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Rede von Bundespräsident Johannes Rau zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2001

Wir haben so viele Stichworte bekommen, wir haben so viel Aufregendes gesehen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll, oder aber dass man bald aufhören muss, damit der Preisträger oder die Preisträger bekannt werden. Dies ist das fünfte Mal, dass es diesen Deutschen Zukunftspreis gibt. Manche nennen ihn den "Preis der Preise", und ich glaube, das kann man heute Abend gut erläutern. Vielleicht geht es vielen von Ihnen wie mir. Ich habe während der ganzen Vorführung gedacht: "Wie schade, dass ich nicht in der Jury war und meine Neugier noch stärker befriedigen konnte als heute Abend." Dann habe ich gedacht: "Wie gut, dass ich nicht in der Jury war, denn ich hätte ja entscheiden müssen für einen der vier Nominierten". Nach jeder Präsentation der Nominierten habe ich jedenfalls gedacht: "Der ist es, der ist preiswürdig".Nun will ich nicht ausweichen, aber ich will sagen, wenn es einen Preis gäbe für den besten Wissenschaftsfilm, dann könnte ich ihn heute Abend Hildegard Werth überreichen. Das so fassbar zu machen, so greifbar, so sichtbar, wie wir es hier mit Forschungen zu tun haben, die Leben verändern, Leben verlängern, Leben verbessern können, das habe ich heute Abend besonders stark empfunden.Wenn doch alle Forschung diese Richtung hätte! Wenn doch die Wissenschaft und Forschung in den Wettbewerb darüber gerieten, mit welchen Methoden, mit welchen Möglichkeiten wir wissenschaftliche Erkenntnisse, medizinische und technische Erkenntnisse, schneller aus den Schubladen der Forscher in die Anwendung und in das Leben der Menschen bekämen!Wir haben manches gehört über Verzögerung, über Bürokratie. Viele, die über Bürokratie klagen, sind identisch mit denen, die Schutz durch Bürokratien und durch Gesetze wünschen. Auch da gibt es einen Spannungsbogen. Wissenschaft ist immer dabei, Grenzen zu überschreiten. Wer keine Grenzen mehr überschreiten will, der wird nicht wissenschaftliche Neugier befriedigen. Wer aber nicht weiß, wo Grenzen sind, und wer sich nicht bewusst macht, wann und wie weit er sie überschreiten soll und darf, der wird dem nicht gerecht, was wir an Verantwortung vor der Gesellschaft haben.Diese Spannung auszuhalten und dabei so Wichtiges zu entdecken, wie wir das heute Abend bei diesen Projekten erlebt haben, bei Sprache und Computer, bei Leber-Ersatz und anderen Projekten, das ist beeindruckend. Ich will jetzt die vier Projekte nicht nebeneinander stellen, weil jede Aufzählung eine Wertung ist. Wir haben die Projekte ja gesehen und davon gehört. Wir sind voll Staunen und voller Freude. Jetzt sind wir voller Spannung, denn jetzt soll ich erfahren und dann sagen dürfen, wer den Zukunftspreis bekommt. Dass sie ihn alle verdient haben, das ist hier einstimmig und auch an den Fernsehgeräten einhellige Meinung.