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Grußwort von Bundespräsident Johannes Rau aus Anlass der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner der Olympischen Winterspiele 2002, der Paralympischen Winterspiele 2002 und der Deaflympics 2001

Herr Bundeskanzler,

meine Herren Bundesminister,

liebe Sportlerinnen und Sportler,

meine Damen und Herren,

herzlich willkommen hier im Schloss Bellevue.

Heutzutage werden sportliche Erfolge meist mit Medaillen belohnt. Früher taten es ein paar Blätter - zuerst pflückte man sie von den umstehenden Olivenbäumen, und später ging man über zum Lorbeer. Besonders erfolgreiche Sportler wurden früher auf Wunsch in Stein gemeißelt.

Nun sind Statuen aus der Mode, aber zu den Lorbeerblättern greifen wir immer noch gern. Winston Churchill hat freilich gesagt: "Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, der trägt sie an der falschen Stelle." Das muss man auch bedenken.

Es gibt bei der heutigen Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts gleich eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal habe ich diese höchste Auszeichnung für sportliche Leistungen im Schloss Bellevue überreicht, und zum ersten Mal zeichne ich auch die Medaillengewinner der Deaflympics, der Weltspiele der Gehörlosen mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus.

Über diese zweite Neuerung freue ich mich besonders, und da musste mich niemand überzeugen: Ich war schon überzeugt! Ihre Teilnahme ist ein weiteres Zeichen dafür, dass der Behindertensport in Deutschland immer mehr Bedeutung und öffentliche Anerkennung gewinnt.

Die Deaflympics und die Winter-Paralympics haben wieder gezeigt, zu welch großartigen Leistungen behinderte Sportlerinnen und Sportler fähig sind. Und ich bin froh darüber, dass davon in den Medien auch immer mehr berichtet wird. Ich glaube freilich, da gibt es noch Steigerungsmöglichkeiten.

Alle, die heute geehrt wurden, haben ihre Erfolge bei Wettkämpfen im Zeichen der Olympischen Idee errungen. Und so vielfältig die von Ihnen betriebenen Sportarten sind - von allen führt gewissermaßen der Weg zurück zum Hain von Olympia. Das hebt die Olympischen und die Paralympischen Spiele und die Deaflympics unter allen anderen Wettbewerben hervor, und das soll in der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts in diesem besonderen Rahmen zum Ausdruck kommen.

Über die völkerverbindende, über die friedenstiftende Kraft des Sports ist schon seit den alten Griechen alles gesagt; aber heute wie damals ist es oft schwer, diese Kraft zu wecken und zu entfalten. Das ist den Spielen von Rom und - trotz des 11. Septembers! - auch denen von Salt Lake City vollauf gelungen, und daran haben Sie alle großen Anteil. Ihre Fairness, Ihr Sportsgeist, Ihre ehrliche Anerkennung auch für Spitzenleistungen der Konkurrenz haben den Spielen eine unvergessliche Atmosphäre verliehen: fröhlich statt verbissen, konzentriert statt verkrampft, beschwingt statt triumphierend.

All das habe ich in Salt Lake City an einigen Tagen gemeinsam mit meiner Frau selber erfahren und miterleben können. Eins freilich hat mich besonders überrascht: Ich wusste vorher noch nicht, in welchem Maße jedes spannende Finale auch die Zuschauer mit in seinem Bann zieht!

Ich konnte bei zwei Wettkämpfen, bei denen ich dabei war, anschließend zur Goldmedaille gratulieren, und habe das gern getan. Das hat nicht bei allen Wettbewerben so geklappt wie bei denen, die ich miterlebt habe; aber die deutschen Teams waren in Salt Lake City genauso wie in Rom außerordentlich erfolgreich: Wenn erst einmal allen klar wird, wie viele Silberne Lorbeerblätter heute verliehen werden, dann steigt morgen gewiss der Silberpreis.

Ich denke heute freilich auch an die, die zu Ihren Erfolgen beigetragen haben: an die Mannschaftskameraden, an die Trainer und Betreuer, an die Verantwortlichen der Sportverbände und nicht zuletzt an Ihre Familien.

Sie selber kennen am besten all die Menschen, die Ihnen geholfen haben und die sich besonders mit Ihnen freuen. Sagen Sie bitte allen meine herzlichen Grüße und ein Dankeschön, und dann zeigen Sie ihnen das Silberne Lorbeerblatt!

Heute vor fünfzig Jahren übrigens wurde veröffentlicht, das der Bundespräsident mit dem Bundeskanzler korrespondiert hatte, um die Nationalhymne festzulegen. Heute vor fünfzig Jahren ist die dritte Strophe von Hoffmann von Fallerslebens Deutschlandlied zur bei staatlichen Anlässen zu singenden Nationalhymne erhoben worden. Dass wir uns an einem solchen Jahrestag treffen, das finde ich besonders schön. Seien Sie alle herzlich willkommen!