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Ansprache bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an die Fußballnationalspieler der Frauen und der Herren

Liebe Sportlerinnen und Sportler,
sehr geehrter Herr Bundesminister Schily,
sehr geehrte Damen und Herren,

Wiedersehen macht Freude! Ich habe die Frauen beim Eröffnungsspiel der EM 2001 in Erfurt und die Herren beim Finale in Yokohama erlebt und freue mich sehr darüber, Sie alle heute hier zu Gast zu haben.

Der Bundeskanzler kann wegen der Sondersitzung des Bundeskabinetts zur Flutkatastrophe heute leider nicht teilnehmen. Er hat mich gebeten, Ihnen allen seinen Gruß zu übermitteln.

Wir feiern heute noch einmal zwei Erfolgsgeschichten: Die Frauenmannschaft ist zum dritten Mal hintereinander Europameister und hat mittler­weile vier Fünftel aller Fußball-Europameisterschaften gewonnen. Das ist eine außerordentlich beeindruckende Bilanz. Die Erfolge haben auch nachhaltig dazu beigetragen, dass der Frauenfußball hierzulande noch beliebter wurde und noch mehr beachtet wird.

Ich wage die Voraussage: Die deutschen Fußballerinnen werden sowohl in puncto sport­licher Erfolg als auch bei der Popularität mit ihren männlichen Kollegen gleichziehen. Schon die nächste Weltmeisterschaft der Frauen kann dazu einen weiteren, kräftigen Beitrag leisten.

Die Weltmeisterschaft der Herren hat uns alle in Bann geschlagen. Wir haben vom ersten Spiel an viele Überraschungen erlebt: einen ungewöhnlichen Favoritenschwund, das schnellste Tor der WM-Geschichte einen furiosen Auftakt der deutschen Mannschaft und ein Finale, in dem - nach manchmal zäher Arbeit in den Spielen davor - die deutsche Mannschaft dem brasilianischen Team in Sachen Ballzauber um nichts nachstand.

Kurzum: Die Nationalmannschaften der Frauen und der Herren haben herausragende sportliche Leistungen vollbracht. Sie haben damit dem deutschen Fußball im In- und Ausland viele neue Freunde gewonnen.

Da kann ich nur sagen: "Wer so viel Gutes uns beschert, ist wahrlich Silberlorbeer wert".


II.

Über das Fußballspiel sind hochgelehrte Abhandlungen geschrieben worden: Es wurde philosophisch gedeutet, man hat in ihm die Urhorde auf der Jagd nach Beute erkennen wollen, und Ökonomen suchen nach dem Zusammenhang zwischen volkswirt­schaftlicher Leistung und fußballerischem Erfolg.

Alle Untersuchungen widmen den erfolgreichen Trainern besondere Aufmerksamkeit. Dabei werden ganz unterschiedliche Erfolgsrezepte gesehen. Ich nenne nur die farbigsten: Der erfolgreiche Trainer sei Magier, Schamane, ja Guru. Andere halten tiefe Zen-Weisheit oder geniales Strategentum für den Schlüssel zum Sieg, und wieder andere loben vor allem das entschlossene Durchwurschteln oder gar den knochentrockenen Fußballbeamten.

Ich will gar nicht der Frage nachgehen, was denn nun genau Ihr Berufsgeheimnis ist, liebe Christina Theune-Meyer, lieber Rudi Völler und lieber Michael Skibbe. Jedenfalls ist der großartige Erfolg unserer Mannschaften ohne Sie drei nicht vorstellbar. Auch das verdient eine besondere Auszeichnung.

Allerdings wird das Silberne Lorbeerblatt nicht an Trainer, sondern nur an aktive Sportlerinnen und Sportler verliehen, auch wenn die Trainer neben der Auslinie vielleicht genauso viel an Kalorien und Nervenstärke verbrauchen wie die Spielerinnen und Spieler auf dem Platz. Also verleihe ich Ihnen den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland und gratuliere auch Ihnen von Herzen zu Ihren Erfolgen.


III.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Auf beide Teams warten schon die nächsten Herausforderungen. Die Frauen haben sich eindrucksvoll für die WM 2003 in China qualifiziert. Als nächstes steht das Freundschaftsspiel gegen Norwegen an. Die Herren sind bei der WM 2006 qua Gastgeberrolle dabei, aber vorher ruft die EM 2004 in Portugal, und die ersten Qualifikationsspiele in Litauen und gegen die Färöer-Inseln stehen auch schon vor der Tür.

In Litauen ist wohl eher Basketball der Nationalsport, aber über die Färöer heißt es auf einer Website für Touristen: "Die Färöer sind eine kleine Inselgruppe im Nordatlantik (...). Es gibt dort im wesentlichen Gras, Schafe, Regen, Nebel und begeisterte Fußball-Spieler."

Jedenfalls freuen wir alle uns auf zwei wichtige und spannende Spiele!


IV.

Zum Schluss noch eine Prise Fußballphilosophie: In diesem Spiel walte zweifellos der Weltgeist, hat ein gescheiter Kopf einmal gesagt, und das nur halb im Spaß. Er hat dann freilich achselzuckend hinzugefügt: Im entscheidenden Augenblick fliegt der Ball, wohin erwill.

Eine vertrackte Mischung aus Gesetzmäßigkeit und Eigensinn also - vielleicht ist das eine ganz gute Beschreibung von Rätsel und Reiz des Fußballs. Ich wünsche Ihnen an beidem weiterhin viel Freude und für die kommenden Spiele und Turniere viel Erfolg.

Und - natürlich drücke ich schon übermorgen wieder die Daumen.

Schließlich noch eine Bemerkung zusätzlich zu dem vorbereiteten Text: Wie schön, dass die Nationalmannschaft der Herren und ihre Trainer zusammen 500.000 Euro für die Flutopfer gespendet haben. Wie gut, dass es den Gedanken gibt, so habe ich gehört, auch ein Benefizspiel für die Flutopfer zu spielen.

Ich bin am Samstag mit meiner Frau und Sachsen und in Sachsen-Anhalt gewesen, in Döbeln, in Bitterfeld. Wir sind über all die überfluteten Städte, Dörfer, Felder und Landschaften geflogen. Manche werden ja Fernsehbilder schnell wieder vergessen, aber diese Bilder prägen sich ein. Die Menschen, die jetzt ohne Hoffnung sind, brauchen uns alle, damit sie wieder Zuversicht gewinnen. Ich danke dem Sport, dem Fußball und Ihnen allen, wenn Sie dabei helfen. Noch einmal: Herzlich willkommen.