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Aufruf von Bundespräsident Johannes Rau in Rundfunk und Fernsehen aus Anlass der Woche der Welthungerhilfe 2002

Vor wenigen Wochen habe ich Sie gebeten, für die Opfer der Hochwasserkatastrophe zu spenden. Die Spendenbereitschaft, die wir erlebt haben, hat viele Menschen überrascht. Sie ist ein überwältigendes Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls. Dankbar bin ich auch für die materielle Hilfe und für die technische Unterstützung, die wir aus anderen Ländern bekommen haben. Das war auch eine Anerkennung für unsere Hilfsbereitschaft, wenn es Not in anderen Ländern gibt.

Mit besonderer Freude habe ich davon erfahren, dass Künstler in Mosambik, das vor zwei Jahren auch von einer schweren Flut getroffen wurde, ein Benefizkonzert zugunsten der deutschen Flutopfer veranstaltet haben.

Die Deutsche Welthungerhilfe leistet schon seit vierzig Jahren weltweit akute Nothilfe. Sie tut das mit gutem Erfolg. Sie leistet aber noch mehr, denn ihr Grundsatz lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist ein guter Grundsatz, denn die Menschen in Afrika, in Asien, in Süd- oder Mittelamerika sollen und wollen auf längere Sicht von fremder Hilfe unabhängig werden. Sie wollen auf den eigenen Füßen stehen. Dabei sollten wir sie auch weiter unterstützen.

Im südlichen Afrika droht in diesem Jahr eine akute Hungersnot. 13 Millionen Menschen sind vom Hungertod bedroht. Auch in Mosambik, dort besonders in den Gebieten, die vor zwei Jahren überflutet waren.

Wir wissen, dass manche Notsituation durch Misswirtschaft in den betroffenen Ländern noch verstärkt wird. Dagegen anzugehen ist eine Aufgabe der Politik und der internationalen Staatengemeinschaft. Wir brauchen aber auch die private Hilfe aller, die etwas tun wollen für die Menschen, die durch Kriege und Umweltkatastrophen und ohne eigenes Verschulden alles verloren haben.

Wer gibt, der will sicher sein, dass seine Spende wirklich bei den Menschen ankommt, die sie brauchen. Jede Spenderin, jeder Spender möchte möglichst genau wissen, dass ihre oder seine Spende auch wirklich Nutzen gestiftet hat. Das ist verständlich. Die Arbeit der Welthungerhilfe ist transparent und öffentlich. Auch deshalb bekommt sie alljährlich das Spendensiegel verliehen.

Die, denen wir unser Geld anvertrauen, die müssen auch vertrauenswürdig sein. Ich vertraue der Deutschen Welthungerhilfe. Seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren hat sie weltweit rund 4600 Projekte finanziert und begleitet. Damit konnte sie vielen Millionen Menschen helfen, den Tag zu überleben und ein Leben in Würde und Selbständigkeit zu führen. Deshalb bitte ich Sie: Unterstützen Sie die Arbeit der Welthungerhilfe auch in diesem Jahr wieder oder zum ersten Mal mit einer Spende. Helfen sie mit, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen und Leben zu retten.