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Ansprache von Bundespräsident Johannes Rau auf der Jubiläumsveranstaltung zum 40jährigen Bestehen der Deutschen Industrie- und Handelskammer Japan

Geburtstage soll man gebührend feiern, zumal wenn es sich um einen vierzigsten handelt, mit dem man nach landläufiger Meinung in die besten Jahre eintritt. Ich gratuliere Ihnen herzlich zu Ihrem vierzigjährigen Bestehen.

Was weitblickende und tatkräftige Geschäftsleute am 1. März 1962 gegründet haben, ist bis heute von ebenso tüchtigen Nachfolgern zu einem wichtigen und wirksamen Knotenpunkt im Netzwerk der deutsch-japanischen Beziehungen ausgebaut worden. Handel und industrielle Zusammenarbeit sind kontinuierlich gewachsen, so wie es sich die Kammer damals zum Ziel gesetzt hat.

Die Gründerväter der Industrie- und Handelskammer würden Japan heute nicht wiedererkennen. In den vergangenen vierzig Jahren ist dieses Land den Weg vom Empfänger von Entwicklungshilfe zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gegangen. Das Japan-Bild in den westlichen Staaten war in dieser Zeit von Schwankungen und Widersprüchen gekennzeichnet. Japans Produkte, sein wirtschaftliches System und seine Unternehmen wurden entweder unterschätzt oder gefürchtet. Heute sind wir offenbar wieder in einer Phase, in der das wirtschaftliche Potential Japans nicht hinreichend gewürdigt wird. Und das, obwohl das Pro-Kopf-Einkommen eines Japaners weit über die Hälfte höher ist als das eines Deutschen.

Dennoch: Deutsche Unternehmen sind mit ihren Produkten und ihrem Engagement in Japan in vielen Bereichen erfolgreich, sogar sehr erfolgreich. Das ist besonders bemerkenswert, weil die japanischen Kunden sehr anspruchsvoll sind. Große Anstrengungen sind nötig, auf einem hart umkämpften Markt wie Japan zu bestehen. Zu diesen Erfolgen trägt auch die Handelskammer bei. Dafür wird sie auch in Zukunft gebraucht.

Lassen Sie mich als Geburtstagsgast einen Gedanken anfügen, der über die alltäglichen Geschäfte hinausweist.

Obwohl in fast allen Ländern der Welt große Produktionsstätten bekannter Firmen zu finden sind, bleibt es eine Tatsache, dass den Produkten "Made in Germany" gerade wegen ihrer Herkunft aus Deutschland unverändert ein guter Ruf voraus eilt. Umgekehrt stimmt es auch immer noch, dass das Bild Deutschlands in der Welt von der Qualität seiner Produkte und Dienstleitungen geprägt wird. Anders ausgedrückt: So wie die Unternehmen vom guten Image Deutschlands profitieren, profitiert Deutschland vom guten Image seiner erfolgreichen Unternehmen.

Das sollten wir nutzen. Wir sollten kreativ und beharrlich daran arbeiten, dass unser Land in seiner ganzen Vielfalt und seinen vielen Qualitäten wieder stärker wahrgenommen wird. Das ist keine einfache Aufgabe in einem Land wie Japan, das sein Interesse auf viele Regionen der Welt richtet.

Viele Länder bemühen sich darum, das Interesse der japanischen Öffentlichkeit zu gewinnen und die Aufmerksamkeit derjenigen, die in Politik und Wirtschaft entscheiden. Das geschieht mit viel Kreativität, mit Engagement und auch mit großem Aufwand. Das sollten uns Ansporn sein.

Daher freue ich mich auch darüber, dass die Vorbereitungen dafür begonnen haben, in den Jahren 2005 und 2006 eine Reihe herausragender Kulturveranstaltungen durchzuführen, die unter dem Motto stehen sollen: "Deutschland in Japan". Gerne habe ich dafür die Schirmherrschaft übernommen. Mir scheint es an der Zeit zu sein, dass wir in einer gemeinsamen Anstrengung von Wirtschaft, Kultur und Politik ein solches Deutschlandjahr in Japan organisieren. Ich möchte Sie alle herzlich bitten, nach besten Möglichkeiten dazu beizutragen, dass dieses Projekt hohen Ansprüchen genügt und dass es gelingt, ein farbiges, lebendiges und freundliches Bild unseres Landes zu zeichnen.

Offensichtlich wird auch bereits daran gedacht, noch einen Schritt weiter zu gehen und den Bemühungen eine dauerhafte Grundlage zu geben, Deutschland zu einem sichtbaren, sympathischen und bevorzugten Partner Japans zu machen. Das ist eine gute Idee. Es gibt hier in Tokyo ja eine ganze Reihe deutscher Einrichtungen neben unserer Botschaft. Ich denke an das Goethe-Institut Inter Nationes, an die Deutsche Schule und an den DAAD, das Deutsche Institut für Japanstudien - und eben auch an die Handelskammer. Könnten diese Einrichtungen, so die Überlegung, ihre Kräfte nicht bündeln - vielleicht mit Hilfe einer Stiftung - und mit vereinten Mitteln das Bild von Deutschland langfristig und tiefgreifend zu verbessern und zu beleben? Ich bin überzeugt davon, dass ein solches Vorhaben auch dazu beitragen könnte, die Interessen der deutschen Wirtschaft in diesem Land langfristig zu sichern.

Deutschland ist in Japan ja durchaus bekannt - als Land großer, klassischer Musiktraditionen und bedeutender Philosophen, als lohnendes Reiseziel, als Land der Burgen und des guten Weines. Ergänzen Sie dieses Bild um jene Vorzüge, die unser Land heute zusätzlich auszeichnen: Deutschland als Land erfolgreicher mittelständischer Wirtschaft mit einer Gesellschaft des sozialen Ausgleichs, als Land innovativer Umwelttechnologie und führender Standort der Bioforschung. Als Land, in dem die Documenta zu Hause ist und dessen Hauptstadt wie kaum eine andere ein vielfältiges und anspruchsvolles Spektrum der Kultur bietet.

Am 40. Jahrestages Ihres Bestehens ergeben sich neue Aufgaben und neue Chancen. Ich gratuliere der Kammer nochmals herzlich zu ihrem Jubiläum und wünsche ihr für die kommenden 40 Jahre zumindest ebenso guten Erfolg wie bisher.