hinzu, dann kann die Existenz der ganzen Familie dauerhaft gesichert werden.

Die Deutsche Welthungerhilfe leistet mehr als akute Nothilfe. Sie hilft Menschen dabei, dass sie ihr Leben selber gestalten können. Darum investiert die Deutsche Welthungerhilfe viel Geld in Bildungsprogramme und in die Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist gut angelegtes Geld - für die Menschen in den Entwicklungsländern und auch für uns. Die Erfahrung lehrt uns ja, dass es ja auf Dauer keine Inseln des Wohlstands und des Friedens geben kann in einem Meer von Elend und Gewalt.

Darum bitte ich Sie auch in diesem Jahr: Unterstützen Sie die Arbeit der Welthungerhilfe mit einer Spende. Ganz gleich, wie viel Sie geben können: Sie helfen damit, Leben zu retten.

Vielen Dank!